Dezember 27

Korrektur zu Lehmann-Brothers

Ich hatte zur Lehmann-Pleite getwittert:

Insolvenzverfahren der dt. Lehmann-Tochter: Gläubiger gehen verlustfrei raus, Kleinanleger erhalten etwas weniger als die Hälfte. Gleichheit im Recht. Der Insolvenzverwalter erhält zum Dank zwischen 500 und 834 Mil. € Honorar

Danke eines Hinweise aus der Kanzlei, zu der der Insolvenzverwalter gehört beziehungsweise dahintersteht, muss und möchte ich das korrigieren: Bei der deutschen Lehmann-Tochter hat der Insolvenzverwalter dafür Sorge getragen, dass die Gläubiger vollständig entschädigt werden. Ganz klar, saubere Leistung. Da gibt es nichts daran zu deuteln. Insofern korrigiere ich da meinen obigen Tweet und ziehe den Hut vor dem Kollegen / den Kollegen. Irgendwie schwanke ich ja noch bei der Tatsache, dass das Honorar nicht öffentlich ist und ob es da im Sinne einer Transparenz nicht ein öffentliches Interesse gibt. Aber das ist nicht das Problem der Kanzlei, da müsste man an die Insolvenzordnung ran.

Die Privatanleger haben ein Problem. Das liegt aber daran, dass sie über ihre Bank bei der niederländischen Tochter der Lehmann-Brother gezeichnet hatten. Und da schaut es eben nicht so rosig aus. Mir fällt da der von Schulze-Osterloh immer wieder zitierte Satz ein: „Verluste sozialisieren und Gewinne realisieren.“ – den er als Systemkritik verstand. Klar dienen diese Firmenkonstrukte der Enthaftung. Das hat in einem gewissen Umfang seine Berechtigung: Wenn in einem Teil etwas schief läuft, muss nicht gleich alles daran glauben. Was mich daran stört – das funktioniert erst vernünftig ab einer gewissen Größenordnung. Bei KPMG konnte ich schön sehen, wie da Unternehmensgruppen am Reißbrett „gemalt“ werden. Mal hier noch eine GmbH und hier – das frisst ein kleineres Unternehmen aufgrund des damit einhergehenden Overheads auf. Ich hole da deshalb so aus, weil es bei mir einen faden Beigeschmack hinterlässt, dass hier die Großanleger entschädigt werden und dort die Kleinanleger nicht im gleichen Umfang – bei einer Insolvenz in der gesamten Firmengruppe. Das hängt ja mit einer solchen Trennung zusammen. Und ja, mir ist schon klar, dass das grenzübergreifend eine Menge Probleme mit sich bringt. Aber wir reden hier von zwei EU-Staaten.

Im Ergebnis – klare Korrektur zu meinem ursprünglichen Tweet. Ein Störgefühl bleibt trotzdem – aber nicht gegen CMS.



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Veröffentlicht27. Dezember 2017 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt