November 23

Kindernamen

Die Namensfindung ist ein großes Ding – gibt man dem Nachwuchs doch etwas kennzeichnendes für das ganze Leben mit. Nicht umsonst gibt es auch einen Tauf– und Firmnamen. Manchmal frage ich mich doch, ob es nicht die Pflicht von Standesämtern wäre, gelegentlich sofort das Jugendamt einzuschalten. Eine Sammlung solcher Fälle findet sich auf Chantalismus.de. Daran musste ich gerade denken, als ich in den KNA las:

Die GfdS [Gesellschaft für deutsche Sprache] berät die Standesämter bei strittigen Namensideen. Zuletzt wurden auf Basis ihrer Empfehlungen etwa Vespa, Zecke und Dracula abgelehnt – Kastanie, Gandalf oder Neymar dagegen zugelassen.

Kastanie, ja ne, ist klar. Gandalf ist dagegen voll okay. Wir haben unsere ersten fünf Söhne ja auch Balin, Bifur, Bofur, Bombur und Dori genannt. Falls der Herr uns noch weitere Söhne schenkt, sind die Namen schon gesetzt: Dwalin, Fili, Gloin, Kili, Nori, Oin und Ori. Hoffentlich gibt es vor allem beim vorletzten Namen keine Probleme und wir können uns da auf Gandalf berufen.

 

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November 17

Unauffällig auffällig

Das Privatisieren staatlicher Leistungen geht weiter. So möchte die Bundesagentur für Arbeit die Auszahlung von Arbeitslosengeld I und II für den Fall der Bar-Auszahlung mittels eines privaten Dienstleisters an Supermarkt-Kassen ermöglichen. Begründet wird dies mit den hohen Kosten für die Auszahl-Automaten. Menschen, die aus welchen Gründen auch immer kein Konto haben (beispielsweise Obdachlose) sind darauf angewiesen.

Über die Kosten für den privaten Bezahldienstleister hört man nichts – und die Supermärkte werden sich den Aufwand auch vergüten lassen wollen (mindestens mit der Hoffnung auf neue Kunden). Und in der Zeit las ich dann:

Bei dem neuen Verfahren müssen Arbeitslose in den beteiligten Märkten einen Zettel mit einem Barcode vorlegen, für den sie im Gegenzug das Geld erhalten. Die Zettel sollen neutral gedruckt sein, um eine Stigmatisierung der Betroffenen zu vermeiden. „Die Auszahlung der Barmittel erfolgt unkompliziert, ohne Wartezeit und diskriminierungsfrei im normalen Lebensumfeld des Kunden“, teilte die Bundesagentur der Welt am Sonntag mit.

Eigentlich kann man über diesen Bezahldienstleister beispielsweise seine Telefonrechnung an der Kasse zahlen. Nun gut, da kann man sich ja auch schon zusammenrechnen, wer das wohl macht. Aber wer außer den oben genannten Gruppe bekommt denn bitte Geld ausgezahlt? Ganz neutraler Zettel, is‘ klar. Und die Daten, die der private Dienstleister erhält und dort speichert, sind auch ganz neutral. Ich bin schon auf den ersten Hack gespannt.

Zu guter letzt: Den betroffenen Gruppen wird das auch helfen, wenn sie im Internet-Cafe erstmal den Zettel selber ausdrucken „dürfen“. Gerade für einen Teil der Betroffenen ist das eine „echte“ Hilfe. Könnte die BfA nicht auch in Sondierungsgespräche gehen?

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November 10

Burger kaufen keine Burger

Frei nach Henry Ford kaufen Burger keine Burger. Ich war neulich mit meinem Sohn in dem Laden mit dem großen M. Ja, jetzt ist es raus. Wir haben uns da ein Eis beziehungsweise Kaffee geholt. Diente aber nur soziologischen Studien 😉 Wie wir dort nämlich feststellten, läuft die Bestellung über Terminals elektronisch. Für den Kunden geht es schneller und für die Kette spart es Personal. Da war nur noch ein Mitarbeiter hinter dem Tresen, sonst hätten da der Kassen nach drei oder vier gestanden.

Während wir so warteten bis unsere Sachen fertigstellt wurden, sinnierten wir darüber, was das so bedeutet – sprich, Arbeitsplätze im niedrigqualifizierten Bereich fallen weg. Wir überlegten dann zusammen, was noch so technisch notwendig sei, bis der Mensch weiter- oder sogar vollständig wegrationalisiert sei. Jetzt habe ich gelesen – unsere Utopien des Vollautomatenrestaurants sind schon ganze Schritte weiter. Die Burger werden schon mal mit Robotern gebraten und das bedeutend schneller, als es Menschen hinbekommen. Schöner Satz – der Mensch braucht da nicht mehr im spritzenden Fett rumstehen. Schon klar. Der sitzt nämlich jetzt arbeitslos zu Hause. Ich bin da als Nerd immer gruselfasziniert – fasziniert von der Technik, gruselnd vor den Auswirkungen. Ich muss da wiederholen:

Frei nach Henry Ford kaufen Burger keine Burger.

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November 8

Benutzerfreundlichkeit

Nimmer Dir mal die drei bis fünf Minuten, um das hier zu lesen.

Mich verwundert auch immer wieder, dass Menschen den ganzen Tag in so eine Kiste schauen, aber nicht einen My bereit sind, etwas dazu zu lernen. Nein, dass will ich nicht, nein, da bin ich zu doof für, nein, dass muss sich selbst erklären, nein, ich kenne schon den besten Weg und will keinen anderen sehen. Da gibt es ja eine Menge Argumente für eine Verweigerung. Dabei ist es ein Werkzeug. Bei nahezu allen Schreibtischtätern DAS Werkzeug. Man stelle sich mal vor, ein Zimmermann würde sich in der Art verweigern, vernünftig mit dem Stechbeitel oder der Kreissäge umzugehen. Ein Koch, der sich weigert, den richtigen Umgang mit dem Messer zu lernen. Bei Rechnern ist das aber oft akzeptiert bis cool. Völlig unklar.

Und noch etwas ist mir bei dem Artikel durch den Kopf gegangen: Ein Freund von mir führt seine Korrespondenz konsequent mit VIM und LaTeX. Klingt nach ganz schöner Nerdscheiße. Derjenige sagte mir aber mal: Ja, die Lernkurve am Anfang ist steil. Aber ich habe mir vor circa 20 Jahren einmal eine Briefvorlage erstellt und arbeite noch immer mit der gleichen. In der Zeit hat sich bei meiner Software nicht wirklich etwas geändert. Zeig mir mal einen der Word benutzt, der mit dem gleichen Aufwand über die Jahre hingekommen ist. Überlege Dir mal,  was alleine dieses Programm mit seiner Politik für ein volkswirtschaftlicher Schaden ist. Wow dachte ich mir. Wie wahr. Wie oft habe ich gelernte Tastenkürzel bei Word neu lernen müssen, weil sie sich bei einer Version geändert haben. Wie oft mussten Sachen angepasst werden, bekannte Teile neu in den Menüstrukturen gesucht werden. Mal etwas Zeit am Anfang investiert hätte sich gelohnt. Ein ganz anderer Ansatz. Aber vielleicht ein sehr lohnenswerter.

Und ja, man mit Mutt wirklich erfolgreich seine E-Mails abarbeiten. Im Gegensatz zu dem braunen Programm von Microsoft geht das sogar auf einem Rechner, der nur noch künstlich beatmet läuft. Sicherer ist auch noch und etwas wie Verschlüsselung bietet es standardmäßig schon seit gefühlt immer an.

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Oktober 13

Falsch verstandene Neutralität

Die Freimaurer wussten, warum sie Streitgespräche über Politik und Religion nicht in der Loge haben möchten. Es gibt Themen, die können nicht neutral behandelt werden. Ein Weglassen von Religion ist ebenso eine Aussage wie ein Vorhandensein. Deswegen halte ich auch die Idee, die Kindstaufe abzulehnen, damit diese sich „frei“ entscheiden können, für schlichtweg Unsinn. Sie werden genauso unfrei in einem bestimmten Umfeld erzogen. Oder eben frei, wenn sie religiös aufwachsen und sich in voller Kenntnis darüber entscheiden können, zu bleiben oder zu gehen.

Das gleiche gilt für die Idee, tradierte Kreuze zu entfernen. Insofern hat sich Lidl der Kritik der Kritik gebeugt und das Berliner Stadtschloss bekommt sein Kuppelkreuz. Die Verbannung des Religiösen im öffentlichen Raum kann nur im Sinne von Antireligiösen, die ihren Nicht-Glauben in einer Intensität ausleben, wie ich ihn mir bei manchem Gläubigen wünschte. Weder von Juden noch von Moslems kommt dort Kritik, gleiches gilt auch für so ein Brainfuck wie Diskussionen um Weihnachtsmärkte.

Wer jetzt sagt – ich bin nicht religiös und mir ist das eigentlich egal: Nein, das sollte Dir nicht egal sein. Am Ende geht es um ein Freiheitsrecht – Religionsfreiheit. Ist der Versuch der Verbannung des Religiösen im öffentlichen Raum nicht nur der erste Schritt? Mit der Beschneidungsdebatte hat man gesehen, dass man gerne den nächsten gehen möchte und in den privaten Bereich eingreifen möchte. Menschen, die keine Skrupel haben, die Religionsfreiheit zu bekämpfen – wie weit reichen deren Skrupel die Meinungsfreiheit einzuschränken, wenn es gegen ihren Willen läuft. Na und wenn man zwei Freiheitsrechte erstmal in der Tasche hat, schafft man den Rest auch noch.

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Oktober 5

Medizin

Vom Bundesverfassungsgericht ist die Frage zu beantworten, ob der NC für eine verfassungsgemäße Verteilung der Studienplätze sorgt. Da ist in den letzten Tagen viel dazu geschrieben worden. Ich will da nur mal meine 2 Cent in den Ring werfen, die mir so bis jetzt fehlten:

NC hin oder her – klar muss allen sein, dass bei jedem wie auch immer anders gearteten Verfahren die Leute auf ihren Platz genau so lange warten wie bisher, wenn die Anzahl der Plätze und der Bewerber gleich bleibt. Dann warten vielleicht Abiturienten mit dem besseren Abitur teilweise länger als diejenigen mit einem schlechteren. Das Darstellen tragischer Schicksale in Kombination mit einem NC-Bashing erweckt ja den Eindruck, dass mit der Abschaffung des NCs sich die Wartenzeit insgesamt ändert. Die bleibt gleich. Damit sage ich aber noch nicht, dass es nicht bessere Auswahlsysteme geben möge. Wer da fleißig auf den NC wettert, denn was hat die Sportnote mit Medizin zu tun: Mit all ihren Schwächen hat es einen großen Vorteil – es ist einfach und rechtlich objektiv und gar nicht so fernliegend. Man braucht ja für ein sehr gutes Abitur kein Intelligenzbolzen zu sein, Hauptsache man kann gut auswendig lernen und stumpf wiedergeben. Wie mir mehrere Mediziner bestätigten, ist das eine Schlüsselqualifikation für ein erfolgreiches Studium. Da ist einfach viel runterzulernen und bei Bedarf auszukippen. Für Jura las ich mal im Studium einen Vergleich der Abiturnote und der Wahrscheinlichkeit das Examen zu bestehen – da gab es einen Grenzwert. Wer sein Abi schlechter als xy hat, hat kaum eine Chance, beim Hochreck Examen eine Riesenfelge zu schaffen. Jetzt mag es Menschen geben, die Spätzünder sind. Ja, aber ich frage mich, warum wir für den alles bis sonstwann quasi vorrätig halten müssen. Wenn Du mit 19 zweimal Dein Abitur versiebt hast, wird es auch nichts mit dem Studium. Hart, aber wir können uns sonst Prüfungen und Zugangsvoraussetzungen sparen. Ich glaube, die machen Sinn, weil sie Leid verhindern, siehe unten. Warum wir aber über Ärztemangel klagen und es nur so wenig Studienplätze gibt, dass leuchtet mir noch nicht ein.

Bei manch einem scheint die Vorstellung zu bestehen, aus dem Abitur erwachse mehr oder minder eine Anspruchshaltung auf das Recht eines Studienplatzes. Nope. Wo kommt das denn bitte her? Wenn dem so wäre, müssten wir die Anzahl der Abiturienten auf die verfügbaren Studienplätze beschränken und gegebenenfalls die Hürden für das Abi hochziehen.

Ganz toll fand ich auch diesen Satz:

Trotz der zentralen Organisation der SfH müssten sich die Bewerber mit den Anforderungen von Dutzenden Unis vertraut machen.

Hoffentlich sind später die Bewerbungen normiert, so dass man sich nicht auf verschiedene mögliche Arbeitgeber einstellen muss.

Gleichwohl – der starke Anstieg des NCs in vielen Fächern sehe ich auch kritisch. Ich wünsche mir eigentlich ein anderes System: Macht die Tore der Uni weit auf. Veranstaltet die Hölle auf Erden in den ersten Semestern – und nicht wie bei Jura am Schluss der Veranstaltung. Eine hohe Anzahl von Bewerbern muss durch kräftiges Aussieben in dem jeweiligen Fach auf das rechte Maß der vorhandenen Plätze zurechtgerückt werden. Da hat jeder eine Chance, sich in seinem Wunschfach zu versuchen. Und wer früh ausgesiebt wird, hat es versucht und eine faire Chance, auf etwas anderes und neues. Das menschliche Elend von Menschen, die mit Anfang 30 ihren zweiten oder dritten erfolglosen Examensversuch hatten und dann mit Abi und Füherschein dastehen oder die mit Ende 20 endlich anfangen dürfen, Medizin zu studieren und dann feststellen, dass sie das Physikum doch nicht packen – das wüsste ich gerne verhindert.

 

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Oktober 4

Gemeindestammtisch im CafeJ!

Der Stammtisch im CafeJ findet statt und geöffnet wird von Bettina Klinkmann vom Sonnenhaus. Ich werde es leider erst gegen 20/21 Uhr schaffen. Bettina kann nicht so lange, wenn also jemand von den „üblichen Verdächtigen“ Bettina ablösen könnte, wäre das prima.

Interessante Themen mit Bundestagswahl & Co. gibt es ja wieder reichlich..

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Oktober 2

Keine Antwort ist auch eine Antwort

Du willst wissen, was unsere Geheimdienste so treiben? Und was das mit dem Staats-Trojaner so auf sich hat? Na, glaube doch nicht, die Schlapphut-Fraktion hat es nötig zu antworten. Auf eine Anfrage an die (ehemalige) Bundesregierung zu dem Thema kam jetzt eine „Antwort„:

Es wird auf die Vorbemerkung sowie den als Verschlusssache mit dem Einstufungsgrad „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuften Antwortteil gemäß der Vorbemerkung der Bundesregierung  verwiesen.

Die Vorbemerkung sagt, dass sie nichts sagen.

Ich stehe ja auf juristische Winkelzüge. Hier ist so einer: Es gibt nämlich gar keinen Staats-Trojaner. Wie jetzt?

Als „Trojaner“ werden in der Informationstechnik in der Regel Schadprogramme bezeichnet, die widerrechtlich auf informationstechnischen Systemen ausgeführt werden und zumeist als nützliche  Anwendung getarnt sind, im Hintergrund aber ohne Wissen des Anwenders eine andere Funktion erfüllen.

Das BKA setzt deshalb keine „Trojaner“ ein, sondern kann im Rahmen seiner gesetzlichen Befugnisse bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen Software zur Quellen-Telekommunikationsüberwachung oder/und Online-Durchsuchung einsetzen, welche engen rechtsstaatlichen Anforderungen genügt. Bei dieser Software handelt es sich insbesondere um keine „Schadsoftware“.

Na dann können wir uns ja wieder beruhigt schlafen legen.

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September 29

Schock schwere Not im Strafrecht

Du bist konservativ und hast eine erektile Dysfunktion? Hier habe ich etwas für Dich! Bevor Du auf den Link klickst, Creme bereit legen.

Fast 80 Vorsitzende Strafrichter aus allen Oberlandesgerichtsbezirken haben auf dem zweiten bundesweiten Strafkammertag, der am 26.09.2017 in Würzburg unter dem Motto „Gerechter Strafprozess braucht gute Gesetze“ stattfand, Gesetzesvorschläge erarbeitet, die das Strafverfahren effektiver und praxistauglicher machen sollen.

Liebe Richter – Orwell wäre stolz auf Euch! Danke, dass Ihr sein Buch gelesen habt, danke, dass Ihr Euch beim Untertitel „Roman“ verlesen habt und „Betriebsleitung“ gelesen habt.

Beweisanträge und Revisionen erschweren, trotz Befangenheitsantrag kann man erstmal weitermachen – diese Anwaltschaft ist teilweise auch lästig wie Schmeißfliegen. König Friedrich Wilhelm I. hat deswegen die Robe bei Anwälten angeordnet…

Klare, straffe Prozesse und mehr Vertrauen in die Richterschaft, dass diese fehlerfrei arbeitet und alles wird gut. Wenn das von der Politik so umgesetzt wird, können unsere Politiker ihre Fortbildung über Verfassungsrecht demnächst in Polen machen.

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