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September 30

Modernisierungsschub

In der Caritas NRW aktuell las ich einen Artikel über den Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP in  NRW. Die Politik hat doch jetzt im Jahre 2017 des Herrn entdeckt, dass Digitalisierung tatsächlich ein beachtenswerter Faktor ist. Und die Caritas mahnt in dem Artikel zu Recht an, dass neben den Chancen auch ein Blick auf die Risiken wie Datenschutz und IT-Sicherheit gelegt werden müsse und die Menschen in der Arbeits- und Lebenswelt mitgenommen werden müssen. Nun wissen wir ja dank des Bundestagswahlkampfes, dass wir dort nicht so viel Nachdenken sollen und Bedenken anheim stellen müssen.

Jedenfalls lese ich so munter in dem Koalitionsvertrag und bleibe an zwei anderen Stellen hängen:

Eine humane und solidarische Gesellschaft muss alles dafür tun, um schwanger gewordenen
Frauen umfassende Hilfestellung und Beratung anzubieten. Vor diesem Hintergrund
leisten die über 200 Schwangerschaftsberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen eine unverzichtbare
Arbeit. Wir werden sie weiter unterstützen.

Alles es gut und es wird so weitergehen wie bisher. Nun, im Gegensatz zum bundesweiten Trend sind die Zahl der Abtreibungen in NRW gestiegen. In der Jugend kam jetzt die Frage von einer Jugendlichen auf, was bei der Union christlich sei. Gute Frage. Aber bitte weitergehen, es gibt nichts zu sehen.

Dann las ich da noch:

Das Gymnasium darf nicht weiter benachteiligt werden. Wir werden den Bildungsauftrag
der Gymnasien stärken. Das Ziel ist die vollumfängliche Studierfähigkeit der Abiturientinnen
und Abiturienten. Hierzu werden wir die MINT-Fächer stärken und den Ausbau der
Kooperationen mit den Hochschulen des Landes und denen des benachbarten Auslands
vorantreiben.

MINT-Förderung ist wichtig. Da bin ich nerdig genug, um dabei zu sein. Aber dieser über NRW hinausreichende Trend macht mir zunehmend Sorgen, denn es drängt die Geisteswissenschaften zurück. Wir beschweren uns über Geschichtsvergessenheit und Erfolg der AfD und legen den Fokus nur auf MINT-Fächer? Wer will, dass junge Menschen Verständnis für andere Menschen haben, muss Wissen über deren Kulturen und warum sie anders sind, vermitteln und Sprachbildung fördern. Vielleicht auch mal mit beispielsweise Arabisch als Wahlmöglichkeit für die Zweisprache an einem Teil der Schulen.

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Juli 28

Traditionsbewusstsein bei den Grünen

Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn Steuermittel für die Forschung eingesetzt werden. Der Pranger ist ja an sich aus der Mode gekommen, aber nunmehr scheint die steuerfinanzierte Heinrich-Böll-Stiftung untersuchen zu wollen, ob sich dieser zumindest digital wieder lohnt. Pranger, dass ist nach der Wikipedia ein Strafwerkzeug in Form einer Plattform (jetzt neu digital) an denen ein Verurteilter gefesselt und öffentlich vorgeführt wurde. Zunächst Folter-Werkzeug und Stätte der Prügelstrafe, erlangten Pranger ab dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung zur Vollstreckung von Ehrenstrafen. Nun, was früher gut war, muss jetzt nicht schlecht sein. Dieses Traditionsbewusstsein muss man der Heinrich-Böll-Stiftung anrechnen. Die Verurteilung nimmt die Stiftung auch gleich vor, das ist effizient. Wer wird da nun vorgeführt? Jeder, der nach Ansicht der Stiftung wer als antifeministischer Akteur in der Öffentlichkeit oder Politik auftritt. Dazu zählt beispielsweise eine hetronormative Einstellung. Die Erläuterung dazu muss ich vollumfänglich zitieren, dass darf niemandem vorbehalten werden:

Heteronormativität bezeichnet eine symbolische Ordnung und das Gefüge einer gesellschaftlichen Organisation, die Geschlechterverhältnisse, Lebenspraxen und Subjektivitäten entlang der Norm Heterosexualität strukturiert. Im Zentrum dieser Norm stehen die kohärenten heterosexuellen Geschlechter ‚Mann’/’Frau‘. Heternormativität benennt damit den Verweisungszusammenhang der voraussetzungsvollen Annahmen, dass es a.) zwei und nur zwei Geschlechter gibt, diese b.) auf Basis scheinbar eindeutiger biologischer Körper beruhen und sodann ’sozial‘ als ‚Männer‘ und ‚Frauen‘ erkennbar sind und c.) sich wechselseitig begehren.

Da ich auch zu denen gehöre, die bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen sich einbilden, bei ihnen unbekleidet „eindeutig biologische Körper“ ausmachen zu können – sprich hängt da was oder hängt da nix – gehöre ich auch dazu. Aus einer schnöden empirischen Erfahrung heraus vertrete ich auch die Auffassung, dass die meisten des einen Geschlechts diejenigen des anderen Geschlechtes mehr oder minder begehren. Göttlicher Plan hin oder her – dank dessen war die Menschheit keine Eintagsfliege (und selbst die.. schon gut).

Inhaltlich kann ich da nur feststellen, dass jedes Lehrbuch über katholische Dogmatik mehr kritische Auseinandersetzung bietet als diese Plattform. Da genügt es schon bei Harald Martenstein, dass er sich bei dem Thema Unisextoiletten gewagt hat, diese kritisch zu hinterfragen. Vorwurf in anderer Sache:

Er zeige wie auch in Diskussionen um Rassismus und Antisemitismus die gleichen Reaktionen des „prototypischen deutschen, weißen Mannes“.

Das ist hart. Sollten wir bei der nächsten Strafrechtsreform das einfügen, müsste man das wohl irgendwo zwischen den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Straftaten gegen das Leben einsortieren. Was findet sich da sonst noch? Katholiken sind in Teilbereichen gefährliche Menschen. Überrascht nicht wirklich. Im Sinne einer gelebten Ökumene sind auch Teile der evangelischen Geschwister mit dabei. Aber alleine schon wer anderen Menschen von seiner Erfahrung mit Gott positiv berichtet, fällt auch unter die Achse des Bösen. Klar gehören dann der Einsatz für das ungeborene Leben mit dazu.

Ich bekenne mich in mehreren Punkten schuldig. Zum Glück bin ich unbekannt, sonst riskierte ich da auch zu stehen.

An sich eine popcornreife Veranstaltung. Aber zurück zum Pranger. Aufgelistet werden dort Personen und Organisationen, die der Heinrich-Böll-Stiftung nicht ins Bild passen. Im ersten Reflex kann man sagen –  Le Pen und Petry anzuprangern kann nicht schädlich sein. Doch. Das hat in dieser Form nichts mit politischer Auseinandersetzung zu tun. Hier geht es nur noch um ein Vorführen.

Solche Pranger werden auch rechtlich kritisch gesehen, hier sehen es selbst Medien wie der Tagesspiegel oder gar die taz kritisch. Da wir über den Verfassungsschutz nun genug Geld in die rechte Szene gepackt haben, will ich kein Mimimi über deren Online-Pranger mehr hören. Da kann ich keinen echten Unterschied erkennen. Ein objektives Verfahren, wer wann wie reinkommt ist bei beiden ebenso wenig vorgesehen wie eine Möglichkeit, davon wegzukommen. Um nicht missverstanden zu werden – ich will diese Pranger gar nicht. Das ist das Gegenteil eines toleranten Umgangs mit Andersdenkenden. Wer sowas macht, sollte sich in Grund und Boden schämen.

Was kommt als nächste Stufe? Wenn die Erprobungsphase für den neuen Online-Pranger durch ist – testen wir dann demnächst einen realen? Vielleicht kriegen wir das bis Herbst noch hin, da sind die überreifen Tomaten immer preiswert.

Wer noch ein paar Minuten hat – wohin dieser Umgang miteinander führt, kann man in München gerade sehen. Pluralismus zeigt sich gerade dort, wo die eigene Komfortzone verlassen wird. Innerhalb dessen klopft man sich nur gegenseitig auf die Schulter.

Update: Bei den Seitenbetreibern ist die Kritik angekommen. Also sie haben sie registriert, angekommen ist da nix. Da deren Erläuterung auf Facebook stehen, gibt es hier keine Verlinkung.

Die Beiträge sind – im Gegensatz zu vielen anderen Veröffentlichungen im Netz – weder denunziatorisch noch beleidigend oder erniedrigend, sondern ausschließlich auf Grundlage von öffentlich einsehbaren und nachvollziehbaren Publikationen nach bekannten, auch in der Wissenschaft eingesetzten Kategorien erfolgt.

Nun, der rechte Mob nimmt auch gerne das heraus, dass sich Personen öffentlich gegen sie gestellt haben. An den Pranger stellen heißt nicht, dass die zugrunde liegenden Taten heimlich geschahen. Und hoffentlich verbreitet sich diese Ansicht von Wissenschaft nicht weiter..

Sie helfen mit ihrem Übersichtscharakter dabei, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Viele Artikel beschreiben Hintergründe, Ideologien oder Organisationen und geben Hinweise auf Literatur oder Material, um den Einstieg in die Debatte zu ermöglichen.

Ich kann da meinen Satz zum Lehrbuch für katholische Dogmatik nur wiederholen. Man möge mich bitte korrigieren – aber wo wird da Literatur erwähnt, die eine kritische Auseinandersetzung ermöglicht? Mein Verständnis wäre demnach, mehrere Seiten beleuchtet und versucht, den Leser dazu zu befähigen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Das ist ja keine Naturwissenschaft, wo klar ist, dass der Apfel vom Baum fällt. Da können wir überlegen, woran das wohl liegen mag. Aber er fällt. Hier reden wir über darüber, ob wir es gut oder schlecht finden, dass er fällt. Da kann das Ergebnis nicht vorher feststehen.

Die Agent*in ist ein gerade erst veröffentlichtes Wiki und befindet sich im Aufbau. Ein Wiki ist ein Work-in-Progress, eine sich ständig wandelnde Online-Plattform. Ein Wiki ist ein angemessenes Medium, um über diese Welt zu berichten, die in Bewegung ist und sich ändert. Daher konnte bereits das dynamische Wikipedia als Online-Enzyklopädie den behäbigen Brockhaus verdrängen.

Was für ein Bullshit. Die Wikipedia hat den Brockhaus verdrängt, da es viele Freiwillige gab, die sich ohne ernsthafte Zugangsbeschränkung beteiligen konnten, die in einem teilweise quälenden Prozess eine Übereinstimmung über die Inhalte gefunden haben beziehungsweise darum ringen. Bloß weil hier die gleiche Software eingesetzt wird, hat das mit den Wirkungsmechanismen der Wikipedia rein gar nichts zu tun. Das eine ist offen und entsteht in einem Diskussionsprozess, dass andere ist geschlossen und die veröffentlichten Inhalte werden von einer intransparenten Gruppe irgendwie ausgewürfelt.

Update 2: Lesenswerter Kommentar auf SPON.

Update 3: Aktuell ist die Seite runter. Es erscheint dort:

Wir kommen wieder!

Die Agent*In geht vorübergehend offline.

Die Agent*In hat intensive Debatten ausgelöst und zeigt: unser politisches Anliegen ist hochaktuell und notwendig. Unser Ziel ist es, dass unterschiedliche Lebensentwürfe selbstbestimmt und in Freiheit gelebt werden können.

Bedauerlicherweise hat die gewählte Form die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu Antifeminismus überlagert.

Deshalb werden wir die Seite erweitern und überarbeiten.
 Wir werden sie verständlicher und vielfältiger machen. Anregungen dazu können über redaktion-agentin@boell.de eingebracht werden.

Wir sind ein ehrenamtlich arbeitendes Netzwerk aus etwa 180 Menschen, die sich wissenschaftlich, theoretisch und aktivistisch mit Antifeminismus auseinandersetzen.

Antifeminismus ist wesentliches Element der rechtspopulistischen Ideologie und Bewegung. Zunehmend finden sich jedoch gender- und feminismusfeindliche Argumentationen in den Diskursen der gesellschaftlichen Mitte.

Für uns bleibt die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung dazu eine Aufgabe, der wir uns stellen.

Die Redaktion

Die erste Zeile hört sich an wie eine Bedrohung (nicht rechtlich gemeint). Ich setze auf eine Verschlimmbesserung. Aber manchmal habe ich gerne Unrecht.

