August 19

Selbstkritik

Vorab zwei Erläuterungen: Cloudflare ist ein Dienst, der unter anderem dafür sorgt, dass Internetseiten auch bei Angriffen bestehen bleiben (grob vereinfacht, schon klar). „The Daily Stormer“ ist eine amerikanische Neo-Nazi-Seite. Erinnert von ihrem Titel an das NS-Propaganda-Blatt an den Stürmer.

Cloudflare hat lange verteidigt, dass „The Daily Stormer“ im Sinne des amerikanischen Verständnisses der Redefreiheit existieren dürfen müsse, auch wenn man deren Inhalt nicht teilt. Dann wurde es dem Chef zu bunt. Er hat den Schutzschirm weggezogen – nicht die Server auf denen sie lag – und schwups war die Seite nicht mehr erreichbar. Das wäre nicht weiter spektakulär. Interessant ist aber folgende Einschätzung von ihm:

Prince gesteht in der internen Mail an seine Mitarbeiter ein, dass er das auslösen konnte, weil er über zu viel Macht verfüge. Keine Einzelperson dürfe aber so viel Macht haben. „Meine Launen und die von Jeff [Bezos], Larry [Page], Satya [Nadella] und Mark [Zuckerberg] sollten nicht darüber entscheiden, was online bleiben darf“, erklärte er Gizmodo. Zwar halte er „The Daily Stormer“ für abscheulich, aber er glaube nicht, dass seine politischen Ansichten darüber entscheiden sollten, wer im Internet bleiben dürfe und wer nicht.

Nicht dass das Fehlen der Seite nicht mal ansatzweise ein Verlust für die Menschheit wäre. Aber diese selbstkritische Haltung finde ich beachtens- und bewunderswert. Ja, da wird finde ich ein ganz wunder Punkt aufgedeckt. Die Macht einiger weniger Oligarchen stellt wie in der Wirtschaft keine gesunde Entwicklung dar. Hier mag man das positiv sehen. Das kann sich aber ganz schnell ändern, wenn einer der benannten Personen einen unausgeglichenen Hormonhaushalt hat.

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August 18

Bitte schalten Sie Kritik jetzt ab

Der Artikel stammt aus dem vergangenen Jahr, ist mir aber erst jetzt über den Weg gelaufen. Ich finde diese Entwicklung auch und gerade im Lichte von G20 so bedeutend, dass ich sie nochmal bringen möchte. Es ging um die Integrationsbeauftragte Özoğuz, welche die Frage der Vorgehensweise gegen Salafisten kritisch betrachtete. Ich muss da leider einen größeren Absatz zitieren:

Özoguz hatte im Interview mit dem TV-Sender Phoenix, von dem sie nach der konkreten Razzia gefragt wurde, betont, dass dies Sache der Behörden sei. Sie wies aber auch auf die „fatalen Punkte“ mancher Razzien hin, die das Zugehörigkeitsgefühl gerade junger Muslime beschädigten: „Es gab in der Vergangenheit viele Razzien, wo dann nichts herausgekommen ist. Das hinterlässt Spuren, da werden schnell Verschwörungstheorien wach.“ Man müsse bei der Verfolgung von Islamisten mit „sehr großem Augenmaß“ vorgehen, sagte die Migrationsbeauftragte weiter. Es sei schwierig, mit dem Problem umzugehen, „aber man muss daher den Eindruck vermeiden, es werde willkürlich in Moscheen eingedrungen“. Speziell in Niedersachsen hatte es unter dem früheren CDU-Innenminister Uwe Schünemann, der bis 2013 im Amt war, immer wieder Konflikte mit den betroffenen Moscheegemeinden gegeben. In seiner Amtszeit waren verdachtsunabhängige Moscheekontrollen üblich; die Polizei riegelte auch vor dem Freitagsgebet Gotteshäuser ab und nahm Besucher mit, die sich nicht ausweisen konnten.

Reaktion der Polizei:

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, nannte es „unfassbar“, wie Özoguz dem Bundesinnenminister und den Sicherheitsbehörden in den Rücken falle. „Frau Özoguz spricht von Willkür – so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Hier sei ein klärendes Wort der Bundeskanzlerin nötig.

Willkür? Was sein kann nicht sein darf. Es erstaunt nicht, welche Politiker darauf eingegangen sind und Kritik an den Sicherheitsbehörden für untragbar hielten. Bitte ab jetzt einmal täglich aufsagen: 1984 wasn’t a manual.

Wie komme ich darauf? Weil ich las, dass der hessische CDU-Landtagsabgeordnete und „Integrationsexperte“ Tipi den Stein der Weißen ausgegraben hat, wie wir den tragischen Anschlägen in Spanien entgegen wirken:

Tipi warnte: „Für mich zeigt sich allerdings auch eine Verbindung zu den Lies-Aktionen. Ibrahim Abou Nagie hat auch in Spanien seine Aktion propagiert. Überall dort, wo Ibraim Abou Nagie seine Finger im Spiel hat und über die Lies-Aktion Menschen für den IS rekrutiert wurden, überall dort kommt es zu Anschlägen. Deshalb müssen wir die Lies-Aktion nicht nur in Deutschland verbieten. Wir müssen ein europaweites Verbot erwirken. Der islamistische Terror ist schon lange kein Problem mehr eines einzelnen Landes. Deshalb müssen wir in Europa gemeinschaftlich gegen den IS kämpfen.“

Ach so, wir verbieten das Verteilen des Korans (Gleichheitssatz – auch die der Bibel? Was machen dann die Zeugen..) und das Problem ist gelöst. Wohl kaum. Ich sehe nicht, dass Verbote gegen den Rechtsextremismus bereits ernsthaft geholfen hätten. Damit schafft man Märtyrer und überzeugt Menschen nicht vom Gegenteil. Tja, was dann? Es gibt beispielsweise eine Bundesarbeitsgemeinschaft Religiös begründeter Extremismus. Die hat dem Bundestag dazu mal offiziell Wege vorgeschlagen. Scheint nur niemand gelesen zu haben. Deren Thesen passen halt auch nicht auf eine Bild-Seite / Wahlplakat.

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August 17

Verdächtigung in der richtigen Richtung

Im Gruselkabinett des deutschen Arbeitsrechts steht die Verdachtskündigung: Der Arbeitgeber verdächtigt eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter einer schwerwiegenden Pflichtverletzung oder einer Straftat zu seinem Nachteil. Das kann eine Kündigung rechtfertigen, selbst wenn der, die oder das Mitarbeiter in einem nachfolgenden Strafprozess freigesprochen wurde. Ein Verschulden des Angestellten für den Verdacht ist nach der Rechtsprechung nicht erforderlich.

Aufsehen erregte einst der Fall Emmely. Einer Kassiererin wird vorgeworfen, Pfandbons im Wert von 1,30 EUR zu Unrecht eingelöst zu haben. Das zuständige Landesarbeitsgericht urteilte noch, dass die Kündigung rechtmäßig sei. Das Bundesarbeitsgericht zog dies aufgrund der Geringfügigkeit wieder glatt. Die Dame bestritt den Vorwurf immer und von eindeutigen Beweisen war auch nicht die Rede. Für das Bundesarbeitsgericht waren Beschäftigungsdauer und der geringe Wert ausschlaggebend – der Verdacht an sich war nicht das Problem.

Soviel zur Vorgeschichte. Jetzt hat das LAG Hamm einen interessanten Fall entschieden. Eine Sparkassenmitarbeiterin ordert einen Geldkoffer, ohne dass es dafür wirklich einen Anlass gibt. Entgegen dem in Banken geheiligten Vier-Augen-Prinzip öffnet sie diesen alleine. Man kann es sich schon fast denken – oh Wunder stellt sie das Fehlen von Geld fest. Schlappe 115.000 EUR. Wäre es die Deutsche Bank würde das unter die Kategorie lentils fallen. Der Koffer ist vielmehr mit einer Packung Waschpulver und Babynahrung gefüllt. Im Nachgang nimmt die Mitarbeiterin „verdächtige“ Transaktionen vor.

Werte Jury – Daumen rauf oder Daumen runter (vorher bitte die Bedeutung klären)? Nun, andere Verdächtige waren nicht gänzlich auszuschließen. Vor allem hat man die Mitarbeiterin vor ihrem Rauswurf nicht angehört. Entscheidender Satz:

Die Berufungskammer hat in ihrem aktuell verkündeten Urteil betont, dass als weitere Voraussetzung einer Verdachtskündigung in deren Vorfeld regelmäßig eine Anhörung des betroffenen Arbeitnehmers zu erfolgen habe. Diese müsse der Arbeitgeber im Rahmen seiner Aufklärungsbemühungen durchführen und dabei den Arbeitnehmer regelmäßig konkret mit den verdachtsbegründenden Umständen konfrontieren. Eine diesen strengen Anforderungen der Rechtsprechung genügende Anhörung sei vorliegend aber nicht feststellbar.

Das klingt nach Strafrecht. Und das lässt hoffen. Denn die im Strafrecht geltende Unschuldsvermutung gilt nicht im Arbeitsrecht. Aber vielleicht ist hier eine Änderung in Sicht und die Verdachtskündigung wird ans Licht geholt und zerfällt zu Staub.

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August 15

Die Wahrheit über die Feuerwehr?

Thomas de Maizière hat eine neue Idee – wenn es brennt rufen wir die Feuerwehr, aber wenn die IT ausfällt, dann… nun, ein Blick in die gelben Seiten könnte helfen. Kunst ist das Gegenteil von gut gemeint und raus kommt sowas:

Eine „Cyber-Feuerwehr“ könne eine Chance sein, junge Menschen zu begeistern, die man nicht mehr für die klassische Feuerwehr gewinnen könne. Einige junge Menschen könnten sich sagen: „Ich hacke auch sonst gerne, dann hacke ich mal für die Guten.“

Nach der Logik sagen sich also Bewerber für die Freiwillige Feuerwehr – ich spiele auch sonst ganz gerne mit dem Feuer, dann halt jetzt bei den großen Jungs. Alles klar. Wunderbar auch seine Welt zum Thema „Hacker“. Erinnert mich ein bißchen an Weltfremdheit, als Busch seinerzeit im Supermarkt überrascht Scannerkassen bemerkte. Die gab es zu dem Zeitpunkt schon gut zehn Jahre in quasi allen größeren Märkten.

Hätte er einfach mal die großartigen Dienste der Freiwilligen Feuerwehr und des THW hervorheben sollen..

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August 8

Gender Gap am Wickeltisch

So titelt ein kurzer Kommentar in der Zeitschrift Neue Caritas. Lobend wird erwähnt, dass der Anteil der mindestens zwei Monate betreuenden Väter von 2015 auf 2016 um zwölf Prozent gestiegen ist. Aber während Mütter im Durchschnitt nur EUR 723 Elterngeld erhalten, erhalten Väter aufgrund ihres ohnehin höheren Durchschnittseinkommens gemittelt EUR 1.262. Und jetzt kommt ’s:

Aber es sollte zu denken geben, dass ein Viertel der männlichen Elternzeitteilnehmer zuvor über 2000 Euro netto verdienten – und nur zwei Prozent weniger als 500 Euro. Ein Männerauge schielt halt halt immer auf den Profit, so scheint es.

It’s the economy, stupid. Fällt mir dazu nur ein. Wenn bei den Männern nicht der Schnitt der Männer Elternzeit nimmt, sondern nur die obere Spitze der Verdiener, wäre das durchschnittliche Elterngeld bei den Männern selbst dann höher, wenn Männer und Frauen gleich viel Geld verdienten. Vielmehr werden dabei zwei wesentliche Dinge übersehen: Trotz der begrüßenswerten Steigerung sind es nur ein 1/3 der Männer, die Elternzeit nehmen. 2/3 nehmen sie aber gerade nicht in Anspruch. Ist das Glas halb voll oder halb leer. Und das es gerade besser verdienende Männer sind, die Elternzeit nehmen, zeigt doch, dass es scheinbar ein ökonomisches Problem gibt. Will sagen – das muss man sich leisten können. Dies ist nicht in allen Einkommensgruppen der Fall. Verdient der Mann mehr – wie es oft leider noch der Fall ist – ist die Entscheidung, wer zu Hause bleibt bei einem geringen Einkommen keine so freie, wie in höheren Einkommensgruppen.

Einen starken Einfluss auf die Inanspruchnahme von Partnermonaten haben die Einkommenssituation der Familie allgemein und die Höhe des Einkommens der Mutter im Besonderen: So steht die Wahrscheinlichkeit eines Elterngeldbezugs durch Väter im Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit der Mutter und steigt mit ihrem Erwerbseinkommen. Umgekehrt gilt, dass von einer  Nichterwerbstätigkeit der Mutter ein starker negativer Effekt auf die Wahrscheinlichkeit eines Elterngeldbezugs durch Väter ausgeht.31 Beansprucht werden Partnermonate zudem dann besonders häufig, wenn der Wunsch des Vaters, das Kind eine Zeit lang selbst zu betreuen, besonders ausgeprägt ist. Hier entfaltet die staatliche Förderung also eine erhebliche „Ermöglichungswirkung“.

So schreibt es der Väterreport 2016 des Bundesfamilienministeriums. Von einem Blick auf „Profit“ würde ich da nicht sprechen wollen, sondern von teils begründeten, teils unbegründeten ökonomischen Sorgen:

Als Hauptgründe werden genannt: die Angst vor Einkommensverlusten, die Angst vor beruflichen Nachteilen und Befürchtungen von organisatorischen Problemen im Betrieb. In der Praxis konnten längerfristige berufliche Nachteile jedoch nicht nachgewiesen werden.

Die Ängste müssen wir nehmen und die Probleme der Einkommensverluste angehen. Vielleicht wäre die Betrachtung eines Familieneinkommens für die Berechnung des Elterngelds ein Weg.

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August 3

Donnerschlag für Vereine – was schlagende Verbindungen und feministische Mädchenarbeit eint

Der Bundesfinanzhof hat in seiner unendlichen Weisheit ein folgenschweres Urteil gefällt: Vereine, die nur einem Geschlecht offen stehen, fördern nicht die Allgemeinheit im Sinne des § 52 Abs. 1 Abgabenordnung. Hier betraf es eine traditionelle Freimaurerloge, welche nur Männern offen steht. Die Konsequenzen für den Verlust der Gemeinnützigkeit sind hart – das kann schnell zu existenzvernichtenden Nachzahlungen führen. Jetzt mag der eine oder andere denken, das haben diese Traditionalisten verdient (womit ich nicht einhergehe). Wer dazu neigt, denke an den von mir immer wieder wie eine Standarte getragenen Gleichheitssatz. Nicht nur die Schützenbruderschaft und die Studentenverbindung (gibt es zwar gemischt, aber auch nur für Frauen) wie auch der Gesangsverein nur für Männer oder nur für Frauen – viele sind als gemeinnütziger Verein organisiert einsammeln. Da fallen aber eben auch beispielsweise

drunter. Wer Lust hat, kann da ja mal weiterrecherchieren. Da wird sich so einiges finden. Na, das kann ja ein Spaß werden.

Begründung des Gerichts ist, dass kein sachlicher Grund für den Ausschluss eines Geschlechts bei einer Loge vorläge. Nun, da bin ich schon mal gespannt, warum ich nicht als Mann die „feministische Mädchenarbeit“ fördern können sollte. Wenn da nichts gutes kommt, war es das. Mir schwant da ja noch ein anderer Gedanke: Hier geht es um den Ausschluss von potentiellen Mitgliedern. Was aber, wenn der Verein zwar grundsätzlich jeden aufnimmt, aber seine Satzung eben nicht „die“ Allgemeinheit fördert, sondern beispielsweise im Rahmen der Förderung der Jugendhilfe (§ 58 Abs. 2 Nr. 4 AO) Mädchen in MINT-Fächern fördern will. Da wird auch ein Geschlecht ausgeschlossen. Sachliche Gründe ließen sich da bestimmt finden. Auch gute. Wie bei den Freimaurern. Oder eben nicht. Bei vielen Jungs wäre eine MINT-Förderung sinnvoll, bei beiden Geschlechtern auf jeden Fall respektvoll miteinander umzugehen.

Bei der Gelegenheit sollte der Gesetzgeber sich mal endlich dazu berufen fühlen, gemeinnützigen Organisationen einen Ausstieg aus der Gemeinnützigkeit zu erleichtern. Das löst die oben beschriebenen Probleme nur bedingt, da Spenden als nicht-gemeinnütziger Träger erheblich schwieriger zu akquirieren sind. Aber es viel Leid bei den Folgen mildern.

Das wird noch spannend weitergehen. Ich gebe eine Wette darauf ab, wenn es den ersten nicht-traditionalistischen Verein trifft, kommt ein Nichtanwendungserlass des Bundesfinanzministeriums. Das eröffnete neue Klagemöglichkeiten und neuen spannenden Stoff.

