März 24

Medienkompetenztraining Heino

fefe erklärt ja immer wieder, dass er Medienkompetenztraining mit seinem blog betreiben wolle. Ich lass das mal so stehen. Heino hat es in die Schlagzeilen geschafft, da er eine alte LP mit „Heimatliedern“ zum NRW-Heimatkongress verschenkte. So schreibt fefe:

Aber die Freude bei der Empfängerin hielt nicht lange, denn es stellte sich raus, dass da ist Liedgut aus der SS drauf.

Die dort verlinkte SZ titelt:

Heino schenkt Heimatministerin Platte mit SS-Liedern

Der Vorwurf: Mindestens zwei der dort gesungenen Lieder sind im Liederbuch der SS enthalten. Die SZ spricht von einem Gassenhauer. Der Titel „Wenn alle untreu werden“ lässt dunkles mutmaßen. Nicht ganz zu unrecht – nach dem Lied der Deutschen und dem Horst-Wessels-Lied galt es „exponiert an dritter Stelle“. Aber – und jetzt kommt der entscheidende Punkt – der Spiegel schreibt dazu:

Für besondere Empörung sorgte jetzt das von der SS als „Treuelied“ glorifizierte Stück „Wenn alle untreu werden“ aus dem Jahr 1814, das allerdings auch von NS-Widerstandskämpfern gesungen wurde. Heino selbst erklärte nun, er könne sich nicht erinnern, welche Strophen des Liedes er 1981 aufgenommen habe. „Aber ich habe Historiker dran gehabt, die haben gesagt, das sei in Ordnung.“

Die Wikipedia berichtet von Heinrich Böll, der erzählte, dass das Lied von Widerständlern gegen das von der Hitlerjugend angesungene Horst-Wessels-Lied angestimmt wurde – sehr zu deren Verdruss.

Das zweite zitierte Lied ist Der Gott, der Eisen wachsen ließ. Inhaltlicher Hintergrund ist der Russlandfeldzug 1812. In der Fassung, die ich von Heino fand, wurde die letzte Strophe nicht gesungen.

Heino selbst zu den Vorwürfen:

„Die Lieder können doch nichts dafür, wenn sie instrumentalisiert worden sind.“

Interessanterweise lässt die SZ Heino selbst nicht zu Wort kommen. An sich würde ich da von einer Zeitung wie der SZ schon etwas mehr erwarten – beispielsweise eben mal den „Beschuldigten“ zu Wort kommen lassen.

Was macht man jetzt daraus? Schwierig. Das „Lied der Deutschen“ ist trotz des Missbrauchs in der Zeit des Nationalsozialismus zumindest in der Dritten Stophe erhalten geblieben. Die ersten beiden Strophen sind nicht Bestandteil der Nationalhymne, entgegen mancher Gerüchte aber auch nicht verboten. Gerade wenn ein Lied vom Widerstand und von der SS gesungen wurde, zeugt das von der Ambivalenz, die in solchen Texten inne wohnen kann. Sollte oder muss die Folge sein, dass alles nicht mehr anzufassen? Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass man damit dem braunen Pack eher noch etwas hinterher wirft. Es sollte aber unbedingt zur kritischen Auseinandersetzung mit Liedgut einladen – was nicht ausschließt, dass man unter Umständen ein Lied nicht mehr singt. A propas Singen: Ich käme zwar nie auf die Idee, Volksmusik zu hören; gar nicht meine Richtung. Ich finde es ist da aber wie mit Punk – vom Band meist unerträglich, live aber großartig. Volksmusik gehört gesungen, nicht gehört. Und sie gehört viel mehr gesungen. Es gibt gutes, schönes deutsches Liedgut, dass es wert ist, gepflegt zu werden. Wer da gleich Assoziationen mit Rechten hat, denke mal an die Comedian Harmonists (oder höre). Sagt Dir nichts, ab in die Bibliothek, Film besorgen und schauen.

Über Heino vermag ich da an der Stelle (oder dieser) nicht zu urteilen. So klar, wie das betitelt wird, scheint mit das nicht zu sein. Klar ist jedoch für mich, dass da mal wieder sehr schnell und unkritisch die Nazikeule aus der Tasche geholt wurde. Braunes Pack wie die AfD als genau so solches brandmarken – sofort dabei. Die haben die kritische Linie mehrfach klar überschritten. Aber ich bin überzeugt davon, dass das vorschnelle Schwingen dieser Keule mit zum Aufleben derselben geführt hat (natürlich nicht alleinig).

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März 8

Neusprech: Elternsprache

Beim Lesen des Pressespiegels kam mir gerade noch einmal ein Kommentar zu der Idee unter, in der Nationalhymne das Wort Vaterland durch Heimatland und brüderlich durch couragiert zu ersetzen.

Die Österreicher, mit Haitler oder wie immer dieser Mensch hieß, ja bekannt für ihre liberale und weltoffene Politik, haben in ihrer Natinalhymne aus „Söhnen“ „Töchter und Söhne“ gemacht. Geht das bei uns dann nicht auch?

Erstens teile ich brüderlich auch mit meiner Schwester. Schwesterlich teilen gibt es nicht. Geschwisterlich auch nicht. Arg, das ist nicht Sprache formen, dass ist verformen. Zweitens: Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, weiß, dass „brüderliches Teilen“ nicht unbedingt heißt, man bekommt gleichviel. Da richtet sich doch das Teilungsverhältnis eher nach dem Kräfteverhältnis. Das Wort kann also durchaus anders ausgelegt werden. Ich bin aber dazu bereit, wenn die Franzosen ihr Liberté, Égalité et Fraternité in Liberté, Égalité, Fraternel offiziell umgewandelt haben. Also so richtig, mit Änderung der Denkmäler, Münzen etc.

Und dann bitte ich um Konsequenz: Wenn aus Vaterland Heimatland wird, dann aus Muttersprache Elternsprache. Gerne auch gleich gesetzlich normiert und Sanktionen bei Verwendung der alten Sprache.

Schöne neue Welt passt diesmal nicht – Neusprech war ein Teil von 1984. Aber dazu passt: 1984 wasn’t a manual.

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März 6

Arme füttern

Die Welt:

Fernsehköchin Sarah Wiener sagte WELT: „Es kann doch nicht sein, dass in unserer Gesellschaft Bedürftige mit dem Abfall von Opulenz und Verschwendung der Reichen gefüttert werden.“ Lebensmittelspenden könnten allenfalls eine Übergangslösung sein, so Wiener. […]

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali schreibt auf Facebook, dass die Bekämpfung von Armut grundsätzlich Aufgabe des Staates und nicht der Zivilgesellschaft mit ehrenamtlichen Organisationen wie den Tafeln sei. […]

Okay, die Supermärkte spenden nichts mehr, die Tafeln stellen ihre Arbeit ein und dann?

Supermärkte zu verpflichten, überschüssige Lebensmittel an Menschen in prekären Lebenslagen zu verschenken, würde daran nichts ändern. „Wenn Menschen zu wenig Geld haben, sich Lebensmittel zu kaufen, ist der sinnvolle Schritt, ihre Sozialleistungen zu erhöhen“, sagte Schneider [Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes] WELT. Derzeit erlaubten die Regelsätze einem Erwachsenen gerade einmal, vier Euro am Tag für seine Ernährung auszugeben. […]

So, jetzt mal Hand auf ’s Herz – glaubt hier jemand wirklich, dass die Sozialleistungen auf ein Niveau hochgefahren werden, dass wir diese Probleme los sind? Die Forderung ist ja berechtigt, allein mir fehlt der Glaube. Ja, ich habe da auch ein ambivalentes Verhältnis zu der Frage Staat und Engagement. Durch solche Maßnahmen sinkt der Druck, etwas zu ändern. Aber auf welche Kosten würde denn der Druck steigen? Während sich der oder die Abgeordnete überlegt, ob das Frühstücksei weich oder hart sein soll, kann sich der Bedürftige an sein letztes nicht mal mehr erinnern. Wenn der Spielplatz durch private Spenden saniert wird, nimmt es den Druck beim Bezirksamt raus, den nächsten zu sanieren. Wo werden die Spenden erfolgreich gesammelt? In den betuchten Stadtbezirken oder in den problematischen? Auf der anderen Seite hat die „Verstaatlichung“ dieser Bereiche zu einer Entfremdung geführt: Viele sehen sich nicht verpflichtet, irgendwo und irgendwie zu helfen – ich zahle Steuern und der Staat ist zuständig, also ist das alles nicht mein Bier. Das ist das Gegenteil von Zusammenhalt und Menschlichkeit. Tafeln sind Menschlichkeit – dort helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Kritisch wird es, wenn dort nicht genug Kapazitäten für eine Hilfe zur Verfügung stehen (Stichwort Essener Tafel). Am Ende kann man gerne zu Recht kritisieren, dass der Staat zu wenig einspringt. Wer deshalb Hilfe nicht leistet, obwohl dies möglich wäre, verhält sich im Gegenteil zu sozial.

