März 24

Medienkompetenztraining Heino

fefe erklärt ja immer wieder, dass er Medienkompetenztraining mit seinem blog betreiben wolle. Ich lass das mal so stehen. Heino hat es in die Schlagzeilen geschafft, da er eine alte LP mit „Heimatliedern“ zum NRW-Heimatkongress verschenkte. So schreibt fefe:

Aber die Freude bei der Empfängerin hielt nicht lange, denn es stellte sich raus, dass da ist Liedgut aus der SS drauf.

Die dort verlinkte SZ titelt:

Heino schenkt Heimatministerin Platte mit SS-Liedern

Der Vorwurf: Mindestens zwei der dort gesungenen Lieder sind im Liederbuch der SS enthalten. Die SZ spricht von einem Gassenhauer. Der Titel „Wenn alle untreu werden“ lässt dunkles mutmaßen. Nicht ganz zu unrecht – nach dem Lied der Deutschen und dem Horst-Wessels-Lied galt es „exponiert an dritter Stelle“. Aber – und jetzt kommt der entscheidende Punkt – der Spiegel schreibt dazu:

Für besondere Empörung sorgte jetzt das von der SS als „Treuelied“ glorifizierte Stück „Wenn alle untreu werden“ aus dem Jahr 1814, das allerdings auch von NS-Widerstandskämpfern gesungen wurde. Heino selbst erklärte nun, er könne sich nicht erinnern, welche Strophen des Liedes er 1981 aufgenommen habe. „Aber ich habe Historiker dran gehabt, die haben gesagt, das sei in Ordnung.“

Die Wikipedia berichtet von Heinrich Böll, der erzählte, dass das Lied von Widerständlern gegen das von der Hitlerjugend angesungene Horst-Wessels-Lied angestimmt wurde – sehr zu deren Verdruss.

Das zweite zitierte Lied ist Der Gott, der Eisen wachsen ließ. Inhaltlicher Hintergrund ist der Russlandfeldzug 1812. In der Fassung, die ich von Heino fand, wurde die letzte Strophe nicht gesungen.

Heino selbst zu den Vorwürfen:

„Die Lieder können doch nichts dafür, wenn sie instrumentalisiert worden sind.“

Interessanterweise lässt die SZ Heino selbst nicht zu Wort kommen. An sich würde ich da von einer Zeitung wie der SZ schon etwas mehr erwarten – beispielsweise eben mal den „Beschuldigten“ zu Wort kommen lassen.

Was macht man jetzt daraus? Schwierig. Das „Lied der Deutschen“ ist trotz des Missbrauchs in der Zeit des Nationalsozialismus zumindest in der Dritten Stophe erhalten geblieben. Die ersten beiden Strophen sind nicht Bestandteil der Nationalhymne, entgegen mancher Gerüchte aber auch nicht verboten. Gerade wenn ein Lied vom Widerstand und von der SS gesungen wurde, zeugt das von der Ambivalenz, die in solchen Texten inne wohnen kann. Sollte oder muss die Folge sein, dass alles nicht mehr anzufassen? Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass man damit dem braunen Pack eher noch etwas hinterher wirft. Es sollte aber unbedingt zur kritischen Auseinandersetzung mit Liedgut einladen – was nicht ausschließt, dass man unter Umständen ein Lied nicht mehr singt. A propas Singen: Ich käme zwar nie auf die Idee, Volksmusik zu hören; gar nicht meine Richtung. Ich finde es ist da aber wie mit Punk – vom Band meist unerträglich, live aber großartig. Volksmusik gehört gesungen, nicht gehört. Und sie gehört viel mehr gesungen. Es gibt gutes, schönes deutsches Liedgut, dass es wert ist, gepflegt zu werden. Wer da gleich Assoziationen mit Rechten hat, denke mal an die Comedian Harmonists (oder höre). Sagt Dir nichts, ab in die Bibliothek, Film besorgen und schauen.

Über Heino vermag ich da an der Stelle (oder dieser) nicht zu urteilen. So klar, wie das betitelt wird, scheint mit das nicht zu sein. Klar ist jedoch für mich, dass da mal wieder sehr schnell und unkritisch die Nazikeule aus der Tasche geholt wurde. Braunes Pack wie die AfD als genau so solches brandmarken – sofort dabei. Die haben die kritische Linie mehrfach klar überschritten. Aber ich bin überzeugt davon, dass das vorschnelle Schwingen dieser Keule mit zum Aufleben derselben geführt hat (natürlich nicht alleinig).

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März 8

Neusprech: Elternsprache

Beim Lesen des Pressespiegels kam mir gerade noch einmal ein Kommentar zu der Idee unter, in der Nationalhymne das Wort Vaterland durch Heimatland und brüderlich durch couragiert zu ersetzen.

Die Österreicher, mit Haitler oder wie immer dieser Mensch hieß, ja bekannt für ihre liberale und weltoffene Politik, haben in ihrer Natinalhymne aus „Söhnen“ „Töchter und Söhne“ gemacht. Geht das bei uns dann nicht auch?

Erstens teile ich brüderlich auch mit meiner Schwester. Schwesterlich teilen gibt es nicht. Geschwisterlich auch nicht. Arg, das ist nicht Sprache formen, dass ist verformen. Zweitens: Wer mit Geschwistern aufgewachsen ist, weiß, dass „brüderliches Teilen“ nicht unbedingt heißt, man bekommt gleichviel. Da richtet sich doch das Teilungsverhältnis eher nach dem Kräfteverhältnis. Das Wort kann also durchaus anders ausgelegt werden. Ich bin aber dazu bereit, wenn die Franzosen ihr Liberté, Égalité et Fraternité in Liberté, Égalité, Fraternel offiziell umgewandelt haben. Also so richtig, mit Änderung der Denkmäler, Münzen etc.

Und dann bitte ich um Konsequenz: Wenn aus Vaterland Heimatland wird, dann aus Muttersprache Elternsprache. Gerne auch gleich gesetzlich normiert und Sanktionen bei Verwendung der alten Sprache.

Schöne neue Welt passt diesmal nicht – Neusprech war ein Teil von 1984. Aber dazu passt: 1984 wasn’t a manual.

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März 6

Arme füttern

Die Welt:

Fernsehköchin Sarah Wiener sagte WELT: „Es kann doch nicht sein, dass in unserer Gesellschaft Bedürftige mit dem Abfall von Opulenz und Verschwendung der Reichen gefüttert werden.“ Lebensmittelspenden könnten allenfalls eine Übergangslösung sein, so Wiener. […]

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali schreibt auf Facebook, dass die Bekämpfung von Armut grundsätzlich Aufgabe des Staates und nicht der Zivilgesellschaft mit ehrenamtlichen Organisationen wie den Tafeln sei. […]

Okay, die Supermärkte spenden nichts mehr, die Tafeln stellen ihre Arbeit ein und dann?

Supermärkte zu verpflichten, überschüssige Lebensmittel an Menschen in prekären Lebenslagen zu verschenken, würde daran nichts ändern. „Wenn Menschen zu wenig Geld haben, sich Lebensmittel zu kaufen, ist der sinnvolle Schritt, ihre Sozialleistungen zu erhöhen“, sagte Schneider [Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes] WELT. Derzeit erlaubten die Regelsätze einem Erwachsenen gerade einmal, vier Euro am Tag für seine Ernährung auszugeben. […]

So, jetzt mal Hand auf ’s Herz – glaubt hier jemand wirklich, dass die Sozialleistungen auf ein Niveau hochgefahren werden, dass wir diese Probleme los sind? Die Forderung ist ja berechtigt, allein mir fehlt der Glaube. Ja, ich habe da auch ein ambivalentes Verhältnis zu der Frage Staat und Engagement. Durch solche Maßnahmen sinkt der Druck, etwas zu ändern. Aber auf welche Kosten würde denn der Druck steigen? Während sich der oder die Abgeordnete überlegt, ob das Frühstücksei weich oder hart sein soll, kann sich der Bedürftige an sein letztes nicht mal mehr erinnern. Wenn der Spielplatz durch private Spenden saniert wird, nimmt es den Druck beim Bezirksamt raus, den nächsten zu sanieren. Wo werden die Spenden erfolgreich gesammelt? In den betuchten Stadtbezirken oder in den problematischen? Auf der anderen Seite hat die „Verstaatlichung“ dieser Bereiche zu einer Entfremdung geführt: Viele sehen sich nicht verpflichtet, irgendwo und irgendwie zu helfen – ich zahle Steuern und der Staat ist zuständig, also ist das alles nicht mein Bier. Das ist das Gegenteil von Zusammenhalt und Menschlichkeit. Tafeln sind Menschlichkeit – dort helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Kritisch wird es, wenn dort nicht genug Kapazitäten für eine Hilfe zur Verfügung stehen (Stichwort Essener Tafel). Am Ende kann man gerne zu Recht kritisieren, dass der Staat zu wenig einspringt. Wer deshalb Hilfe nicht leistet, obwohl dies möglich wäre, verhält sich im Gegenteil zu sozial.

Bei der Frage, ob wie in Frankreich Supermärkte ihre Abfälle spenden müssen, zeigt sich ein Parteiwechsel: Renate Künast scheint zur FDP gewechselt zu sein. Das Mitleid mit den armen, gebeutelten Märkten (beispielsweise Aldi mit einem Jahresumsatz von 52 Milliarden Euro und einer Rendite von 3 bzw. 3,7%) hat Künast nicht mehr ausgehalten. Diese kaufen zuviel ein und müssten dies dann spenden. Das sind Ausgaben, die die Rendite schmälern. Deshalb will Künast jetzt per Gesetz zur Unternehmensberatung schreiten:

Von der Lebensmittelproduktion bis zum Einzelhandel müsse es für jede Stufe der Verarbeitung fest vereinbarte Ziele geben und eine Pflicht für alle beteiligten Unternehmen, das Erreichen dieser Vorgaben auch nachzuweisen. Das schaffe Anreize für ein klügeres Management. Künast ist überzeugt, dass zum Beispiel Supermärkte mit Blick auf verbindliche Zielvorgaben weniger bestellen und die Lagerhaltung optimieren würden.

Was hätte das für Auswirkungen?

Der Handel zumindest hat das Problem erkannt: Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) sorgen Unternehmen mit Verbesserungen ihrer Warendisposition dafür, dass die Verlustquote sinkt. So fallen immer weniger überschüssige Lebensmittel an, die „aus freien Stücken“ an karitative Organisationen gespendet werden.

Vielleicht schafft das dann mal endlich die Anreize, die mit den Harzt-IV-Reformen versucht wurden. Damit sich auch die Alleinerziehende endlich mal um einen Vollzeitjob kümmert und diese Rentner nicht mehr jammern, dass sie zu wenig einbezahlt haben sondern ordentlich dazuverdienen.

Wie sagt fefe immer so schön – die beste Regierung die man für Geld kaufen kann. Okay, Künast ist nicht mehr in der Regierung. Aber vielleicht kann sie ihre neue Partei bei nächsten mal zum Regieren tragen. Schöne neue Welt.

 

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Februar 26

§ 370a AO – Steuerverschwendung

Ich muss mich outen: Gelegentlich wage ich mich mal in die Trollhölle vor und lese Heise-Kommentare. So, jetzt ist es raus. Aber ich schreibe da nix. Don’t feed the trolls.

Jedenfalls las ich da:

Steuerverschwendung müsste mindestens genau so hart bestraft werden wie Steuerhinterziehung, dann wird aus dem Staat wieder was…

Ja, da ist was dran. Es ist die Asymmetrie, die so übel aufstößt. Wer seine Einkünfte nicht richtig erklärt, begeht eine Steuerhinterziehung (§ 370 AO). D’accord. Wer seine Steuern nicht bezahlt, wird gepfändet. Mit Einschränkungen d’accord. Wer dieses vereinnahmte Geld verprasst, der – ja was der? Gehe mal im Kopf kritische Fehlentscheidungen durch und schau, was dann passiert ist. Ob Digital oder Analog macht da keinen Unterschied. Vielleicht wäre das Verhältnis von Besteuerung ein anders, wenn man das Vertrauen haben dürfte, dass mit dem Geld umgegangen würde, wie mit einer geliehenen Sache – besonders sorgsam. Und ja, vielleicht bräuchte es dann einen § 370a AO – Steuerverschwendung. Ein Formulierungsvorschlag (wer § 370 AO nicht kennt, sollte den vorher gelesen haben):

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. den Steuerpflichtigen oder anderen Bürgern über haushaltserhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht,
2. die Steuerpflichtigen pflichtwidrig über haushaltserhebliche Tatsachen in Unkenntnis lässt oder
3. pflichtwidrig die Verwendung von Steuermitteln oder anderen öffentlichen Einnahmen veranlasst oder Haushaltsgrundsätze verletzt. Pflichtigwidrigkeit ist insbesondere gegeben, wenn der Einsatz der Mittel nicht sparsam, wirtschaftlich und zweckmäßig erfolgte.
(2) Der Versuch ist strafbar.

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Februar 21

eingeschränkte Freiheit – Behinderte

Ich aß gerade mit zwei Menschen zu Abend, die in der Behindertenhilfe tätig sind. Dabei bin ich auf eine interessante Fragestellung gestoßen: Wie weit darf, muss, kann, sollte ich die Freiheit eines Menschen mit Einschränkungen einschränken oder umgekehrt darf dies nicht. Vielleicht habe nur ich das noch nicht so tief durchdacht, vielleicht muss das aber breiter diskutiert werden (nach Aussage meiner Gesprächspartner findet das aber noch nicht einmal in den betreffenden Einrichtungen unbedingt statt).

Ein paar Erläuterungen, Beispiele und Gedankenanregungen dazu:

  • Beschränkte ich einem geistig behinderten Menschen das Essen oder lasse ich ihn beim Mittagessen solange nachholen, bis er von sich aus signalisiert, dass er satt ist? Es scheint nicht unüblich zu sein, dies im Sinne einer Gesundheitsprävention zu beschränken. Verhält sich diese Entscheidung auch noch dann so, wenn der oder die Betreffende in ein gefährliches Über- oder Untergewicht rutscht?
  • Ein Bewohner verwehrt sich immer wieder gegen eine regelmäßige Körperpflege. Wo erzwinge ich diese notfalls, wo dusche ich halt vielleicht nur alle zwei Tage statt täglich.
  • Lasse ich Bewohner Prostituierte von ihrem Taschengeld aufsuchen?
  • Lasse ich zu, dass Bewohner rauchen? Alkohol trinken?
  • Wo lasse ich wie weit Freiheit zu und wo schränke ich sie ein? Wo verpflichte ich einen Bewohner, an einer Urlaubsreise teilzunehmen und wo lasse ich ihn oder sie im Heim, wenn der Wunsch geäußert wird, nicht mit zu wollen? Kann ich sagen – einmal musst du dahin mit, dann weißt Du worum es geht, beim zweiten mal darfst du nein sagen (konkret hier: Mitfahrt in einen Freizeitpark)?

Ein Sack voller Probleme. Ich finde, die gehören breiter diskutiert. Wenn es gleichberechtigte Mitmenschen sind und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe zustehen soll, soweit dies möglich ist, dann sollten wir diese Probleme nicht in Heimen lassen, sondern raustragen. Mein Credo wäre da ja: Soviel Freiheit wie möglich, so wenig Einschränkung wie nötig. Aber in der Praxis gestaltet sich das nicht unbedingt so einfach. War ein lehrreiches Abendessen.

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Februar 13

Kinder und künstliche Intelligenz

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel, in dem es darum ging, dass das mit der Künstlichen Intelligenz (KI) alles viel zu aufgebauscht sei. Okay, ich lese selten etwas von diesem Autor, da ich danach immer wieder weiß, warum fefe den Spiegel das „ehemalige Nachrichtenmagazin“ nennt. Aber sei es drum. Computer könnten jedenfalls nur solche streng reglementierten Sachen wie Go lernen. Ansonsten seien sie auch mit KI soweit vom Menschen entfernt. Hinfort Ihr Bedenkenträger! Angst müsst Ihr nur vor der Ökonomisierung haben (irgendwie muss der Iro ja gerechtfertigt werden). Okay, nun kann man Sascha Lobo zugute halten, dass er im März 2017 AlphaGo Zero noch nicht kannte. Aber ich glaube, da fehlt trotzdem etwas. Ich musste nämlich daran denken, als ich bei heise folgende las:

Computer können bemerkenswert viel lernen, brauchen dafür aber riesige Mengen an Beispiel-Daten. So können Menschen etwa Kaffeetassen problemlos erkennen, sobald sie ein oder zwei Beispiele dafür gesehen haben.

Ich erlebe jetzt gerade bei Kind Nummer drei noch einmal sehr bewusst, wie das so mit der Menschwerdung läuft. Bis ein Mensch eine Kaffeetasse problemlos erkennen kann – und vorsichtig beim Trinken ist weil es ja heiß sein könnte – vergehen Jahre. Jahre mit unzählbaren Versuchen und Datensammelei (früher Sinneseindrücken). Alleine einen Gegenstand anzufixieren dauert Monate. Gezieltes Greifen und Festhalten ist ein Entwicklungsschritt. Gib mal einem vier oder fünf Monate altem Kind einen Stück Brot in die Hand und schau Dir mal an, wie es damit kämpft, das sicher in den eigenen Mund zu manövrieren.  Du bist auch sofort dankbar für die Maschinen, die die umgeben (Staubsauger und Waschmaschine). Wer einen Menschen gleich welchen Alters betrachtet, sollte nicht vergessen, dass auch diese ganzen Lernfortschritte in ihm drin stecken. Die entdeckt der Mensch auch nicht alleine: „Um ein Kind zu erziehen bedarf es eines ganzen Dorfes“ kommt ja nicht von ungefähr.

Wer die Entwicklungsschritte, die KI derzeit durchmacht, kleinredet, hat sich mit der Entwicklung des Menschen nicht wirklich beschäftigt, missachtet die Fortschritte und negiert Gefahren. So sehr ich von diesem Thema fasziniert bin: Hoffentlich lernt die KI eben nicht so schnell Laufen – denn dann können wir alles hochräumen und Schranksicherungen ranbauen.

Update: Brot an Kinder in dem Alter geht natürlich gar nicht, sehe ich ein. Das böse Gluten und so. Ich meinte ja auch ein konventionelles T-Bone-Steak, honigglasiert. Das macht die Kleinen stark!

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Januar 29

Ferengis – von wegen Außerirdische

Ich stehe ja so auf Science-Fiction, weil es uns mit Parabeln den Spiegel vorhalten kann. Darüber hinaus bietet es die Möglichkeit, philosophische und soziologische Probleme und Ideen zu wälzen – nur im Gegensatz zu klassischen Texten in unterhaltsamer Form. Die Klaviatur der Parabeln grandios spielt Star Trek. Ferengis sind meines Erachtens mit die wertvollsten Figuren. Hier mal ein schöner Dialog zischen einem Ferengi-Angestellten und dem Schiffsarzt:

Sie wollen mir sagen dass sie seit zwei Wochen mit einer akuten Infektion herumlaufen? […] Sie hätten daran sterben können. Noch 48 Stunden und sie hätten in der Göttlichen Schatzkammer für ein neues Leben gebetet [Anm. richtig wäre: geboten]. […] Warum sind sie nicht früher zu mir gekommen? […]

Das wäre eine Verletzung des Arbeitsvertrages. § 76 Unterabschnitt 3: “Angestellten von Quarks Bar und Holdingsgesellschaft ist es strengstens untersagt den Arbeitsbereich während der Geschäftsstunden zu verlassen, sofern dies nicht von ihrem Arbeitgeber befohlen wird. Jegliche Zuwiderhandlung gegen diese Bestimmung wird hohe Geldstrafen und unter Umständen die Entlassung zu Folge haben. Das ist ein Standardbestimmung in allen Ferengi-Arbeitsverträgen.

Sie meinen, Sie bekommen nicht einmal frei, wenn Sie krank sind?

Das gehört nicht zu unserem großzügigen Angestelltenkompensationspaket. Keine Krankentage, keine Ferien und auch keine bezahlten Überstunden.

Das heißt, Sie brauchen einen besseren Vertrag.

Das wird nicht funktionieren. Alle Ferengi-Arbeitsverträge sind gleich ausgearbeitet. […]

Was Sie brauchen ist eine Gewerkschaft!

Eine was?

Eine Handelsgilde. Eine kollektive Verhandlungsvereinigung. Eine Gewerkschaft. Etwas das verhindert, dass Sie ausgebeutet werden.

Sie verstehen das nicht. Die Ferengi-Arbeiter wollen die Ausbeutung gar nicht beenden. Wir suchen nach Wegen, wie wir selber zu Ausbeutern werden können.

Wenn Sie es so wollen. Aber ich sehe nicht, dass Sie jemanden ausbeuten.

Eine Utopie? Sci-Fi?

Nun, schau Dich mal bei den Startup, Crowed-Workern und ähnlichem um.

/Dialog aus Star Trek Deep Space Nine, Staffel 4 Episode 15 Bar Association

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Januar 24

F.U.C.K. – FRAUEN UND COMPUTER KRAM

Diversität ist aus meiner Sicht ein Geschenk, da unterschiedliche Wesens- und Denkrichtungen sich bereichern und den Geist offen halten. Das gilt sowohl für die Frage nach Geschlechtern als auch nach Alter – privat wie beruflich. Jungen Hipster Start-ups ohne Grauhaardackel fehlt ebenso etwas wie eine Ansammlung von Greisen, nur Frauen ebenso wie nur Männern. Das kann man weiter durchaus weiterziehen und denken. Ist diese Diversität nicht gegeben, sollte das zum Denken anregen und sich die Betreffenden durchaus überlegen woran es liegt und Lösungen entwickeln. Dabei ist es nicht einfach, Lösungen zu entwickeln, die eine Seite fördern ohne die andere zu behindern.

Dass die IT-Szene männerdominiert ist, ist nun wahrlich kein Geheimnis – entgegen der Bedeutung der Geschichte. Da ist Bewegung drin, was sehr erfreulich ist. Frauen sind zwar immer noch eine deutliche Minderheit auf einschlägigen Veranstaltungen oder in „Nerd-Tempeln„, aber dankenswerterweise keine Einzelfälle mehr. Es lohnt sich durchaus darüber nachzudenken, warum das so ist, wie es ist. Ich erlebe bei unserer Tochter wie wichtig es für sie zu sehen ist, dass in dieser Szene durchaus auch Frauen unterwegs sind. Das senkt die Einstiegshürde. Insoweit finde ich Initiativen, die die Sichtbarkeit von Frauen in diesem Bereich erhöhen wollen, wirklich wertvoll. F.U.C.K.  – Frauen Und ComputerKram hat sich diesem Ziel verschrieben. Gut so. Gleichsam entwickelt sich bei mir da ein ungutes Gefühl, wenn ich so etwas lese:

Einmal Monat ist der Chaos Computer Club München für einen Abend nur für FLT*I (Frauen, Lesben, Trans*, Inter) reserviert. […] Unser Ziel ist es für mehr Diversität im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie zu sorgen.

In Berlin gibt es einen Hackerspace nur für Frauen. In einem Heise-Artikel wird erklärt, warum dieser nur für Frauen offen steht:

Das alles wird leichter in einem Safe Space, in dem sich nur Menschen treffen, die sich als Frauen identifizieren. Damit sollen Dynamiken um Gender ausgehebelt werden und unerwünschtes Belehren, sogenanntes Mansplaining, gar nicht erst stattfinden. Krake: „Langfristig hoffen wir, dass die Hackspace-Szene insgesamt diverser wird, indem mehr Frauen zu Konferenzen oder anderen Hackspaces gehen, oder indem neue Hackspaces entstehen, die mehr unterrepräsentierten Gruppen ein Hack-Zuhause geben.“

Wer als Mann diesen besuchen will, braucht ein Mitglied als „Türöffner“:

Die Heart of Code öffnet einmal im Monat ihre Türen für Nicht-Frauen-Sternchen. [… ] Für’s Erste ist der Zugang beschränkt auf Leute, die als +1 eines Heart of Code Mitglieds kommen. Wenn ihr als solches gerne vorbeischauen möchtet, dann gebt eurer Heart of Code Kontaktperson eurer Wahl bescheid und meldet euch bei ihr an.

Da legen klassische (männliche) Studentenverbindungen mehr Offenheit an den Tag.. Diversität fördern in dem gezielt Gruppen ausgesperrt werden – das ist und bleibt für mich ein unauflösbarer Widerspruch in sich. Stell Dir mal kurz vor, mit welchen Reaktionen wohl zu rechnen wäre, wenn wir so etwas veröffentlichen würden:

Einmal Monat ist der Computer Club Nirgendwo für einen Abend nur für heterosexuelle, weißen Männer reserviert. Unser Ziel ist es, sich der mangelnden Diversität im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie bewusst zu werden. Gleichfalls wollen wir einen Safe Space schaffen, in dem Männer frei reden können.

Mir jedenfalls schmeckt das eine ebenso wenig wie das andere.

 

 

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Januar 23

#children-too

Im Kino sah ich jetzt eine Werbung um vor den Gefahren des Schüttelns von Kleinkindern. Sehr gut, dachte ich mir. In der Eindringlichkeit ist das vielleicht doch nicht jedem klar. Jetzt fordert der MIssbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Rörig:

Spätestens 2019 müsse außerdem eine bundesweite, auf mehrere Jahre angelegte, Aufklärungskampagne gegen Kindesmissbrauch gestartet werden. Sie solle nach dem Vorbild der Anti-Aids-Kampagnen laufen. Alle Bürger müssten wissen, was sie im Verdachtsfall tun und wie sie helfen können.

