Februar 13

Kinder und künstliche Intelligenz

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel, in dem es darum ging, dass das mit der Künstlichen Intelligenz (KI) alles viel zu aufgebauscht sei. Okay, ich lese selten etwas von diesem Autor, da ich danach immer wieder weiß, warum fefe den Spiegel das „ehemalige Nachrichtenmagazin“ nennt. Aber sei es drum. Computer könnten jedenfalls nur solche streng reglementierten Sachen wie Go lernen. Ansonsten seien sie auch mit KI soweit vom Menschen entfernt. Hinfort Ihr Bedenkenträger! Angst müsst Ihr nur vor der Ökonomisierung haben (irgendwie muss der Iro ja gerechtfertigt werden). Okay, nun kann man Sascha Lobo zugute halten, dass er im März 2017 AlphaGo Zero noch nicht kannte. Aber ich glaube, da fehlt trotzdem etwas. Ich musste nämlich daran denken, als ich bei heise folgende las:

Computer können bemerkenswert viel lernen, brauchen dafür aber riesige Mengen an Beispiel-Daten. So können Menschen etwa Kaffeetassen problemlos erkennen, sobald sie ein oder zwei Beispiele dafür gesehen haben.

Ich erlebe jetzt gerade bei Kind Nummer drei noch einmal sehr bewusst, wie das so mit der Menschwerdung läuft. Bis ein Mensch eine Kaffeetasse problemlos erkennen kann – und vorsichtig beim Trinken ist weil es ja heiß sein könnte – vergehen Jahre. Jahre mit unzählbaren Versuchen und Datensammelei (früher Sinneseindrücken). Alleine einen Gegenstand anzufixieren dauert Monate. Gezieltes Greifen und Festhalten ist ein Entwicklungsschritt. Gib mal einem vier oder fünf Monate altem Kind einen Stück Brot in die Hand und schau Dir mal an, wie es damit kämpft, das sicher in den eigenen Mund zu manövrieren.  Du bist auch sofort dankbar für die Maschinen, die die umgeben (Staubsauger und Waschmaschine). Wer einen Menschen gleich welchen Alters betrachtet, sollte nicht vergessen, dass auch diese ganzen Lernfortschritte in ihm drin stecken. Die entdeckt der Mensch auch nicht alleine: „Um ein Kind zu erziehen bedarf es eines ganzen Dorfes“ kommt ja nicht von ungefähr.

Wer die Entwicklungsschritte, die KI derzeit durchmacht, kleinredet, hat sich mit der Entwicklung des Menschen nicht wirklich beschäftigt, missachtet die Fortschritte und negiert Gefahren. So sehr ich von diesem Thema fasziniert bin: Hoffentlich lernt die KI eben nicht so schnell Laufen – denn dann können wir alles hochräumen und Schranksicherungen ranbauen.

Update: Brot an Kinder in dem Alter geht natürlich gar nicht, sehe ich ein. Das böse Gluten und so. Ich meinte ja auch ein konventionelles T-Bone-Steak, honigglasiert. Das macht die Kleinen stark!



Copyright 2016 by Kai Kobschätzki. All rights reserved.

Veröffentlicht13. Februar 2018 von bengoshi in Kategorie "frisch aufgeschnappt