 

Pillory 9105377.jpg
Wikipedia-Bildquellen-Angabe: Von Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Nomo als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben). – Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird angenommen, dass es sich um ein eigenes Werk handelt (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben)., CC BY-SA 2.5, Link

 

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Mai 18

Rocketscience in der Jugendarbeit

Es gibt Dinge, die lassen mich wieder erschüttern und zutiefst bewegen. Dazu zählt, wenn bei Kinder und Jugendlichen vermeidbar ihr Leben nicht leben können. Jeden Tag sterben weltweit über 3.000 Jugendliche – überwiegend an Verkehrsunfällen, Atemwegserkrankungen und Selbstmord. 15- bis 19-jährige Mädchen und junge Frauen versterben meist an den Komplikationen einer Schwangerschaft, Geburt oder unsicherer Abtreibung. Wir schaffen es, weltweiten Güterverkehr und Kommunikation zu unterhalten, zum Mond zu fliegen und Atomfusion zu betreiben, aber wir scheitern daran, Jugendliche aufzuklären, ihnen in schwerer Zeit beizustehen und den Verkehr sicher zu betreiben?

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April 10

Evangelikale und Humanisten

Ich lese ja immer wieder gerne Medien derer, deren Einstellung ich nicht oder nur sehr bedingt teile. Aus meiner Sicht verbreitert das immer wieder die Sicht und man stößt auf Sachen, die im eigenen Kreis nicht oder zumindest nicht so auftauchen. Ob man dem dann folgt, steht ja auf einem ganz anderen Blatt. Aber zumindest kann man sich so damit auseinander setzen.

So blätterte ich mal wieder durch den Humanistischen Pressedienst. Und dieser stellte ein interessantes Werk über die Entwicklung der Evangelikalen vor. Klar, da stehen Hund und Katz‘ bei einander. Was ich mal wieder interessant fand: Sind politische Interessen religiös motiviert, kommt gleich der Aufschrei nach fehlender Trennung zwischen Staat und Kirche. Hat der Eintritt für beispielsweise den Lebensschutz etwas mit Säkularisierung zu tun, weil es jemand aus christlicher Motivation heraus sagt? Aber die Freigabe der Abtreibung, PID & Co. sind legitim, weil sie „nur“ einer vermeintlich humanistischen Ideologie folgen?

Das Buch helfe zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Trennung von Staat und Religion von den Konservativen nahezu aufgegeben wurde.

heißt es da in dem Artikel. Die Trennung von Staat und Kirche ist nicht so feststehend, wie der Blick in verschiedene Länder zeigt. Geht es nicht vorrangig darum, dass niemand an einem öffentlichen Amt einschließlich des Berufsbeamtentums gehindert wird, weil er eine bestimmte Religion hat oder nicht hat? Muss nicht jeder Religionsgemeinschaft als Vereinigung von Menschen die gleichen Rechte zugestanden werden, wie einer Interessenvertretung von Autofahrern (ADAC) oder Hasenzüchtern? Darf der Atheist, der aufgrund ethischer Bedenken gegen die aktive Sterbehilfe ist, die Stimme erheben, der religiös motivierte nicht?

Ich glaube ja, hier geht es eigentlich nicht um die Trennung von Staat und Kirche. Die sehe ich hier nicht in Gefahr. Da sind Leute an die Macht gekommen, deren Positionen man nicht teilen mag. Hier geht es doch vielmehr ideologisches Bekämpfen der Religionen – und politischer Positionen. Auf die Säkularisierung zu verweisen ist da aber schön bequem, weil man sich damit inhaltlich mit den Argumenten der Gegenseite nicht mehr auseinander setzen muss.

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Februar 5

Statistik

idea meldet, dass wohl die Abtreibungszahlen deutlich höher sein, als offiziell verkündet. Das läge unter anderem daran, dass die Ärzte diese Zahl gesondert melden müssen. Da dies anonymisiert passiert, lasse sich nichts zurückverfolgen. Und dann wird auch gerne mal die eine oder andere Meldung vergessen. Ich ging ja bis dato naiv davon aus, dass die Zahl über die Krankenkassen ermittelt wird. Damit dürften nahezu alle Zahlen erfasst werden. Und die Krankenkassen können die Zahl anonymisieren. Warum das nicht so passiert, ist mir schleierhaft. Datenschutz kann kein Argument sein, wenn die Krankenkassen nur Gesamtzahlen melden.

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Dezember 14

Schwangerschaftsabbruch

Ich hatte neulich eine Diskussion über das Thema Schwangerschaftsabbruch, bei der gleich das Argument kam, dass man das minderjährige, vergewaltigte Mädchen bedenken müsse. Ich habe mich schon einmal zu dem Thema geäußert und will das deshalb nicht wiederholen. Aber ich will das obige aufgreifen. Das sind Fälle, über die wir gerne reden können. Wir würden viele Leben retten, wenn wir uns auf die anderen Fälle konzentrieren. Es sind nämlich lediglich vier Prozent der Abtreibungen mit medizinischer oder kriminologischer Indikation. 96 Prozent sind dies gerade nicht. Da die Zahl der Abtreibungen im Vergleich zum Vorjahr ungefähr konstant geblieben ist, heißt das, dass rund 95.000 Abtreibungen nach der sogenannten Beratungslösung vorgenommen wurden. Der Anteil der unter 18-Jährigen lag übrigens bei drei Prozent. Die meisten Abtreibungen fanden im Alter von 18 bis 34 Jahren statt (72 Prozent). Ja, im besten Alter, um Kinder zu kriegen, denn eine Risikoschwangerchaft liegt ab dem 35. Lebensjahr vor.

Von den fast 100.000 Abtreibungen pro Jahr ist die ganz breite Masse weder zu jung, noch Opfer einer Straftat. Und jetzt muss ich doch aus dem zitierten Blogbeitrag mich wiederholen:

Unser Weg als Christen sollte es meines Erachtens sein, für ein Klima und für Bedingungen Sorge zu tragen, in denen Frauen auch in widrigen Umständen ihre Kinder zur Welt bringen möchten. In denen wir Hilfsangebote schaffen und so bekannt machen, dass jede Frau auch in einer verzweifelten Lage weiß, dass und wo ihr geholfen wird. Das sie jederzeit weiß, dass zumindest wir ihr auf jeden Fall helfen.

Update: Beim Schreiben sieht man die Zitate nur etwas eingerückt. Sorry, wenn ich mich selbst so zitiere. Ich sehe ein, dass sieht komisch aus, könnte mich da aber tatsächlich nur stumpf wiederholen.

Update2: Ich las gerade das hier zum Thema und hier, was das ganze mit Weihnachten zu tun hat.

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September 7

Teenagerschwangerschaften

Es gibt ja diese lustigen Roborterbabys. Diese müssen gefüttert und gewindelt werden und quaken auch mal nachts. Sie sollen ein Gefühl dafür vermitteln, was es heißt, ein Baby zu haben. Nun, mich erinnert es mehr an ein Tamgotshi als an ein Kind, aber sei es drum. Die Idee – wenn Jugendliche sehen, was es heißt ein Kind zu haben, überlegen sie sich das zweimal. Nun kam jemand auf die famose Idee zu untersuchen, ob das denn auch funktioniert. So wie das Ergebnis vorgestellt wurde, eher nicht. Der Hersteller beruft sich darauf, dass der Unterricht ja auch nicht so stattfand, wie von ihm empfohlen. Okay, schon mal ein Einwand. Mich hat eine Textstelle stutzig gemacht:

Anschließend wurden bis zum Alter von 20 Jahren die klinischen Niederkünfte und Abtreibungen aller Mädchen registriert. Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmerinnen, die ein Wochenende mit einem Roboterbabys verbracht hatten, häufiger schwanger wurden, und dann auch relativ seltener abtrieben. Als Ergebnis wurden sie doppelt so häufig Mütter.

