Juli 5

Personalpolitik

Stellt Euch mal vor, der Vorsitzende der Glaubenskongretation hätte unter Papst Benedikt gesagt, das gemeinsame Mahl sei wichtiger als theologische Fragen – deshalb sind Protestanten stets zur Eucharistiefeier eingeladen. Die Auffassung muss man nicht teilen, aber sie ist zumindest so valide, dass sie von vielen Theologen vertreten wird (okay, evangelischen, aber nun wollen wir mal nicht päpstlicher als der Papst sein). Und der Papst Benedikt bleibt bei seiner Linie, der jeweilige Kurienkardinal wiederholt aber seine Aussage beständig. Wir reden also unüberbrückbare Differenzen in ganz grundlegenden Fragen. Was würde man da wohl machen – ja, wie in jedem Unternehmen steht man wenn es gut läuft mit den engsten Vertrauten eng beieinander oder der Vertraute hält sich nach außen zurück.

Spielt man das Spiel mit einem liberaleren Papst und einem konservativem Kurienkardinal durch, dann ist das natürlich alles ganz anders. Da ist das eine „drastische Lösung“. Wisst Ihr noch, welches Tier bei Animal Farm den Spruch an die Scheune malte – manche sind gleicher?

Wer etwas mehr über die Hintergründe erfahren möchte, erfährt hier mehr.

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Juni 23

Presseschludrigkeit

Es ist wie mit vielem, beispielsweise der Bahn – über 90% der Züge kommen pünktlich, im Gedächtnis hängen bleiben nur diejenigen, bei denen es klemmt. Im speziellen geht es mir hier um Presse. Da möchte ich klar vorweg sagen, dass wie bei der Bahn der überwiegende Teil gut läuft. Nichts desto trotz gibt es Dinge, die mir gegen den Strich laufen. Ich will hier mal eine Sammlung starten, keine Ahnung, was daraus wird. Wer über etwas stolpert, kann mir ja gerne den Link zukommen lassen. Zunächst war ich da etwas zurückhaltender, weil ich mit denen, die den Begriff Lügenpresse verwenden, nicht in einer Ecke stehen will. Mir geht es ja auch nicht um „Lügen“, sondern um handwerklich schlechte Arbeit. Vielleicht kann man das mal anmahnen, wenn die Sammlung größer wird. Man selbst liest vielleicht mit so einem Fokus kritischer.. versucht es mal.

Mein erstes Beispiel stammt aus einer Zeitung, die bekannt dafür ist, Kommentar und Nachricht auseinander zu halten. Ein alter Artikel, aber ich jetzt im Rahmen einer Recherche nochmal darauf gestoßen:

  • CCC zieht aus Hamburger Büro aus: Zitiert wird die Pressesprecherin des CCC. Okay, aber wo bleibt ein Interview mit der anderen Seite? Im letzten Absatz wird eine Erklärung mit dem CCC zitiert, wonach die andere Seite (Attraktor e.V.) bisher keine Stellungnahme abgegeben hat. So wie ich den Artikel gelesen habe, hat man es nicht für nötig empfunden, diesen Verein und vor allem auch das Vorstandsmitglied, um das es direkt geht, mal zu befragen. Falls man jemanden in Hamburg hat, fährt man vorbei. Die offenen Tage kann man im Netz nachlesen. Ansonsten schreibt man eine E-Mail oder greift zum Hörer. Wenn man das alles getan hätte und die hätten toten Mann gespielt, hätte man das geschrieben. So klingt es nach mangelnder Recherche. Schwache Leistung schon für einen Kommentar, hierfür sechs setzen.

 

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Juni 16

vermeintlich katholisches Mimimi

Das sind mir ja die liebsten: Keine Probleme zu haben, eine Sau nach der anderen durch das Dorf zu jagen. Okay, aber wer austeilt, sollte auch einstecken können. Anders kath.net – wenn da Gegenwind kommen sitzen sie in der Ecke wie ein kleines Kind und machen Mimimi. Wenn wundert es da, dass polemische Kritik an der AfD als Beispiel für die vermeintliche Seriosität von katholisch.de herangezogen werden. Andere hätten sich gegen den braunen Mob abgegrenzt. Wundert ja nun nicht wirklich.

Mir kommen da Erfahrungen aus der linken Szene hoch. Um so lauter von Toleranz geredet wurde, um so weniger war sie vorhanden. Da war ja teilweise eine CDU-Ortsgruppe weltoffener. Ich habe das Gefühl, dass um so lauter von der wahrhaft katholischen Lehre gesprochen wird… Nun ja, ihr wisst schon.

