Dezember 4

Whites only

Es gibt eine Kunstaktion, die an die Apartheid erinnern möchte. Nicht-Weißen war es unter Strafe verboten, sich auf für Weiße reservierte Bänke zu setzen. Ein solches Erinnern finde ich gut und richtig. Und wenn man da mal so zum Nachdenken angeregt ist, kann man sich ja mal überlegen, ob wir heute noch solche Bänke haben. Ja, haben wir!

Mit einem Kinderwagen bekommt man ein leichtes Gefühl dafür, wie es ist, auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen zu sein. Wenn es keinen Fahrstuhl gibt oder der mal wieder nicht funktioniert. Wenn der Bordstein nicht abgesenkt ist oder zwei, drei Stufen in das Geschäft in das Geschäft führen. Und dann stellt man sich auch mal die Frage, wie es mit dem Gang zum stillen Örtchen ist – wenn man da schon nicht rein kommt.

So kam es mir jedenfalls am Wochenende, als eine größere Veranstaltung nicht barrierefrei ist. Klar habe ich mich auch schon geärgert, wenn der Parkplatz vorne voll ist und alle Behindertenparkplätze frei sind. Aber ich kann in einer engen Lücke immer noch aussteigen und ein paar Meter laufen. Andere nicht. Im Wohngebiet heißt das für die Betreffenden im Zweifel, den Platz erstmal freischleppen lassen zu müssen. Es muss aber eine Selbstverständlichkeit werden, Bühnen nicht durch Treppen unzugänglich werden. Behindertengerechte Toiletten gar nicht oder nur durch große Umwege erreichbar sind. Wird das mit entsprechenden Normen flankiert, geht da vieles, siehe Brandschutz. Bei einer gewissen Größe und Art (sprich Tagesveranstaltungen) sollten auch Wickelauflagen so selbstverständlich werden wie Stillräume. Geht beispielsweise im Spektrum.

Ohne Druck geht da scheinbar nichts oder viel zu langsam. Also muss da Druck rein. Das heißt im Zweifel auch die anprangern, die das nicht verstehen. Als ich am Wochenende jemanden bei einer Veranstaltung darauf ansprach, wurde ernsthaft vorgeschlagen, die Menschen könnten ja hochgetragen werden. Kann sich ja mal jeder überlegen, wie er oder sie das empfinden würde.

Zum Thema „täglich geglaubt“: Teil der Nächstenliebe. Nicht gläubig? Ist Dir keiner böse drüber, wenn Du Dich trotzdem dafür einsetzt.



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Veröffentlicht4. Dezember 2017 von bengoshi in Kategorie "Glaubenspraxis