Bei der Frage, ob wie in Frankreich Supermärkte ihre Abfälle spenden müssen, zeigt sich ein Parteiwechsel: Renate Künast scheint zur FDP gewechselt zu sein. Das Mitleid mit den armen, gebeutelten Märkten (beispielsweise Aldi mit einem Jahresumsatz von 52 Milliarden Euro und einer Rendite von 3 bzw. 3,7%) hat Künast nicht mehr ausgehalten. Diese kaufen zuviel ein und müssten dies dann spenden. Das sind Ausgaben, die die Rendite schmälern. Deshalb will Künast jetzt per Gesetz zur Unternehmensberatung schreiten:

Von der Lebensmittelproduktion bis zum Einzelhandel müsse es für jede Stufe der Verarbeitung fest vereinbarte Ziele geben und eine Pflicht für alle beteiligten Unternehmen, das Erreichen dieser Vorgaben auch nachzuweisen. Das schaffe Anreize für ein klügeres Management. Künast ist überzeugt, dass zum Beispiel Supermärkte mit Blick auf verbindliche Zielvorgaben weniger bestellen und die Lagerhaltung optimieren würden.

Was hätte das für Auswirkungen?

Der Handel zumindest hat das Problem erkannt: Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) sorgen Unternehmen mit Verbesserungen ihrer Warendisposition dafür, dass die Verlustquote sinkt. So fallen immer weniger überschüssige Lebensmittel an, die „aus freien Stücken“ an karitative Organisationen gespendet werden.

Vielleicht schafft das dann mal endlich die Anreize, die mit den Harzt-IV-Reformen versucht wurden. Damit sich auch die Alleinerziehende endlich mal um einen Vollzeitjob kümmert und diese Rentner nicht mehr jammern, dass sie zu wenig einbezahlt haben sondern ordentlich dazuverdienen.

Wie sagt fefe immer so schön – die beste Regierung die man für Geld kaufen kann. Okay, Künast ist nicht mehr in der Regierung. Aber vielleicht kann sie ihre neue Partei bei nächsten mal zum Regieren tragen. Schöne neue Welt.

 

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Februar 28

Bundesverdienstkreuz im Eigenantrag

Wait what? Bundesverdienstkreuz im Eigenantrag? Ja, das geht. Finde ich jedenfalls. Scheinbar hat die stellvertretende deutsche Botschafter in Uganda einen solchen Antrag dort im Fernsehen gestellt:

In dem Beitrag [im ugandischen Fernsehen] äußert sich die stellvertretende deutsche Botschafterin
in Uganda, P. K., zum Wahlausgang. […] In ihrem Statement stellt P. K. die Behauptung auf, mit den Abgeordneten
der Alternative für Deutschland seien erstmals in der Nachkriegsgeschichte „Nazis“ in den Deutschen Bundestag eingezogen […]

Gelesen habe ich das in einer kleinen Anfrage der AfD, die die Bundesregierung souverän beantwortet. Die Antwort erinnert mich ein wenig an das schweigende Einhorn. Wenn die AfD-Bewegung in einem Punkt recht hat, dann das man weniger Rücksicht auf Political Correctness nehmen sollte. Statt von Rechtspopulisten und anderen schön klingenden Worten sollten wir sie so nennen was sie sind – Faschos oder Neonazis. Klar, deutlich und unmissverständlich.

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Februar 26

§ 370a AO – Steuerverschwendung

Ich muss mich outen: Gelegentlich wage ich mich mal in die Trollhölle vor und lese Heise-Kommentare. So, jetzt ist es raus. Aber ich schreibe da nix. Don’t feed the trolls.

