Januar 22

Wo ein Trog ist…

… sammeln sich die Schweine. Mein letzter Stand ist, dass Berlin das elektronische Klassenbuch erstmal auf Eis gelegt hat. Die FDP seinerzeit dazu:

FDP-Politiker Sebastian Czaja wirft Senatorin Sandra Scheeres „Technologiefeindlichkeit“ vor und kritisiert, dass das Projekt „auf Eis gelegt“ wurde, obwohl es von Lehrern ausdrücklich gelobt worden sei und andere Länder damit gute Erfahrungen gemacht hätten.

Wir haben ja bei der letzten Bundestagswahl vom Schönling gelernt: Digital first, Bedenken second. Vielleicht könnten wir der FDP erstmal einen Deutschkurs bezahlen und danach einen Literaturkurs – Schöne neue Welt von Huxley war eine Dystopie nicht Utopie. Jedenfalls sollen die Daten besser ausgeschlachtet werden:

Der Paritätische Gesamtverband sieht die geplante Erfassung aller Schülerinnen und Schüler, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben, im Datensystem der BA kritisch. Auf die erhobenen Daten sollen die Agentur für Arbeit, die Jobcenter, das Jugendamt und auch die Schulen zugreifen können.

Klar, diesen Datenreichtum muss man ausschöpfen. Ich sage jetzt schon voraus – um die Qualität des Beratungsgesprächs zu verbessern, braucht der Berater da natürlich auch Einzelnoten, Fehlstunden etc.! Denn schließlich:

Über die erfassten Daten sollen die jungen Menschen aktiv angesprochen werden können. Ihnen soll frühzeitig eine passende Beratung und/oder das passende Förderangebot unterbreitet werden.

Kritik der Paritäter:

Der Paritätische bemängelt, dass man für die bereits heute bekannten und im System erfassten Jugendlichen nicht in der Lage sei, niedrigschwellige und rechtskreisübergreifende individuelle Förderangebote bereit zu stellen. Die Datenerfassung total „löse die Probleme nicht.“

Das ist richtig und gleichfalls ein Trauerfall. Wenn mit der Datenerfassung die individuellen Förderangebote kommen, dann können wir personenbezogene Daten frei weiterreichen können? Nur nochmal ganz langsam – hier ist nicht die Rede von „Problemschülern“. Hier wird von Schülern gesprochen, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllt haben. Wer Abi macht und dann mit dem Stipendium nach Harvard geht ist davon genau betroffen. Quasi verdachtsunabhängig nehmen wir mal alle Daten und verteilen sie fleißig weiter. Und vielleicht haben auch „Problemschüler“ ein Anrecht darauf, dass ihre Daten ohne Zustimmung nicht frei weitergereicht werden.

Wie gut, dass mit solchen Daten dann ja nie etwas passiert. Alles ist sicher. Immer diese Bedenkenträger.

Die KNA berichtete die Tage von einem Interview der Stuttgarter Zeitung (nur für Abonnementen) mit Bischof Fürst:

Fürst nannte es arrogant, wenn Wirtschaft oder Unternehmen Menschen Fortschrittsfeindlichkeit vorwürfen, wenn sie Fragen stellten und Bedenken vorbrächten.

 



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Veröffentlicht22. Januar 2018 von bengoshi in Kategorie "Politik