Update: Die KNA hat sehr schön zusammengefasst, für wen keine Gefahr droht:

Anders sind laut Finanzhof jene Vereinigungen zu behandeln, die ausschließlich mildtätige oder
kirchliche Zwecke verfolgen. Hierzu zählen die Richter ausdrücklich Krankenpflegeorden und Anbetungsschwestern,
die sich allein dem Gebet widmen: Solche religiösen Orden könnten wegen Förderung
mildtätiger oder kirchlicher Zwecke gemäß § 53 und § 54 der Abgabenordnung selbst dann als
gemeinnützig anerkannt und von Steuern befreit werden, wenn sie nicht „die Allgemeinheit fördern“.

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August 2

Sammlung fortgesetzt

Wenn Du Handwerksmeister fragst, ob die Lehrlinge besser, gleichbleibend oder schlechter im Vergleich zu früher geworden sind, was für eine Antwort erwartest Du da? Und wenn Du die Frage stellst, ob das Wetter im Vergleich zu früher besser, gleichbleibend oder schlechter war, wie schaut es da aus? Es dürfte auf der Hand liegen, dass diese Fragen in Gestalt von Umfragen schlechthin nicht wirklich untersucht werden können. Wenn Du darlegen willst, dass die Handschrift von Schülern schlechter geworden ist, dann mach dazu einfach eine Umfrage unter Lehrern. Falls Du wirklich an einem Ergebnis interessiert bist, müsstest Du schauen, dass Du an alte Klassenhefte beziehungsweise Schriftproben herankommst. Dann musst Du schauen, dass Du das gleiche Alter, den gleichen Schuldtyp et cetera für eine entsprechende Vergleichbarkeit bekommst. Das ganze kann man dann gerne Lehrkräften im Blindtest vorlegen und schauen was bei rauskommt. Eine Umfrage, wie vom Lehrerverband einstmals vorgenommen, halte ich da doch für schlichtweg untauglich. Mag sein, dass bei einer vernünftigen Studie das gleiche rauskommt, aber wer weiß das schon.

Darauf gekommen bin ich jetzt über einen Artikel in der KNA, die sich auf das Werk „Wer nicht schreibt, bleibt dumm – Warum unsere Kinder ohne Handschrift das Denken verlernen“ der Lehrerin  Maria-Anna Schulze Brüning und des Journalisten Stephan Clauss bezieht. Ich habe sie mir jetzt mal in einer Bibliothek vorbestellt, aber die Ankündigung lässt den Abgesang des Abendlandes vermuten. Eltern schwingen sich auf, selbiges zu retten, wie ein anderer Artikel zeigt. Danach werden in Finnland und den USA nur noch Druckschrift und Tastaturschreiben gelehrt. Zu einem solchen Traditionsbruch wollen es viele Eltern nicht kommen lassen. Das mal flächendeckend Schreibmaschine unterrichtet wird – sofort dafür. Ob der Verlust der Handschrift tatsächlich ein Verlust ist, lasse ich mal stehen. Ich weiß es nicht und bin für ernsthafte Quellen offen. KNA schreibt jedenfalls dazu:

Früher lernten Grundschüler eine schöne Handschrift mit viel Drill und Druck. Noch vor den ersten Leseübungen wurden Tafeln und Hefte seitenweise mit geschwungenen Buchstaben gefüllt. Heute lernen Kinder in Deutschland gleichzeitig lesen und schreiben – und zwar zuerst mit Druckbuchstaben. Erst dann üben sie Schreibschrift. Das führt dazu, dass die meisten bei der im Alltag gängigeren Druckschrift bleiben. Die Mehrheit der deutschen Schüler kann nicht flüssig schreiben.

Klar kann ich mit viel Drill Schüler zu einer sauberen Schrift führen. Die Frage scheint mir damit aber noch nicht beantwortet – wozu? Übertragen wir als diejenigen, die mit ihrem Lernen noch mit viel Schreiben aufgewachsen sind, da nicht unsere Erfahrung einfach ungeprüft weiter? An anderer Stelle hat sich ja schon gezeigt, dass das Thema eher von Ideologie als von Forschung getränkt ist. Wenn ich solche Umfragen als Grundlagen nehme, befürchte ich, da ist es auch nicht viel weiter her. Ich berichte nochmal, nachdem ich das Buch in der Hand hatte. Sehr schade – das Thema verdient mehr.

