Februar 13

Kinder und künstliche Intelligenz

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel, in dem es darum ging, dass das mit der Künstlichen Intelligenz (KI) alles viel zu aufgebauscht sei. Okay, ich lese selten etwas von diesem Autor, da ich danach immer wieder weiß, warum fefe den Spiegel das „ehemalige Nachrichtenmagazin“ nennt. Aber sei es drum. Computer könnten jedenfalls nur solche streng reglementierten Sachen wie Go lernen. Ansonsten seien sie auch mit KI soweit vom Menschen entfernt. Hinfort Ihr Bedenkenträger! Angst müsst Ihr nur vor der Ökonomisierung haben (irgendwie muss der Iro ja gerechtfertigt werden). Okay, nun kann man Sascha Lobo zugute halten, dass er im März 2017 AlphaGo Zero noch nicht kannte. Aber ich glaube, da fehlt trotzdem etwas. Ich musste nämlich daran denken, als ich bei heise folgende las:

Computer können bemerkenswert viel lernen, brauchen dafür aber riesige Mengen an Beispiel-Daten. So können Menschen etwa Kaffeetassen problemlos erkennen, sobald sie ein oder zwei Beispiele dafür gesehen haben.

Ich erlebe jetzt gerade bei Kind Nummer drei noch einmal sehr bewusst, wie das so mit der Menschwerdung läuft. Bis ein Mensch eine Kaffeetasse problemlos erkennen kann – und vorsichtig beim Trinken ist weil es ja heiß sein könnte – vergehen Jahre. Jahre mit unzählbaren Versuchen und Datensammelei (früher Sinneseindrücken). Alleine einen Gegenstand anzufixieren dauert Monate. Gezieltes Greifen und Festhalten ist ein Entwicklungsschritt. Gib mal einem vier oder fünf Monate altem Kind einen Stück Brot in die Hand und schau Dir mal an, wie es damit kämpft, das sicher in den eigenen Mund zu manövrieren.  Du bist auch sofort dankbar für die Maschinen, die die umgeben (Staubsauger und Waschmaschine). Wer einen Menschen gleich welchen Alters betrachtet, sollte nicht vergessen, dass auch diese ganzen Lernfortschritte in ihm drin stecken. Die entdeckt der Mensch auch nicht alleine: „Um ein Kind zu erziehen bedarf es eines ganzen Dorfes“ kommt ja nicht von ungefähr.

Wer die Entwicklungsschritte, die KI derzeit durchmacht, kleinredet, hat sich mit der Entwicklung des Menschen nicht wirklich beschäftigt, missachtet die Fortschritte und negiert Gefahren. So sehr ich von diesem Thema fasziniert bin: Hoffentlich lernt die KI eben nicht so schnell Laufen – denn dann können wir alles hochräumen und Schranksicherungen ranbauen.

Update: Brot an Kinder in dem Alter geht natürlich gar nicht, sehe ich ein. Das böse Gluten und so. Ich meinte ja auch ein konventionelles T-Bone-Steak, honigglasiert. Das macht die Kleinen stark!

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Januar 29

Ferengis – von wegen Außerirdische

Ich stehe ja so auf Science-Fiction, weil es uns mit Parabeln den Spiegel vorhalten kann. Darüber hinaus bietet es die Möglichkeit, philosophische und soziologische Probleme und Ideen zu wälzen – nur im Gegensatz zu klassischen Texten in unterhaltsamer Form. Die Klaviatur der Parabeln grandios spielt Star Trek. Ferengis sind meines Erachtens mit die wertvollsten Figuren. Hier mal ein schöner Dialog zischen einem Ferengi-Angestellten und dem Schiffsarzt:

Sie wollen mir sagen dass sie seit zwei Wochen mit einer akuten Infektion herumlaufen? […] Sie hätten daran sterben können. Noch 48 Stunden und sie hätten in der Göttlichen Schatzkammer für ein neues Leben gebetet [Anm. richtig wäre: geboten]. […] Warum sind sie nicht früher zu mir gekommen? […]

Das wäre eine Verletzung des Arbeitsvertrages. § 76 Unterabschnitt 3: “Angestellten von Quarks Bar und Holdingsgesellschaft ist es strengstens untersagt den Arbeitsbereich während der Geschäftsstunden zu verlassen, sofern dies nicht von ihrem Arbeitgeber befohlen wird. Jegliche Zuwiderhandlung gegen diese Bestimmung wird hohe Geldstrafen und unter Umständen die Entlassung zu Folge haben. Das ist ein Standardbestimmung in allen Ferengi-Arbeitsverträgen.

Sie meinen, Sie bekommen nicht einmal frei, wenn Sie krank sind?

Das gehört nicht zu unserem großzügigen Angestelltenkompensationspaket. Keine Krankentage, keine Ferien und auch keine bezahlten Überstunden.

Das heißt, Sie brauchen einen besseren Vertrag.

Das wird nicht funktionieren. Alle Ferengi-Arbeitsverträge sind gleich ausgearbeitet. […]

Was Sie brauchen ist eine Gewerkschaft!

Eine was?

Eine Handelsgilde. Eine kollektive Verhandlungsvereinigung. Eine Gewerkschaft. Etwas das verhindert, dass Sie ausgebeutet werden.

Sie verstehen das nicht. Die Ferengi-Arbeiter wollen die Ausbeutung gar nicht beenden. Wir suchen nach Wegen, wie wir selber zu Ausbeutern werden können.

Wenn Sie es so wollen. Aber ich sehe nicht, dass Sie jemanden ausbeuten.

Eine Utopie? Sci-Fi?

Nun, schau Dich mal bei den Startup, Crowed-Workern und ähnlichem um.

/Dialog aus Star Trek Deep Space Nine, Staffel 4 Episode 15 Bar Association

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Januar 24

F.U.C.K. – FRAUEN UND COMPUTER KRAM

Diversität ist aus meiner Sicht ein Geschenk, da unterschiedliche Wesens- und Denkrichtungen sich bereichern und den Geist offen halten. Das gilt sowohl für die Frage nach Geschlechtern als auch nach Alter – privat wie beruflich. Jungen Hipster Start-ups ohne Grauhaardackel fehlt ebenso etwas wie eine Ansammlung von Greisen, nur Frauen ebenso wie nur Männern. Das kann man weiter durchaus weiterziehen und denken. Ist diese Diversität nicht gegeben, sollte das zum Denken anregen und sich die Betreffenden durchaus überlegen woran es liegt und Lösungen entwickeln. Dabei ist es nicht einfach, Lösungen zu entwickeln, die eine Seite fördern ohne die andere zu behindern.

Dass die IT-Szene männerdominiert ist, ist nun wahrlich kein Geheimnis – entgegen der Bedeutung der Geschichte. Da ist Bewegung drin, was sehr erfreulich ist. Frauen sind zwar immer noch eine deutliche Minderheit auf einschlägigen Veranstaltungen oder in „Nerd-Tempeln„, aber dankenswerterweise keine Einzelfälle mehr. Es lohnt sich durchaus darüber nachzudenken, warum das so ist, wie es ist. Ich erlebe bei unserer Tochter wie wichtig es für sie zu sehen ist, dass in dieser Szene durchaus auch Frauen unterwegs sind. Das senkt die Einstiegshürde. Insoweit finde ich Initiativen, die die Sichtbarkeit von Frauen in diesem Bereich erhöhen wollen, wirklich wertvoll. F.U.C.K.  – Frauen Und ComputerKram hat sich diesem Ziel verschrieben. Gut so. Gleichsam entwickelt sich bei mir da ein ungutes Gefühl, wenn ich so etwas lese:

Einmal Monat ist der Chaos Computer Club München für einen Abend nur für FLT*I (Frauen, Lesben, Trans*, Inter) reserviert. […] Unser Ziel ist es für mehr Diversität im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie zu sorgen.

In Berlin gibt es einen Hackerspace nur für Frauen. In einem Heise-Artikel wird erklärt, warum dieser nur für Frauen offen steht:

Das alles wird leichter in einem Safe Space, in dem sich nur Menschen treffen, die sich als Frauen identifizieren. Damit sollen Dynamiken um Gender ausgehebelt werden und unerwünschtes Belehren, sogenanntes Mansplaining, gar nicht erst stattfinden. Krake: „Langfristig hoffen wir, dass die Hackspace-Szene insgesamt diverser wird, indem mehr Frauen zu Konferenzen oder anderen Hackspaces gehen, oder indem neue Hackspaces entstehen, die mehr unterrepräsentierten Gruppen ein Hack-Zuhause geben.“

Wer als Mann diesen besuchen will, braucht ein Mitglied als „Türöffner“:

Die Heart of Code öffnet einmal im Monat ihre Türen für Nicht-Frauen-Sternchen. [… ] Für’s Erste ist der Zugang beschränkt auf Leute, die als +1 eines Heart of Code Mitglieds kommen. Wenn ihr als solches gerne vorbeischauen möchtet, dann gebt eurer Heart of Code Kontaktperson eurer Wahl bescheid und meldet euch bei ihr an.

Da legen klassische (männliche) Studentenverbindungen mehr Offenheit an den Tag.. Diversität fördern in dem gezielt Gruppen ausgesperrt werden – das ist und bleibt für mich ein unauflösbarer Widerspruch in sich. Stell Dir mal kurz vor, mit welchen Reaktionen wohl zu rechnen wäre, wenn wir so etwas veröffentlichen würden:

Einmal Monat ist der Computer Club Nirgendwo für einen Abend nur für heterosexuelle, weißen Männer reserviert. Unser Ziel ist es, sich der mangelnden Diversität im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie bewusst zu werden. Gleichfalls wollen wir einen Safe Space schaffen, in dem Männer frei reden können.

Mir jedenfalls schmeckt das eine ebenso wenig wie das andere.

 

 

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Januar 23

#children-too

Im Kino sah ich jetzt eine Werbung um vor den Gefahren des Schüttelns von Kleinkindern. Sehr gut, dachte ich mir. In der Eindringlichkeit ist das vielleicht doch nicht jedem klar. Jetzt fordert der MIssbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Rörig:

Spätestens 2019 müsse außerdem eine bundesweite, auf mehrere Jahre angelegte, Aufklärungskampagne gegen Kindesmissbrauch gestartet werden. Sie solle nach dem Vorbild der Anti-Aids-Kampagnen laufen. Alle Bürger müssten wissen, was sie im Verdachtsfall tun und wie sie helfen können.

Ja, bitte. Unbedingt. So richtig und wichtig die Skandalisierung um den Missbrauch in den Kirchen war und ist, so sehr wohnt diesem die Gefahr inne, es als ein innerkirchliches Problem abzutun. Nein, dieses Thema muss breiter aufgestellt werden. Es muss ein #children-too werden. Nicht punktuell, sondern dauerhaft. Die Diskussion um Straftäter ist schnell lebhaft, übersieht aber völlig, dass da das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Wir müssen dem Brunnen aber ein stabiles hohes Geländer verpassen, damit möglichst keiner mehr reinfällt. Und einen Rettungsring gut sichtbar daneben legen, damit diejenigen, die trotzdem reingefallen sind, schnell rausgeholt werden können und nicht erst, wenn sie ertrunken sind.

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Januar 14

Saarland steht Berlin bei

In schwerer Stunde ist Berlin nicht allein: Der fröhlichen Überwachung durch den großen Bruder am Berliner Südkreuz gesellt sich das Saarland bei. Also jedenfalls hofft man, auch endlich überwacht zu werden. Wäre die Technik mal nicht so bockig, würde ihnen die Segnung der Technik nicht vorenthalten. Die Überwachung hat gute Gründe:

Bouillon hatte bei diesem Termin auf die guten Aufklärungsmöglichkeiten von Straftaten hingewiesen. An einem Berliner Bahnhof sei ein Überfall auf eine Frau mit Hilfe der Video-Technik aufgeklärt worden, sagte Bouillon.

Nun, wenn da auch nur ein Fall aufgeklärt wurde, rechtfertigt das natürliche einiges. Ich würde mich ja eher dem Satz anschließen, wonach jedes Überwachungsvideo, das Gewalt zeigt, ein Beweis ist, dass Videoüberwachung keine Sicherheit bringt. Aber was weiß ich schon. Aufklärung geht anlassloser Überwachung und Grundrechtseingriffen natürlich vor, sagt der Große Bruder.

Leider, leider gibt es technische Probleme. Da weiß man sich aber im Saarland zu helfen:

In der Zwischenzeit hat die Polizei im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft zwischen Innenministerium und Stadtverwaltung bereits mehrere Brennpunkt-Kontrollen im Rathaus­umfeld umgesetzt und dabei dutzende Straftäter festgestellt, darunter viele Saarbahn-Schwarzfahrer.

Ach so, Schwarzfahrer. Das ist wahrlich ein schweres Vergehen. Vielleicht könnten unter diesen Umständen endlich mal diese ewigen Bedenkenträger einmal schweigen:

Ob die geplante Video-Überwachung an der Johanneskirche und vor dem Hauptbahnhof auch den datenschutzrechtlichen Voraussetzungen genügt, ist offenbar weiterhin unklar. Marco Schömer, Sprecher des Unabhängigen Datenschutzzentrums Saarland, sagte der SZ auf Anfrage, dass das „Vergabeverfahren im Hinblick auf die zu beschaffende Videoüberwachungs-Infrastruktur noch im Gange“ sei. Die Chefin des Datenschutzzentrums, Monika Grethel, hatte Innenminister Bouillon im vergangenen Frühjahr darauf hingewiesen, dass vor der Inbetriebnahme der Video-Überwachung das grüne Licht seitens ihrer Behörde Grundvoraussetzung sei. Zudem hatte ein Experte des Datenschutzzentrums betont, dass Bürger, die von den Video-Kameras gefilmt würden, ein Recht darauf hätten, diese Aufnahmen bei der Polizei einzusehen.

Warum die Bahnhöfe Dillingen, Burbach, St. Wendel und Friedrichsthal von der DB ausgewählt worden sind, ist ebenso noch unklar. „Die Auswahl der Bahnhöfe des Videoprogramms treffen die DB, das Bundesministerium des Innern und die Bundespolizei nach bahnbetrieblichen und polizeifachlichen Kriterien“, so Bahn-Sprecherin Marusczyk. Dagegen sagte der Sprecher der Bundespolizei im Saarland, Dieter Schwan, dass zumindest der Bahnhof Friedrichsthal kein Kontroll-Schwerpunkt der Bundespolizei sei.

Schöne neue Welt ist das.

 

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Januar 9

Grundrechte versus diplomatische Beziehungen

Nach dem erfolglosen Putschversuch in der Türkei flohen etliche Soldaten – soweit ich das verfolgte vor allem Offiziere – ins Ausland. Die Festnahmen in der Türkei zeigten ja, dass diese Flucht nicht unberechtigt war. Ob da jemand vor einer „gerechten“ Strafe flieht oder einen „berechtigten“ Putschversuch unternahm unterliegt dem Blickwinkel. Insbesondere der Rolle des Militärs in der Türkei hielt ich das geboten. Selbst bei einer zweifelhaften Betrachtung sollte der Schutz der Betreffenden Vorrang haben. Wer sich jetzt fragt, wo das Problem liegt: Ist ein Putschbeteiligter politisch verfolgt oder nicht? Bejaht man die Frage, stünde ihm nach dem Grundgesetz ein Recht auf Asyl zu. Gesetze sind immer eine politische Entscheidung, deswegen ist man bei einer „Verfolgung“ aufgrund eines Gesetzesverstoßes noch lange kein politisch Verfolgter. Das Verbot von Canabis ist eine politische Entscheidung. Der erwischte Kiffer, der sich einer Strafverfolgung ausgesetzt sieht, wird wohl kaum jemand als politisch verfolgt einstufen. Wenn sich hier ein Bundeswehr-Soldat hinstellt und zum Meutern aufruft, wird wohl auch (in anderen Ländern) schlechte Karten haben. Da ist die Grenze des übergesetzlichen Notstandes wohl kaum überschritten. In diese sicherlich nicht immer einfache Bewertung die diplomatischen Interessen eines Landes einfließen zu lassen, geht aus meiner Sicht gar nicht. Noch weniger, dann als „Ersatzdiplomaten“ auf die Gerichte zu setzen, die das wieder richten sollen. Vielleicht wäre mehr Ehrlichkeit in der Diplomatie hilfreich:

Den Auslieferungsanträgen, die Ankara daraufhin stellte, gaben griechische Gerichte mit Verweis auf die Menschenrechtslage in der Türkei nicht statt. Anschließend wurde einem ersten Antragssteller vergangene Woche von einer griechischen Behörde Asyl zugesprochen. Die griechische Regierung erhob gegen diesen Entscheid Einspruch, um die Beziehungen zur Türkei nicht zu gefährden: Auslieferung nein, aber auch kein Asyl. In diplomatischen Kreisen in Athen heißt es, die Regierung hoffe darauf, dass schließlich die Gerichte – womöglich gar der Europäische Gerichtshof – über den Fall entscheiden würden.

Okay, das war Griechenland. Irgendwie musste ich da aber an einen Fall in Deutschland denken, der mich auch nicht glücklich stimmte.

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Januar 8

Die innere Natur des Menschen

Reinhold Messner hat jetzt gegenüber der KNA zum Besten gegeben:

Skeptisch sei er auch, wenn es um Selbstaufopferung gehe. „Wir brauchen keine Gesetze, keine Religion“. Die innere Natur sage den Menschen, was sie tun sollten.

Die innere Natur weiß was sie tun soll? Nun, vielleicht hätte mal einen Berg weniger besteigen sollen und mal in die Kinderzimmer seiner vier Kinder schauen sollen. Es ist ja nicht so, dass die unverblümte Natur des Menschen da unreguliert glänzt.

Auf deutsche Geschichte will man ebenso wenig schauen wie auf die Weltgeschichte. Und wer jetzt gleich wieder mit der üblichen Masche kommt, wonach Religion verantwortlich für die Kriege der Welt sei – die letzten beiden Kriege auf deutschem Boden hatten herzlich wenig damit zu tun. Ebenso wenig wie der Mensch nicht aus dem Nichts entstammt, ebenso sehr bedarf es einer Demut vor diesem Schöpfer. Und einer Demut vor seinen Gesetzen.

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Januar 5

beA sprengt Bundesrechtsanwaltsverzeichnis

Über das beA und die liebe Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) habe ich mich hier ja schon aufgeregt. Da kommt doch gleich der nächste Knaller: Die BRAK unterhält ein Verzeichnis aller in Deutschland zugelassenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten, das Bundesrechtsanwaltsverzeichnis (BRAV). Da sich ja „ganz überraschend“ herausgestellt hat, dass das beA eine einzige Katastrophe ist, hat die BRAK das BRAV auch offline gestellt. Whait – what? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Ich weiß gar nicht, wie alt der Satz von McIlroy ist und ich dachte, der wäre bekannt. Also jedenfalls wenn man mal eben 38 Millionen für Softwareentwicklung in den Ring wirft. Ist er aber scheinbar nicht. Liebe BRAK:

Schreibe Computerprogramme so, dass sie nur eine Aufgabe erledigen und diese gut machen.

Hilft ungemein. Na ja, vielleicht beim nächsten mal.

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Januar 3

BRAK entschuldigt sich – und nichts dazu gelernt

Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen sind ab dem 1. Januar 2018 gesetzlich verpflichtet, für das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA) empfangsbereit zu sein. In der schönen neuen Welt wollen wir die Ausforschung von Anwälten verbessern, damit der Staat dort nicht so hohe Kosten hat. Es überrascht wohl kaum, dass dieses Projekt in der Vergangenheit mehrfach vor sich hin geschoben wurde, da man die Sicherheit nicht in den Griff bekam. Diese Aluhutträger aber auch. Kurz vor Weihnachten hat man dann auf ganzer Linie verkackt. Jeder andere Beschreibung wäre nur ein Schönreden. Das ganze wurde dann von Markus Drenger und Felix Rohrbach aus dem Chaos Darmstadt aufgehackt. Vielen Dank an dieser Stelle! Darauf schickte die Kammer erst ein Schreiben, dass im Subtext „die bösen Hacker“ drin hatte. Etwas später kam dann eine Entschuldigung, dass das ein blödes Missverständnis gewesen sei. Die Hacker hätten vorbildlich vor der Veröffentlichung sich an die betreffenden Parteien gewandt und so eine Reaktion vor der Veröffentlichung ermöglicht. Jetzt kam heute ein Schreiben des Präsidenten der Bundesrechtsanwaltskammer. Ich gebe hier ein paar Ausschnitte wieder. Legt Euch Popcorn bereit. (BRAK ist die Bundesrechtsanwaltskammer)

Angesichts der uns alle ab dem 1. Januar 2018 treffenden passiven Nutzungspflicht sah sich die
BRAK verständlicherweise unter einem hohen Druck, eine rasche Lösung für die Erreichbarkeit des beA zu finden. Atos schlug binnen eines halben Tages eine Ersatzlösung mit einem neuen Zertifikat vor, bei der die zuvor kritisierte Problematik nicht mehr auftreten sollte. Atos hat dabei zu keinem Zeitpunkt auf mögliche anders gelagerte Risiken hingewiesen. Deshalb wurde das neue Zertifikat am Morgen des 22. Dezember zum Download auf der beA-Plattform angeboten. Gegen 13:00 Uhr erkannte Atos dann die neu entstandene Sicherheitsproblematik und informierte die BRAK. Demnach riss das neue Zertifikat eine klaffende, angreifbare Wunde auf den Rechnern des einzelnen Nutzers mit der Folge, dass die IT-Infrastruktur der nutzenden Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte somit deutlich unsicherer wurde. Mit Einverständnis der BRAK nahm Atos deshalb das beA-System vom Netz.

Die BRAK sitzt in Berlin. Da haben wir Erfahrung mit unklaren Eröffnungsterminen – da schreiben sich die BER-Witze quasi von selbst:

Ich kann Ihnen heute noch nicht sagen, wann das beA wieder online gehen wird.

Bitte gehen Sie weiter. Es gibt nichts zu sehen. Es ist natürlich rein gar nichts passiert.

Für uns Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte ist es wichtig, zu wissen, dass das beA in
seiner Anwendung stets komplett sicher war, niemand also die Vertraulichkeit der übersandten
Dokumente verletzen konnte. Das beA wird erst wieder online gehen, wenn dies auch weiterhin
gesichert ist.

Es ist wirklich nichts passiert – deshalb:

Wir empfehlen auch, dass Sie ihren Rechner mit einem aktuellen Virenscan untersuchen und sichern.

Okay, sparen wir uns die Diskussion über Sinn und Unsinn von Virenscannern. Lassen wir sie in ihrer Welt weiterleben. Aber jetzt, anschnallen und zurücklehnen, jetzt kommt der Kracher:

Sie können versichert sein, dass wir unseren technologischen Dienstleister nicht aus der
Verantwortung entlassen, eine vollends sichere Lösung für das beA-System zeitnah zur Verfügung zu
stellen.

Eine vollends sichere Lösung? Lieber Herr Präsident der Bundesrechtsanwaltskammern: Ich war noch nie auf einer Kammerversammlung, weil nach meiner Auffassung diese Kammern abgeschafft gehören (warum gerne mal an anderer Stelle). Aber das motiviert mich doch, beim nächsten mal dabei zu sein. Um so eine geballte Inkompetenz abzuwählen. Dieser Mensch hat wirklich nichts, nichts, rein gar nichts verstanden. Abwählen. Und bitte wieder in eine Kanzlei mit Schreibmaschine zurückschicken. Da kann er nicht so viel Schaden anrichten und Unsinn erzählen. A propas Schaden: 38 Millionen Euro hat dieser Schund bis jetzt gekostet. Wir reden da immerhin von Zwangsgeldern – die Kammermitgliedschaft ist ja nicht freiwillig. Als Nicht-Jurist wäre mir da vielleicht der Begriff Veruntreuung in den Sinn gekommen, als Jurist weiß ich leider, dass das nicht der Fall ist. Und nur noch mal als Schenkelklopfer, ein Zitat von der beA-Seite:

Sicherheit ist beim beA die oberste Prämisse.

Update: Ich bin da jetzt nochmal inhaltlich eingestiegen. Das ist ja alles noch viel finsterer, als ich erst gedacht habe. Ich muss dieser Kammer meinen privaten Schlüssel geben, damit verschlüsselte Mails „umgeschlüsselt“ werden können, sprich damit ein anderer Berechtigter diese lesen kann. Ich muss da meinen privaten Schlüssel abgeben?! Das System ist damit definitiv so kaputt, wie es nur kaputt gehen kann. Dann lieber gleich unverschlüsselt. Da weiß man wenigstens gleich, worauf man sich einlässt und wer alles mitliest. Hier wird noch Schlangenöl draufgekippt.

Update 2: Lesenswerte Erläuterung auf golem.

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Dezember 27

Korrektur zu Lehmann-Brothers

Ich hatte zur Lehmann-Pleite getwittert:

Insolvenzverfahren der dt. Lehmann-Tochter: Gläubiger gehen verlustfrei raus, Kleinanleger erhalten etwas weniger als die Hälfte. Gleichheit im Recht. Der Insolvenzverwalter erhält zum Dank zwischen 500 und 834 Mil. € Honorar

Danke eines Hinweise aus der Kanzlei, zu der der Insolvenzverwalter gehört beziehungsweise dahintersteht, muss und möchte ich das korrigieren: Bei der deutschen Lehmann-Tochter hat der Insolvenzverwalter dafür Sorge getragen, dass die Gläubiger vollständig entschädigt werden. Ganz klar, saubere Leistung. Da gibt es nichts daran zu deuteln. Insofern korrigiere ich da meinen obigen Tweet und ziehe den Hut vor dem Kollegen / den Kollegen. Irgendwie schwanke ich ja noch bei der Tatsache, dass das Honorar nicht öffentlich ist und ob es da im Sinne einer Transparenz nicht ein öffentliches Interesse gibt. Aber das ist nicht das Problem der Kanzlei, da müsste man an die Insolvenzordnung ran.

Die Privatanleger haben ein Problem. Das liegt aber daran, dass sie über ihre Bank bei der niederländischen Tochter der Lehmann-Brother gezeichnet hatten. Und da schaut es eben nicht so rosig aus. Mir fällt da der von Schulze-Osterloh immer wieder zitierte Satz ein: „Verluste sozialisieren und Gewinne realisieren.“ – den er als Systemkritik verstand. Klar dienen diese Firmenkonstrukte der Enthaftung. Das hat in einem gewissen Umfang seine Berechtigung: Wenn in einem Teil etwas schief läuft, muss nicht gleich alles daran glauben. Was mich daran stört – das funktioniert erst vernünftig ab einer gewissen Größenordnung. Bei KPMG konnte ich schön sehen, wie da Unternehmensgruppen am Reißbrett „gemalt“ werden. Mal hier noch eine GmbH und hier – das frisst ein kleineres Unternehmen aufgrund des damit einhergehenden Overheads auf. Ich hole da deshalb so aus, weil es bei mir einen faden Beigeschmack hinterlässt, dass hier die Großanleger entschädigt werden und dort die Kleinanleger nicht im gleichen Umfang – bei einer Insolvenz in der gesamten Firmengruppe. Das hängt ja mit einer solchen Trennung zusammen. Und ja, mir ist schon klar, dass das grenzübergreifend eine Menge Probleme mit sich bringt. Aber wir reden hier von zwei EU-Staaten.

Im Ergebnis – klare Korrektur zu meinem ursprünglichen Tweet. Ein Störgefühl bleibt trotzdem – aber nicht gegen CMS.

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