Jedenfalls las ich da:

Steuerverschwendung müsste mindestens genau so hart bestraft werden wie Steuerhinterziehung, dann wird aus dem Staat wieder was…

Ja, da ist was dran. Es ist die Asymmetrie, die so übel aufstößt. Wer seine Einkünfte nicht richtig erklärt, begeht eine Steuerhinterziehung (§ 370 AO). D’accord. Wer seine Steuern nicht bezahlt, wird gepfändet. Mit Einschränkungen d’accord. Wer dieses vereinnahmte Geld verprasst, der – ja was der? Gehe mal im Kopf kritische Fehlentscheidungen durch und schau, was dann passiert ist. Ob Digital oder Analog macht da keinen Unterschied. Vielleicht wäre das Verhältnis von Besteuerung ein anders, wenn man das Vertrauen haben dürfte, dass mit dem Geld umgegangen würde, wie mit einer geliehenen Sache – besonders sorgsam. Und ja, vielleicht bräuchte es dann einen § 370a AO – Steuerverschwendung. Ein Formulierungsvorschlag (wer § 370 AO nicht kennt, sollte den vorher gelesen haben):

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. den Steuerpflichtigen oder anderen Bürgern über haushaltserhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht,
2. die Steuerpflichtigen pflichtwidrig über haushaltserhebliche Tatsachen in Unkenntnis lässt oder
3. pflichtwidrig die Verwendung von Steuermitteln oder anderen öffentlichen Einnahmen veranlasst oder Haushaltsgrundsätze verletzt. Pflichtigwidrigkeit ist insbesondere gegeben, wenn der Einsatz der Mittel nicht sparsam, wirtschaftlich und zweckmäßig erfolgte.
(2) Der Versuch ist strafbar.

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Februar 21

eingeschränkte Freiheit – Behinderte

Ich aß gerade mit zwei Menschen zu Abend, die in der Behindertenhilfe tätig sind. Dabei bin ich auf eine interessante Fragestellung gestoßen: Wie weit darf, muss, kann, sollte ich die Freiheit eines Menschen mit Einschränkungen einschränken oder umgekehrt darf dies nicht. Vielleicht habe nur ich das noch nicht so tief durchdacht, vielleicht muss das aber breiter diskutiert werden (nach Aussage meiner Gesprächspartner findet das aber noch nicht einmal in den betreffenden Einrichtungen unbedingt statt).

Ein paar Erläuterungen, Beispiele und Gedankenanregungen dazu:

  • Beschränkte ich einem geistig behinderten Menschen das Essen oder lasse ich ihn beim Mittagessen solange nachholen, bis er von sich aus signalisiert, dass er satt ist? Es scheint nicht unüblich zu sein, dies im Sinne einer Gesundheitsprävention zu beschränken. Verhält sich diese Entscheidung auch noch dann so, wenn der oder die Betreffende in ein gefährliches Über- oder Untergewicht rutscht?
  • Ein Bewohner verwehrt sich immer wieder gegen eine regelmäßige Körperpflege. Wo erzwinge ich diese notfalls, wo dusche ich halt vielleicht nur alle zwei Tage statt täglich.
  • Lasse ich Bewohner Prostituierte von ihrem Taschengeld aufsuchen?
  • Lasse ich zu, dass Bewohner rauchen? Alkohol trinken?
  • Wo lasse ich wie weit Freiheit zu und wo schränke ich sie ein? Wo verpflichte ich einen Bewohner, an einer Urlaubsreise teilzunehmen und wo lasse ich ihn oder sie im Heim, wenn der Wunsch geäußert wird, nicht mit zu wollen? Kann ich sagen – einmal musst du dahin mit, dann weißt Du worum es geht, beim zweiten mal darfst du nein sagen (konkret hier: Mitfahrt in einen Freizeitpark)?

Ein Sack voller Probleme. Ich finde, die gehören breiter diskutiert. Wenn es gleichberechtigte Mitmenschen sind und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe zustehen soll, soweit dies möglich ist, dann sollten wir diese Probleme nicht in Heimen lassen, sondern raustragen. Mein Credo wäre da ja: Soviel Freiheit wie möglich, so wenig Einschränkung wie nötig. Aber in der Praxis gestaltet sich das nicht unbedingt so einfach. War ein lehrreiches Abendessen.

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Februar 13

Kinder und künstliche Intelligenz

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel, in dem es darum ging, dass das mit der Künstlichen Intelligenz (KI) alles viel zu aufgebauscht sei. Okay, ich lese selten etwas von diesem Autor, da ich danach immer wieder weiß, warum fefe den Spiegel das „ehemalige Nachrichtenmagazin“ nennt. Aber sei es drum. Computer könnten jedenfalls nur solche streng reglementierten Sachen wie Go lernen. Ansonsten seien sie auch mit KI soweit vom Menschen entfernt. Hinfort Ihr Bedenkenträger! Angst müsst Ihr nur vor der Ökonomisierung haben (irgendwie muss der Iro ja gerechtfertigt werden). Okay, nun kann man Sascha Lobo zugute halten, dass er im März 2017 AlphaGo Zero noch nicht kannte. Aber ich glaube, da fehlt trotzdem etwas. Ich musste nämlich daran denken, als ich bei heise folgende las:

Computer können bemerkenswert viel lernen, brauchen dafür aber riesige Mengen an Beispiel-Daten. So können Menschen etwa Kaffeetassen problemlos erkennen, sobald sie ein oder zwei Beispiele dafür gesehen haben.

Ich erlebe jetzt gerade bei Kind Nummer drei noch einmal sehr bewusst, wie das so mit der Menschwerdung läuft. Bis ein Mensch eine Kaffeetasse problemlos erkennen kann – und vorsichtig beim Trinken ist weil es ja heiß sein könnte – vergehen Jahre. Jahre mit unzählbaren Versuchen und Datensammelei (früher Sinneseindrücken). Alleine einen Gegenstand anzufixieren dauert Monate. Gezieltes Greifen und Festhalten ist ein Entwicklungsschritt. Gib mal einem vier oder fünf Monate altem Kind einen Stück Brot in die Hand und schau Dir mal an, wie es damit kämpft, das sicher in den eigenen Mund zu manövrieren.  Du bist auch sofort dankbar für die Maschinen, die die umgeben (Staubsauger und Waschmaschine). Wer einen Menschen gleich welchen Alters betrachtet, sollte nicht vergessen, dass auch diese ganzen Lernfortschritte in ihm drin stecken. Die entdeckt der Mensch auch nicht alleine: „Um ein Kind zu erziehen bedarf es eines ganzen Dorfes“ kommt ja nicht von ungefähr.

Wer die Entwicklungsschritte, die KI derzeit durchmacht, kleinredet, hat sich mit der Entwicklung des Menschen nicht wirklich beschäftigt, missachtet die Fortschritte und negiert Gefahren. So sehr ich von diesem Thema fasziniert bin: Hoffentlich lernt die KI eben nicht so schnell Laufen – denn dann können wir alles hochräumen und Schranksicherungen ranbauen.

Update: Brot an Kinder in dem Alter geht natürlich gar nicht, sehe ich ein. Das böse Gluten und so. Ich meinte ja auch ein konventionelles T-Bone-Steak, honigglasiert. Das macht die Kleinen stark!

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Februar 10

Flinten-Uschi den Weg zu McDoof zeigen

Es fällt ja zunehmend schwer, die Bundeswehr noch ernst zu nehmen. Ich bin ja ein entschiedener Gegner der Abschaffung der Wehrpflicht, da ich sie für ein Sicherungsinstrument halte, um sowohl einen Staat im Staate zu verhindern als auch Killereinheiten wie wir sie beispielsweise aus den USA kennen. Militärisch bestimmt erste Sahne, will ich aber hier nicht haben.

Trotz der Abschaffung der Wehrpflicht braucht man sich ja nun keine Sorgen machen. Die U-Boote sind nicht einsatzfähig, weil sie im Trockendock liegen, die Gewehre schießen wohin sie wollen, ach ja. Aber jetzt beginne ich mir Sorgen um die Truppe zu machen: Das Essen wird knapp (das dort verlinkte Video kann man sich nur anschauen, wenn man ganz tapfer ist, anders das hier unten anstehende). Hat Flinten-Uschi Asterix bei den Römern nicht gelesen?Das geht nicht gut. Der Mangel der Fürsorgepflicht wird nach  aktuellem Stand damit belohnt, dass sie Kriegs-Verteidigungs-Hunger-sowas-halt-Ministerin bleibt. Im Sinne eines PPP warte ich schon darauf, dass die Harthöhe einen Koorperationsvertrag mit McDoof bekannt gibt.

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Januar 30

Unauffällig jetzt amtlich

Ich hatte mich ja schon einmal zu der großartigen Idee ausgelassen, ALG II demnächst an der Supermarkt-Kasse auszuzahlen. Gerade in kleineren Städten bestimmt knorke – wenn Uschi dann zu Steffi über die Kassen hinweg fragt, ob sie noch Scheine hätte, Martin käme mal wieder um die Stütze abzuholen. Eine solche Vorstellung ist natürlich totaler Quatsch. Habe ich jetzt amtlich: Die verwendeten Gutscheine werden nach Auskunft der Bundesregierung an den Kassen so massenhaft benutzt, dass die paar ALG II – Empfänger untergehen und auch bei typischen Beträgen es nicht klar sei, ob eine Versicherungsprämie erstattet werde oder ein Kaufvertrag rückabgewickelt wird. Offensichtlich bin ich in den falschen Supermärkten, denn ich habe schlichtweg noch nie so einen Fall vor mir in der Kassenschlange gehabt. Aber was weiß ich schon. Auch die Dienstleister wissen natürlich von nichts, deswegen spielt der Sozialdatenschutz da keine Rolle.

Den Kopf von rechts nach links bewegen ist eine gute Übungen, um den Nacken zu lockern. Falls Du Verspannungen hast, lies die Antwort der Bundesregierung zu dem Thema. Du wirst soviel den Kopf schütteln, dass die Blocken im Nacken danach alle gelöst sind.

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Januar 29

Ferengis – von wegen Außerirdische

Ich stehe ja so auf Science-Fiction, weil es uns mit Parabeln den Spiegel vorhalten kann. Darüber hinaus bietet es die Möglichkeit, philosophische und soziologische Probleme und Ideen zu wälzen – nur im Gegensatz zu klassischen Texten in unterhaltsamer Form. Die Klaviatur der Parabeln grandios spielt Star Trek. Ferengis sind meines Erachtens mit die wertvollsten Figuren. Hier mal ein schöner Dialog zischen einem Ferengi-Angestellten und dem Schiffsarzt:

Sie wollen mir sagen dass sie seit zwei Wochen mit einer akuten Infektion herumlaufen? […] Sie hätten daran sterben können. Noch 48 Stunden und sie hätten in der Göttlichen Schatzkammer für ein neues Leben gebetet [Anm. richtig wäre: geboten]. […] Warum sind sie nicht früher zu mir gekommen? […]

Das wäre eine Verletzung des Arbeitsvertrages. § 76 Unterabschnitt 3: “Angestellten von Quarks Bar und Holdingsgesellschaft ist es strengstens untersagt den Arbeitsbereich während der Geschäftsstunden zu verlassen, sofern dies nicht von ihrem Arbeitgeber befohlen wird. Jegliche Zuwiderhandlung gegen diese Bestimmung wird hohe Geldstrafen und unter Umständen die Entlassung zu Folge haben. Das ist ein Standardbestimmung in allen Ferengi-Arbeitsverträgen.

Sie meinen, Sie bekommen nicht einmal frei, wenn Sie krank sind?

Das gehört nicht zu unserem großzügigen Angestelltenkompensationspaket. Keine Krankentage, keine Ferien und auch keine bezahlten Überstunden.

Das heißt, Sie brauchen einen besseren Vertrag.

Das wird nicht funktionieren. Alle Ferengi-Arbeitsverträge sind gleich ausgearbeitet. […]

Was Sie brauchen ist eine Gewerkschaft!

Eine was?

Eine Handelsgilde. Eine kollektive Verhandlungsvereinigung. Eine Gewerkschaft. Etwas das verhindert, dass Sie ausgebeutet werden.

Sie verstehen das nicht. Die Ferengi-Arbeiter wollen die Ausbeutung gar nicht beenden. Wir suchen nach Wegen, wie wir selber zu Ausbeutern werden können.

Wenn Sie es so wollen. Aber ich sehe nicht, dass Sie jemanden ausbeuten.

Eine Utopie? Sci-Fi?

Nun, schau Dich mal bei den Startup, Crowed-Workern und ähnlichem um.

/Dialog aus Star Trek Deep Space Nine, Staffel 4 Episode 15 Bar Association

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