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Juli 26

Die Macht der Überschrift

Beim Stöbern bin ich über eine Überschrift im Catholic Herald gestolpert und dachte mir da so – ach, irgendwie hast Du das Thema in unseren Medien anders wahrgenommen. Es geht um die Veröffentlichung der Kirchenstatistik 2016. Ich habe mal ein paar Überschriften zusammengestellt – die alle das gleiche Thema zum Inhalt haben. Das fand ich ganz aufschlussreich.

160.000 deutsche Katholiken verließen letztes Jahr die Kirche

Catholic Herald

Erneut weniger Kirchenaustritte

katholisch.de

Mitgliederschwund bei den Kirchen hält an

Humanistischer Pressedienst

Pater sieht aufgrund neuer Kirchenstatistik Handlungsbedarf

domradio.de

Kirchensteuer-Rekord: 11,6 Milliarden Euro – aber weniger Gläubige

kath.net

Mehr Taufen und weniger Kirchenaustritte

SWR aktuell

 

 

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Juli 5

Personalpolitik

Stellt Euch mal vor, der Vorsitzende der Glaubenskongretation hätte unter Papst Benedikt gesagt, das gemeinsame Mahl sei wichtiger als theologische Fragen – deshalb sind Protestanten stets zur Eucharistiefeier eingeladen. Die Auffassung muss man nicht teilen, aber sie ist zumindest so valide, dass sie von vielen Theologen vertreten wird (okay, evangelischen, aber nun wollen wir mal nicht päpstlicher als der Papst sein). Und der Papst Benedikt bleibt bei seiner Linie, der jeweilige Kurienkardinal wiederholt aber seine Aussage beständig. Wir reden also unüberbrückbare Differenzen in ganz grundlegenden Fragen. Was würde man da wohl machen – ja, wie in jedem Unternehmen steht man wenn es gut läuft mit den engsten Vertrauten eng beieinander oder der Vertraute hält sich nach außen zurück.

Spielt man das Spiel mit einem liberaleren Papst und einem konservativem Kurienkardinal durch, dann ist das natürlich alles ganz anders. Da ist das eine „drastische Lösung“. Wisst Ihr noch, welches Tier bei Animal Farm den Spruch an die Scheune malte – manche sind gleicher?

Wer etwas mehr über die Hintergründe erfahren möchte, erfährt hier mehr.

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Juni 23

Presseschludrigkeit

Es ist wie mit vielem, beispielsweise der Bahn – über 90% der Züge kommen pünktlich, im Gedächtnis hängen bleiben nur diejenigen, bei denen es klemmt. Im speziellen geht es mir hier um Presse. Da möchte ich klar vorweg sagen, dass wie bei der Bahn der überwiegende Teil gut läuft. Nichts desto trotz gibt es Dinge, die mir gegen den Strich laufen. Ich will hier mal eine Sammlung starten, keine Ahnung, was daraus wird. Wer über etwas stolpert, kann mir ja gerne den Link zukommen lassen. Zunächst war ich da etwas zurückhaltender, weil ich mit denen, die den Begriff Lügenpresse verwenden, nicht in einer Ecke stehen will. Mir geht es ja auch nicht um „Lügen“, sondern um handwerklich schlechte Arbeit. Vielleicht kann man das mal anmahnen, wenn die Sammlung größer wird. Man selbst liest vielleicht mit so einem Fokus kritischer.. versucht es mal.

Mein erstes Beispiel stammt aus einer Zeitung, die bekannt dafür ist, Kommentar und Nachricht auseinander zu halten. Ein alter Artikel, aber ich jetzt im Rahmen einer Recherche nochmal darauf gestoßen:

  • CCC zieht aus Hamburger Büro aus: Zitiert wird die Pressesprecherin des CCC. Okay, aber wo bleibt ein Interview mit der anderen Seite? Im letzten Absatz wird eine Erklärung mit dem CCC zitiert, wonach die andere Seite (Attraktor e.V.) bisher keine Stellungnahme abgegeben hat. So wie ich den Artikel gelesen habe, hat man es nicht für nötig empfunden, diesen Verein und vor allem auch das Vorstandsmitglied, um das es direkt geht, mal zu befragen. Falls man jemanden in Hamburg hat, fährt man vorbei. Die offenen Tage kann man im Netz nachlesen. Ansonsten schreibt man eine E-Mail oder greift zum Hörer. Wenn man das alles getan hätte und die hätten toten Mann gespielt, hätte man das geschrieben. So klingt es nach mangelnder Recherche. Schwache Leistung schon für einen Kommentar, hierfür sechs setzen.

 

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