Januar 24

F.U.C.K. – FRAUEN UND COMPUTER KRAM

Diversität ist aus meiner Sicht ein Geschenk, da unterschiedliche Wesens- und Denkrichtungen sich bereichern und den Geist offen halten. Das gilt sowohl für die Frage nach Geschlechtern als auch nach Alter – privat wie beruflich. Jungen Hipster Start-ups ohne Grauhaardackel fehlt ebenso etwas wie eine Ansammlung von Greisen, nur Frauen ebenso wie nur Männern. Das kann man weiter durchaus weiterziehen und denken. Ist diese Diversität nicht gegeben, sollte das zum Denken anregen und sich die Betreffenden durchaus überlegen woran es liegt und Lösungen entwickeln. Dabei ist es nicht einfach, Lösungen zu entwickeln, die eine Seite fördern ohne die andere zu behindern.

Dass die IT-Szene männerdominiert ist, ist nun wahrlich kein Geheimnis – entgegen der Bedeutung der Geschichte. Da ist Bewegung drin, was sehr erfreulich ist. Frauen sind zwar immer noch eine deutliche Minderheit auf einschlägigen Veranstaltungen oder in „Nerd-Tempeln„, aber dankenswerterweise keine Einzelfälle mehr. Es lohnt sich durchaus darüber nachzudenken, warum das so ist, wie es ist. Ich erlebe bei unserer Tochter wie wichtig es für sie zu sehen ist, dass in dieser Szene durchaus auch Frauen unterwegs sind. Das senkt die Einstiegshürde. Insoweit finde ich Initiativen, die die Sichtbarkeit von Frauen in diesem Bereich erhöhen wollen, wirklich wertvoll. F.U.C.K.  – Frauen Und ComputerKram hat sich diesem Ziel verschrieben. Gut so. Gleichsam entwickelt sich bei mir da ein ungutes Gefühl, wenn ich so etwas lese:

Einmal Monat ist der Chaos Computer Club München für einen Abend nur für FLT*I (Frauen, Lesben, Trans*, Inter) reserviert. […] Unser Ziel ist es für mehr Diversität im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie zu sorgen.

In Berlin gibt es einen Hackerspace nur für Frauen. In einem Heise-Artikel wird erklärt, warum dieser nur für Frauen offen steht:

Das alles wird leichter in einem Safe Space, in dem sich nur Menschen treffen, die sich als Frauen identifizieren. Damit sollen Dynamiken um Gender ausgehebelt werden und unerwünschtes Belehren, sogenanntes Mansplaining, gar nicht erst stattfinden. Krake: „Langfristig hoffen wir, dass die Hackspace-Szene insgesamt diverser wird, indem mehr Frauen zu Konferenzen oder anderen Hackspaces gehen, oder indem neue Hackspaces entstehen, die mehr unterrepräsentierten Gruppen ein Hack-Zuhause geben.“

Wer als Mann diesen besuchen will, braucht ein Mitglied als „Türöffner“:

Die Heart of Code öffnet einmal im Monat ihre Türen für Nicht-Frauen-Sternchen. [… ] Für’s Erste ist der Zugang beschränkt auf Leute, die als +1 eines Heart of Code Mitglieds kommen. Wenn ihr als solches gerne vorbeischauen möchtet, dann gebt eurer Heart of Code Kontaktperson eurer Wahl bescheid und meldet euch bei ihr an.

Da legen klassische (männliche) Studentenverbindungen mehr Offenheit an den Tag.. Diversität fördern in dem gezielt Gruppen ausgesperrt werden – das ist und bleibt für mich ein unauflösbarer Widerspruch in sich. Stell Dir mal kurz vor, mit welchen Reaktionen wohl zu rechnen wäre, wenn wir so etwas veröffentlichen würden:

Einmal Monat ist der Computer Club Nirgendwo für einen Abend nur für heterosexuelle, weißen Männer reserviert. Unser Ziel ist es, sich der mangelnden Diversität im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie bewusst zu werden. Gleichfalls wollen wir einen Safe Space schaffen, in dem Männer frei reden können.

Mir jedenfalls schmeckt das eine ebenso wenig wie das andere.

 

 



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Veröffentlicht24. Januar 2018 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt