April 28

Fortsetzung von Orwell

Nun lebt George Orwell ja leider nicht mehr und sein Werk kann dadurch nicht mehr fortgeführt werden. Könnte man meinen. China hat sich dankenswerterweise dieser Rolle angenommen und als „Big Brother“ ein neues Kapitel aufgeschlagen. So sind jetzt muslimische Vornamen verboten worden. Neusprech 3.0. Das soll Terror und religiösen Fanatismus verhindern. Schleier und lange Bärte sind da schon länger verboten. Um Sachen aus Amerika zu übernehmen, braucht es ja gefühlt immer so circa zehn Jahre. Mal schauen, wann eine solche Forderung hier aufkommt und wer sich zuerst entblödet.

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April 27

Unvereinbarkeit

Die KNA hatte zum AfD-Parteitag folgendes gemeldet:

Ähnlich äußerte sich Bundesvorstandsmitglied Armin Paul Hampel. Er begründete dabei seinen Ruf nach Abschaffung der Kirchensteuer auch mit mangelnder Rechtstreue der Kirchen, was sich beispielsweise an der Gewährung von Kirchenasyl zeige. Unter dem Beifall der Delegierten rief er zum Kirchenaustritt auf: „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein.“

Das ich mit der AfD mal einer Meinung sein sollte. Ja, wer bei der AfD Mitglied ist, hat bei den Kirchen nichts zu suchen. Ein menschenverachtendes Weltbild ist inkompatibel zum christlichen Glauben.

Ach und was die mangelnde Rechtstreue angeht – ja, die Kirchen entnehmen ihre Programmatik der Heiligen Schrift, nicht dem AfD-Parteipgrogramm. Führerhörigkeit ist halt nicht unser Ding.

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April 23

Was machst Du gegen diese Zukunft?

Ich schaue gerade den Film A World Beyond (gibt es auf Netflix). Netter Film, kann man schauen, mit Kindern sollte man ihn schauen. Da gibt es eine Szene, die mich faszinierte. Ein Lehrer stellt bekannte Dysoptien vor (1984, Fahrenheit 451, Schöne Neue Welt etc. – naja, inzwischen wohl teilweise eher Reportagen). „Früher reine Fiktionen, aber das Weltgeschehen holt diese ein.“ Eine Schülerin meldet sich und sagt„kriegen wir es wieder hin?“ „Was?“, fragt der Lehrer verständnislos. „Verstanden. Es wird alles ziehmlich beschissen. Aber was unternehmen wir dagegen?“ Der Lehrer ist sprachlos, ihn rettet das Klingelzeichen.

Das ist wirklich die spannende Frage. Was tun wir als Gesellschaft und vor allem wir als Einzelperson dafür, damit die Zukunft besser als die Gegenwart wird?

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April 21

Unverständliches Kloster

Auch in einem säkularisierten Kloster in Bayern würde ich erwarten, dass Ausstellungen nicht erklärten Gegnern der Kirche zur Verfügung gestellt werden. Es gibt ja nun wahrlich genug rein weltliche Ausstellungsräume, in denen ein Künstler wie Janosch präsentiert werden kann. Sprich – ich bin nicht gegen seine Ausstellung, aber bitte nicht an einem solchen Ort.

Wer um alles in der Welt hat die Ausstellung Janosch radiert in das Kloster Seeon, eine ehemalige Benediktinerabtei geholt? Janosch – ja genau, Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. Ich muss das Fenster öffnen. Es riecht auf einmal so nach Schwefel..

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April 20

Die Bundesdatensammerlerin hat gesprochen

Das muss man sich mal ganz genüsslich, wie einen Schluck alten Rotwein, auf der Zunge zergehen lassen:

Rund 6000 Kameras bundesweit überwachen demnach mehr als 80 Prozent der Fahrgäste in den Bahnhöfen.

Es ist also kaum möglich, ohne staatliche Überwachung öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Mir war ja schon klar, dass die Automobilindustrie gefördert wird – aber auf diesem Wege? Na, da denkt sich unsere oberste Datensammlerinschützerin doch gleich, „die anderen 20 Prozent kriegen wir auch noch. Und gleich noch viel besser ausgewertet.“ Deswegen ist das Modellprojekt am Berliner S-Bahn Südkreuz mit Gesichtserkennung auch kein Problem. Klar, machen ja auch Freiwillige mit (und Unfreiwillige, die die Markierungen nicht erkennen oder nicht umlaufen wollen). Was waren das noch für Zeiten, in denen man nicht in alles einwilligen konnte.

Und wieder im Chor:

1984 wasn’t a manual.

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April 19

Beißreflexe beim G*-Wort

Es gibt ja Dinge, die als Fördermaßnahme der Popcorn-Industrie eine sichere Bank sind. Dazu gehört auch der Begriff Gender. Die ideologische Überladung übertrifft inzwischen jegliche Bildungsdiskussion. Auch der Heilige Vater hat sich da (leider) darauf eingeschossen, wo ich mir mehr Differenzierung wünschte.

Aber es gibt durchaus auch erklärende und beruhigende (nicht einlullende!) Stimmen, die etwas Licht ins Dunkel bringen – also eine dringende Leseempfehlung für diesen gut geschriebenen Beitrag.

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April 17

Türkeibeitritt

Kaum hat die Türkei gewählt – inwieweit von Wahl gesprochen werden kann sei dahingestellt – kommt die Frage nach einem Ende der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei hoch. Für mich klingt die Frage schon länger verlogen – glaubt da noch ernsthaft jemand? Wäre es nicht schon vor 20 Jahren ehrlich gewesen, zu sagen, dass das nichts wird? Ich würde mir an der Stelle der Türkei auch verarscht vorkommen, wenn ich sehe, welche Staaten da an mir vorbei gezogen sind. Ich glaube, dass das unser Anteil an der jetzigen Entwicklung in der Türkei ist (natürlich gibt es da noch eine Reihe anderer Komponenten).

Unabhängig dessen war ich in der Vergangenheit ein Gegner eines möglichen Türkeibeitritts. Die Islam-Argumente gehen mir dabei deutlich gegen den Strich. Ich habe ein anderes Problem – das Land ist zu groß. Wir hatten eine Machtbalance zwischen Frankreich, Deutschland und Groß Britannien. Wie empfindlich diese ist beziehungsweise war, haben wir bereits vor dem Brexit sehen können. Käme jetzt ein Land rein, dass von der Bevölkerungszahl her Deutschland gleich käme, stellte es berechtigterweise entsprechende Machtansprüche. Dafür ist die EU meines Erachtens schlichtweg nicht bereit. Und ich sehe aktuell nicht, dass sie das in naher Zukunft wird. Und so lange steht für mich die Türkei nicht zur Debatte, Verfassungsänderung hin oder her.

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April 16

Rehabilitierung

Als die Kirche sich für das Unrecht entschuldigte, welches in ihrem Namen begangen wurde, hatte das seine Berechtigung. Diese Körperschaft wirkte fort und wir rühmen uns gerade auch der Tradition. Das kann dann nur im Guten wie im Schlechten gelten.

Wenn sich jetzt die Linke in einer Brandenburger Kleinstadt hinstellt und eine vermeintliche Rehabilitation postuliert, wirkt das für mich wie ein Possenspiel. Genau das, was man der Kirche gerne vorwirft, trifft da zu: Wasser predigen, Wein trinken. Mit dem Finger auf andere zeigen klappt gut, ihr eigenes Unrecht ernsthaft aufarbeiten, nicht. Da hilft auch das Einseifen von Ramelow nicht. Aber wer weiß, vielleicht tue ich Ihnen da Unrecht und die Italiener entschuldigen sich demnächst für die Besetzung unter den Römern.

Ach so – Geld gibt es natürlich nicht, hat die Linke gleich mal klargestellt. Nicht das da einer der Erben auf Ideen käme.

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April 14

Kardinalsche Vereinfachungsproblematik

Kardinal Marx hat sich gegen vereinfachende Populisten von beiden Seiten ausgesprochen:

Für die einen sind es die Reichen, denen man angeblich problemlos etwas wegnehmen kann, damit es den Armen besser geht. Für die anderen sind es die Flüchtlinge und die Forderung: Wenn man die nicht mehr ins Land lässt, wird alles gut.

Wohl wahr. Das Leben ist nicht einfach, mithin sind es auch die innewohnenden Probleme und die dafür notwendigen Lösungsstrategien nicht. Mich erinnerte der Satz des Kardinals an den Vergleich der politischen Parteien mit einem Hufeisen. Die Parteien sind von rechts nach links auf dem Hufeisen angeordnet. Unten sind die Extremen. Die stehen sich politisch ganz nah, werden aber nie zusammenkommen.

Die Vermögensteuer griff Kardinal Marx dabei auch mal wieder auf. Nach seiner Ansicht eine essentielle Lösungsmöglichkeit für die Ungerechtigkeit der Welt. Wie bei den anderen, die diese Forderung erheben, würde ich dazu gerne mal einen ausformulierten und verfassungskonformen Vorschlag sehen, dessen Verwaltungskosten in einem gesunden Verhältnis zu den Einnahmen stehen. Bis dahin würde ich doch nochmal den Kardinal zitieren:

Die „großen Vereinfacher“ suchten nach einem Schuldigen und einer simplen Lösung […]

Trifft hier wohl auch zu.

 

 

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April 13

Wahlrecht für Türken

Ich las gerade ein interessantes Interview mit Haci-Halil Uslucan. Er ist Professor für Moderne Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen. Es ging um die Türken in Deutschland, Erdogan und die AKP. Dabei forderte er auch ein Kommunalwahlrecht für die hier lebenden Türken:

Was müsste die Politik tun, damit Erdogan die Türken hier nicht erreicht?

Man muss die Türken stärker hier politisch einbinden. Sie müssen in den Kommunen aktiv mitbestimmen können. Dann würde man sie davon abhalten, dass sie sich für eine Politik einsetzen, von deren Folgen sie gar nicht betroffen sind. Das ist ja das Fatale.

Also ein klares Plädoyer für ein kommunales Wahlrecht für Türken bei deutschen Kommunalwahlen?

Sowohl ein Kommunalwahlrecht, eine leichtere Einbürgerung und eine stärkere aktive Einbindung in den politischen Parteien.

Die Forderung nach einem Kommunalwahlrecht für hier lebende Ausländer ist ja nicht neu. Was ich mich dabei gerade gefragt habe – warum Kommunalwahlrecht? Weil die Kommunen nicht so wichtig sind und sie da nix anstellen können? Oder welcher Subtext verbirgt sich dahinter. Wenn ich von aktiver politischer Einbindung spreche, müsste doch generell ein Wahlrecht eingeräumt werden. Das Wahlrecht ist doch nicht mehr oder weniger von der Staatsbürgerschaft entfernt als die Ebene, sprich Bund, Land oder Kommune. Mir geht es jetzt gar nicht um ein generelles für oder wider, sondern ich bin über diese Abstufung gestolpert, die mir nicht so recht einleuchten will.

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