Ich hätte ja gerne mal etwas mehr zu dem „häufiger schwanger“ gewusst. Der Hersteller empfiehlt begleitend 14 Stunden unterricht, gegeben wurden aber nur zweieinhalb (parallel zum ohnehin stattfindenden Sexualkundeunterricht). Bei der Differenz hilft es wenig, dass es Kleingruppen waren und die Krankenschwestern statt Lehrer eingesetzt wurden. Ob Krankenschwestern für diese Form der Präventionsarbeit geeigneter sind als Pädagogen würde ich ja schon mal offen lassen wollen. Ich frage mich, ob da nicht schon viel verpasst wurde. In der kurzen Zeit lässt sich kaum über Themen wie Enthaltsamkeit und Verhütung sprechen – jedenfalls, wenn man eine Phase des Warmwerdens einplant.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Hoch interessant finde ich, dass es die Abtreibungen reduziert hat. Das ist ja ein fulminanter Erfolg. Wann werden solche Puppen bei uns flächendeckend eingeführt? Da wäre ich auch an mehr Infos aus der Studie interessiert, woran das gelegen hat. Klar habe ich dazu auch Ideen, aber harte Fakten wären interessant.

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August 29

Verfolgungswahn

Bei der Diskussion um Meinungsfreiheit und „was man denn noch sagen dürfe“ gibt es zwei Aspekte, die sich gerne wiederholen: Thema „das wird man ja noch sagen dürfen können müssen“. Und das bei Themen, über die sehr wohl gesprochen wird. Gerne angeführt beispielsweise bei den Themen Asyl- und Ausländerpolitik. Als ob darüber nicht gesprochen würde. Dabei sühlen sich die Anführer dieses Argumentes gerne in einer Grube der Tränen eines vermeintlichen Opfers und der scheinbaren Verfolgung. Bei manch einem entwickelt sich das zur regelrechten Paranoia (dabei sollten sie lieber Paranoia spielen). Kommt es dann zum Eklat, wird gerne übersehen, dass auch die Meinungsfreiheit Grenzen kennt. Und wenn jemand wie Thilo Sarazzin an der Volksverhetzung langschrammt, weil er auf vermeintliche genetische Dispositionen zurückgreift, fühlt sich die Gruppe gerade bestätigt: Das haben wir ja schon immer gesagt. Wir sind nicht paranoid, wir werden wirklich verfolgt. Eine Reflektion, warum es diese Grenzen gibt, scheint da nicht stattzufinden.

Auf der anderen Seite stehen die Godwin-Jünger. Bei allem was nicht in den eigenen Kram passt, kommt die große Nazi-Keule. Problematisch daran ist, dass es die oben anstehend genannte Gruppe nur in ihrer Ansicht befeuert und ähnlich einem heilsamen Medikament dann nicht mehr wirkt, wenn die tatsächlichen Krankheiten ausbrechen.

Der langen Vorrede kurzer Sinn: Wenn jemand behauptet, etwas dürfe nicht gesagt werden, bin ich erstmal skeptisch.

Aber wie der Fall Hollemann zeigt, gibt es durchaus solche Themen: Ihm ist zum Verhängnis geworden, in einem Verein für Lebensschutz Mitglied gewesen zu sein, hier konkret bei ALfA.

Ich postuliere an dieser Stelle Godwin-Law-II: Der neue Nazi ist der Radikale.

Kurzum – Hollemann wurde als „radikaler“ Lebensschützer dargestellt. Bei der Gelegenheit frage ich mich, wann man da „radikal“ ist. Darf man nur ein bisschen gegen die Tötung von Kindern Abtreibung sein? Oder muss man dazu mit Steinen geworfen haben? Okay, entspannt zurücklehnen. Den ersten Absatz nochmal lesen. Tappe ich selbst in die Falle, dass es hier quasi aus einem guten Grund eine Grenze gibt? Nun, das aktuelle Strafrecht stellt die Tötung von Kindern den Schwangerschaftsabbruch erst einmal unter Strafe (§ 218 StGB). So ganz falsch kann man mit der Auffassung nicht liegen. Wann die Voraussetzungen für Straffreiheit (§ 218a StGB) vorliegen mögen, muss ja dann irgendwie diskutabel sein. Warum ich darauf jetzt komme? Die Quelle liegt in einem schönen Artikel „Noch nie tötete ein Evangelikaler einen Abtreibungsarzt“. Lieber Herr Prof. Schirrmacher – ich bin kein Evangelikaler, aber ganz bei Ihnen. Aber SED PDS Linke ist da ja in guter Gesellschaft mit der SZ. SZ? Ja, genau, die Zeitung mit der sich Hollemann anlegt.

Und auch wenn mir das hier gesagte im Rahmen der obigen Erfahrung irgendwann mal auf den Fuß fallen sollte, kann ich hier nicht an mich halten:

  • Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich kann keinen sachlichen Grund erkennen, warum die Würde mit der 14. oder 21. Schwangsschaftswoche oder mit dem ersten Schreien des Säuglings nach der Geburt beginnen sollte. Das ist für mich reine Willkür. Um der zu entgehen, ist zugunsten und zum Schutze des Menschen die Würde möglichst weit nach vorne zu verlagern. Im Zweifel für den Angeklagten Menschen. Freundlicherweise sieht das der Katechismus im Ergebnis auch so (Nr. 2270).
  • Das deutsche Recht erlaubt die Spätabtreibung unter bestimmten Voraussetzungen. Praktisch heißt das, dass auch überlebensfähige Kinder ermordet abgetrieben werden. Leitet der Arzt die Wehen ein, das Kind kommt lebensfähig zur Welt und er tötet es dann, liegt Totschlag oder Mord vor. Macht er einfach nichts und lässt das Kind unterversorgt sterben, kann man sich über unterlassene Hilfeleistung oder Totschlag/Mord durch Unterlassen streiten. Und bei zu später Hilfe drohen Schadensersatzansprüche. Legal und fachgerecht ist es, dass Kind im Mutterleib zu töten und dann die Wehen einzuleiten. Denn dann wird ein totes Kind geboren und alles ist gut. Mir leuchtet der Unterschied nicht wirklich ein. Alles weit hergeholt? Nein, Wirklichkeit.
    Wer rechtlich näher eintauchen will – das hier finde ich ganz lesenswert (ab Seite 28). Die dortige Schlussfolgerung teile ich nicht, kann sie aber aus ärztlicher Sicht nachvollziehen.
  • Zu den Organisationen- ALfA kenne ich nur aus der Presse. Da kann ich nicht viel zu sagen. Gerne mit genannt wird KALEB. Davon durfte ich einige Mitglieder  kennen lernen und habe schon Veranstaltungen erlebt bzw. bei mir in der Jugend schon gehabt. Von einer braunen Ansicht oder ähnlichem wie es unterstellt wird (will ich nicht verlinken, musste selber googeln) konnte ich nichts, nicht mal in Ansätzen feststellen.
  • Die Befürworter der Ermordung von Kindern Abtreibung führen an, dass hier das Wahlrecht von Frauen eingeschränkt werde, ein Kind zu empfangen oder nicht. Ja, das wird eingeschränkt. Das Recht auf Leben ist nicht disponibel. Genausowenig wie ich aus gutem Grund meine Kinder nicht schlagen darf, darf ich sie nicht töten. Vor wie nach der Geburt. Glaubst Du nicht? Denk mal darüber nach, wie Deine Reaktion wäre, wenn eine schwangere Frau auf ihren Bauch eindrischt. Die Freiheit des einzelnen hört da auf, wo sie die Freiheit eines anderen berührt.
  • Wir reden über fast 100.000 Leben im Jahr in Deutschland. Einer der reichten Länder der Welt.
  • Wenn das Bundesverfassungsgericht feststellt, das Artikel 1 Abs. 1 GG es verbiete, ein Kind als Schaden zu begreifen, kann ich dem nur zustimmen. Denn Kinder sind ein Geschenk Gottes.

Auf einem anderen Blatt steht für mich jedoch die Frage, ob man mehr Schaden als Nutzen damit erreichen würde, wenn wir die Abtreibung ohne weiteres für strafbar erklärten. Finden die Abtreibungen dann nicht trotzdem statt, nur dann bei „Kurpfuschern“? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber diese Frage treibt mich um. Ich finde, dass ist auch nicht der Weg, den wir gehen sollten. Und das sage ich trotz meiner obigen Ansicht.

Unser Weg als Christen sollte es meines Erachtens sein, für ein Klima und für Bedingungen Sorge zu tragen, in denen Frauen auch in widrigen Umständen ihre Kinder zur Welt bringen möchten. In denen wir Hilfsangebote schaffen und so bekannt machen, dass jede Frau auch in einer verzweifelten Lage weiß, dass und wo ihr geholfen wird. Das sie jederzeit weiß, dass zumindest wir ihr auf jeden Fall helfen. Das hieße den Weg weg vom Abtreibungsgegner, hin zum Lebensbefürworter gehen.

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Juli 18

Grenzen der Moral

Der Noch-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat erklärt, dass er zwar selbst gegen Sterbehilfe sei, seiner Frau aber für den Falle eines solchen Entschlusses beistünde. Ich will nun weder Schneider noch das Thema Sterbehilfe bewerten. Der Familie Schneider kann ich für diese Zeit nur Gottes Segen und viel Kraft wünschen.

Die Aussayge zeigt überdeutlich, wie sich Positionen verändern können, wenn man selbst betroffen ist. Ob das die Krebserkrankung der eigenen Frau wie bei Nikolaus Schneider ist, die 14jährige Tochter, die schwanger geworden ist, oder der eigene Sohn, der sich als schwul outet. Die Lösung ist für mich nicht, die Abtreibung oder die Sterbehilfe zu legalisieren. Mir geht es vielmehr um einen Appell, verständnisvoller und mit mehr Respekt an solche Themen heranzugehen. Gerade auf kath.net begenen einem ja immer wieder Leser bzw. deren Posting, bei denen die Leser bei dem Thema Homosexualität gedanklich schon mal Holz für eine kleine Verbrennung sammeln.

Nächstenliebe ist kein theologisches Konstrukt, sondern will gelebt werden.

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August 20

pacta sunt servanda

Es ist die Zeit vor den Wahlen. Und derzeit kann ich nur sagen, was ich nicht wählen werde. Was ich wählen werde, darüber bin ich mir noch unklar. Das wird irgendwie die Wahl des geringsten Übels werden. Wie dem auch sei – der Gewinner im Hornberger Schießen belegen derzeit aus meiner Sicht unangefochten die Piraten. Bei zwei beliebten „C“-Themen wollte ich mal schauen, was ich dazu finde. Achtung – Popcorn bereit halten!

PID – da gibt es noch keinen Standpunkt. Okay, Wähler kaufen die Katze im Sack.

Abtreibung

Okay, dass es hier bei der Frage, ob der Mann ein Mitspracherechte hat, nur auf den Körper der Frau eingegangen wird, geschenkt. Über das werdende Leben braucht da kein Wort verloren werden. Schön, wenn Erwartungen erfüllt werden. Bei dem Wirrwarr den andere Parteien derzeit verbreiten, zeugt das von Verlässlichkeit.

Spannend wird es aber bei der Frage, ob Männer aus der „Pflicht“ (nur Unterhaltspflicht oder soll der Erzeuger sich etwa auch noch um das „Gör“ kümmern müssen?) entlassen werden können, wenn die Frau die Abtreibung trotz ihres Wunsches einfach unterlässt. Trara – Idee der Piraten dazu:

Es könnte ein schriftlicher Vertrag vor dem Akt aufgenommen werden, in dem die entsprechenden Wünsche (Kind oder nicht) geregelt sind.

Ich sehe schon, wie AveryZweckform bald einen Mustervertrag führt – Geschlechtsvereinbarungsformular S3x. Moment, ich muss noch schnell unterschreiben, bevor ich komme. Alles klar. Ich werde schon mal einen Abreisblock bestellen und neben mein Bett legen..

Der Mann  braucht vorher nur zu erklären, dass er kein „Balg“ wünsche und schon ist er raus aus dem Schneider. Der Frau stehen ja mordmäßige Möglichkeiten offen, dass Problem aus der Welt zu schaffen. Verhütungssorgen von Männern – passe. Verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität – Spießer.

Wie läuft das eigentlich in der Ehe? Festen Sexualpartner unterstellt – reicht da eine einmalige Unterschrift bis zum Widerruf? Könnte Spontanität ins Schlafzimmer bringen. Mist, wo war noch mal der Block mit den Formularen? Jetzt werden keine Gummis mehr gesucht, sondern Papiere. Also Schreibtisch aufräumen! Und wenn es dann doch passiert und die Frau renitent nicht abtreibt – darf ich das dann von ihrer Haushaltskasse kürzen? Denn pacta sunt servanda – wie der Küchenlateiner dazu sagt: Verträge müssen gehalten werden.

Nur um Missverständnissen vorzubeugen – ich bin glücklich verheiratet, haben keine getrennten Kassen, aber zwei gemeinsame Kinder, und weitere sind ein Geschenk des Herrn.

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