November 16

Da gibt es wichtigeres zu tun…

Gottesdienste müssten einladender, professioneller und kürzer werden, sagte der Religionssoziologe Detlef Pollack vor der Synode. Viele hätten am Sonntagvormittag anderes zu tun, das ihnen wichtiger sei, daher sollte ein Gottesdienst nicht länger als 50 oder 60 Minuten dauern.

So wurde Pollack in verschiedenen christlichen Medien zitiert, so auch hier. Wir haben die Diskussion auch immer wieder in der eigenen Gemeinde, da dauern die sonntäglichen Messen zwischen 70 und 90 Minuten. Alles was die 70 überschreitet sorgt bei vielen für Nervosität. Wer mit kleineren Kindern da ist – d’accord. Ansonsten – wir erhalten vom Herrn pro Woche 168 Stunden geschenkt und sind nicht einmal bereit, mehr als eine Stunde in der Woche zurück zu geben? Da läuft was schief. Das Problem hat Pollack schon getroffen – viele haben (scheinbar) wichtigeres zu tun. Da liegt das Problem aber nicht in der Länge des Gottesdienstes. Es mangelt am Glauben und an der Glaubenserfahrung in der Messe. Daran müssen wir arbeiten, nicht an der Länge. Und ich spreche nicht von Event-Gottesdiensten. Die darf es auch mal geben, sind aber nicht die Lösung. Sondern vielleicht von dem einen oder anderen längeren Moment der Stille. Wenn dann der Gottesdienstbesucher sagt: „Schade, dass es schon vorbei ist“ ist was richtig gelaufen.

Von Detlef Pollack kam noch ein Satz, den würde ich gerne ausgedruckt jedem geistlichen Würdenträger und Kirchenvorstand gerahmt über das Bett hängen:

Pollack betonte, dass die Kirche ihr Geld am Besten in die Kinder- und Jugendarbeit investieren sollte. Dies diene der religiösen Sozialisation der Menschen. Wer sich einmal von der Kirche verabschiedet hat, komme dagegen in der Regel nicht wieder.



Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht16. November 2017 von bengoshi in Kategorie "Amtskirche