Ja, bitte. Unbedingt. So richtig und wichtig die Skandalisierung um den Missbrauch in den Kirchen war und ist, so sehr wohnt diesem die Gefahr inne, es als ein innerkirchliches Problem abzutun. Nein, dieses Thema muss breiter aufgestellt werden. Es muss ein #children-too werden. Nicht punktuell, sondern dauerhaft. Die Diskussion um Straftäter ist schnell lebhaft, übersieht aber völlig, dass da das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wir müssen dem Brunnen aber ein stabiles hohes Geländer verpassen, damit möglichst keiner mehr reinfällt. Und einen Rettungsring gut sichtbar daneben legen, damit diejenigen, die trotzdem reingefallen sind, schnell rausgeholt werden können und nicht erst, wenn sie ertrunken sind.

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Januar 14

Saarland steht Berlin bei

In schwerer Stunde ist Berlin nicht allein: Der fröhlichen Überwachung durch den großen Bruder am Berliner Südkreuz gesellt sich das Saarland bei. Also jedenfalls hofft man, auch endlich überwacht zu werden. Wäre die Technik mal nicht so bockig, würde ihnen die Segnung der Technik nicht vorenthalten. Die Überwachung hat gute Gründe:

Bouillon hatte bei diesem Termin auf die guten Aufklärungsmöglichkeiten von Straftaten hingewiesen. An einem Berliner Bahnhof sei ein Überfall auf eine Frau mit Hilfe der Video-Technik aufgeklärt worden, sagte Bouillon.

Nun, wenn da auch nur ein Fall aufgeklärt wurde, rechtfertigt das natürliche einiges. Ich würde mich ja eher dem Satz anschließen, wonach jedes Überwachungsvideo, das Gewalt zeigt, ein Beweis ist, dass Videoüberwachung keine Sicherheit bringt. Aber was weiß ich schon. Aufklärung geht anlassloser Überwachung und Grundrechtseingriffen natürlich vor, sagt der Große Bruder.

Leider, leider gibt es technische Probleme. Da weiß man sich aber im Saarland zu helfen:

In der Zwischenzeit hat die Polizei im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft zwischen Innenministerium und Stadtverwaltung bereits mehrere Brennpunkt-Kontrollen im Rathaus­umfeld umgesetzt und dabei dutzende Straftäter festgestellt, darunter viele Saarbahn-Schwarzfahrer.

Ach so, Schwarzfahrer. Das ist wahrlich ein schweres Vergehen. Vielleicht könnten unter diesen Umständen endlich mal diese ewigen Bedenkenträger einmal schweigen:

Ob die geplante Video-Überwachung an der Johanneskirche und vor dem Hauptbahnhof auch den datenschutzrechtlichen Voraussetzungen genügt, ist offenbar weiterhin unklar. Marco Schömer, Sprecher des Unabhängigen Datenschutzzentrums Saarland, sagte der SZ auf Anfrage, dass das „Vergabeverfahren im Hinblick auf die zu beschaffende Videoüberwachungs-Infrastruktur noch im Gange“ sei. Die Chefin des Datenschutzzentrums, Monika Grethel, hatte Innenminister Bouillon im vergangenen Frühjahr darauf hingewiesen, dass vor der Inbetriebnahme der Video-Überwachung das grüne Licht seitens ihrer Behörde Grundvoraussetzung sei. Zudem hatte ein Experte des Datenschutzzentrums betont, dass Bürger, die von den Video-Kameras gefilmt würden, ein Recht darauf hätten, diese Aufnahmen bei der Polizei einzusehen.

Warum die Bahnhöfe Dillingen, Burbach, St. Wendel und Friedrichsthal von der DB ausgewählt worden sind, ist ebenso noch unklar. „Die Auswahl der Bahnhöfe des Videoprogramms treffen die DB, das Bundesministerium des Innern und die Bundespolizei nach bahnbetrieblichen und polizeifachlichen Kriterien“, so Bahn-Sprecherin Marusczyk. Dagegen sagte der Sprecher der Bundespolizei im Saarland, Dieter Schwan, dass zumindest der Bahnhof Friedrichsthal kein Kontroll-Schwerpunkt der Bundespolizei sei.

Schöne neue Welt ist das.

 

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