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Juni 15

Urteile

Da habe ich mich neulich noch über den Bundeslandwirtschaftsminister echauffiert, weil er über ein Verbot des Begriffs „vegane Currywurst“ nachgedacht hat – etwas was veganes könne ja nicht Wurst heißen. Ich musste ja aber jetzt feststellen, dass er sich damit in guter Gesellschaft befindet: Entweder hat die Milchwirtschaft saubere Lobbyarbeit geleistet oder der EuGH hält den durchschnittlichen Verbraucher für einen Vollpfosten. Denn wo Milch draufsteht, muss ein (gequältes?) Tier dahinterstehen. Ich bin kein Veganer, aber wer so bescheuert ist, bei dem Begriff Hafermilch oder Sojayoghurt zu glauben, dass da vorher eine Kuh angezapft wurde, der glaubt auch, dass Kühe lila sind. Und ich lachte noch über amerikanische Urteile. Mea culpa. Mea culpa. Mea maxima culpa.

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Juni 8

Urteile dem Wahnsinn nahe

Was haben wir schon über die amerikanische Justiz gelacht – Schadensersatz wegen heißem Kaffee, unzustellbare Klage an Gott, Schadensersatzklage gegen Tote… Die Kaffee-Klage bekam ich mal in einer (deutschen) Zivilrechtsvorlesung erklärt; danach war durchaus nachvollziehbar. Gleichwie taugt es erstmal als Kalauer. Andererseits stellen sich manche witzigen Geschichten als urbane Legende heraus, so wie die Katze in der Mikrowelle. Aber warum sollte man soweit in die Ferne schweifen – das können wir auch:

Da nimmt jemand an einem Hindernislauf teil. Der Veranstalter warnt sogar noch – Hindernislauf heißt Hindernisse, also laufen Sie bitte vorsichtig. Es kommt, wie es kommen muss: Ein Teilnehmer packt sich auf die Schnauze und bricht sich das Bein. Mein Gedanke – da hat sich wohl das allgemeine Lebensrisiko verwirklicht. Mimimi machen wenn man im Boxring steht heißt ja auch nicht verstanden zu haben, was jetzt passiert. Hier aber: Juhu – Klage auf Schadensersatz. So was kann man sich gar nicht ausdenken. Zivilprozess heißt öffentliche Verhandlung – dass das der Klägerseite nicht einfach mal zu peinlich ist. Nun ja. Im Gegensatz zu den Staaten sind bei uns aber nur die Klagen lustig, die Urteile fangen das (meist) wieder ein:

Auf solche Unebenheiten müsse sich ein Teilnehmer einer solchen Veranstaltung einstellen. Dies war scheinbar auch den weiteren rund 10.000 Teilnehmern möglich, die das Hindernis schadensfrei passierten, wie das Gericht feststellte. Die Veranstalterin hatte zudem mit Warnschildern auf eine „permanente Rutsch- und Ausrutschgefahr“ sowie das Verletzungsrisiko an Hindernissen hingewiesen und ein angepasstes Laufverhalten angeraten. Das Landgericht wies deshalb die Klage ab.

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Mai 20

Handy einkassieren – Grundrechtseingriff

Manche Menschen sind sich echt für nichts zu blöd. Da spielt also so ein Bengel im Unterricht mit dem Handy. Der Lehrer kassiert das ein und will es nur den Eltern herausgeben. Da das an einem Freitag geschah, blieb das Handy über das Wochenende in Verwahrung. Klar, da muss man schwere Geschütze auffahren. Nicht das die Lehrer auch noch für einen reibungslosen Ablauf des Unterrichts Sorge tragen. Das Verwaltungsgericht Berlin ließ die daraus resultierende Klage formell scheitern, konnte aber noch folgendes feststellen:

Schließlich liege in dem Vorgang aber auch kein schwerwiegender Grundrechtseingriff, so das Gericht weiter. Die fehlende Gebrauchsmöglichkeit des Handys über das Wochenende greife nicht in das elterliche Erziehungsrecht ein. Auch wenn der Schüler eigenem Vorbringen zufolge „plötzlich unerreichbar“ gewesen sei, stelle dies keine unzumutbare Beeinträchtigung seiner Grundrechte dar.

Ja, ne, ist klar. Ich kann mir schon vorstellen wie der Antragsteller argumentierte, in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht eingeschränkt worden zu sein. Hei, Du hast den Unterricht gestört und genervt – wie wäre es mit einer Portion Demut und einem „Entschuldigung“?

A propas – die Handys müssen vorher aus. Mal den Homebutton drücken, um zu schauen, ob es wirklich aus ist, kann gefährlich sein – zumindest für Autofahrer.

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Mai 19

Bundesgerichte irren rechtskräftig

Unter Juristen gibt es ja den Witz, wonach Bundesgerichte sich dadurch auszeichnen, dass sie rechtskräftig irren. Das mal so vorab..

Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hatte jüngst über den Fall eines unheilbar kranken Menschen zu entscheiden, der für eine Selbsttötung die Erlaubnis zum Erwerb eines entsprechenden Präparates beantragte. Nachdem diese verweigert wurde, klagte der Ehemann der zwischenzeitlich verstorbenen Dame auf eine entsprechende Feststellung. Das BVerwG hat jetzt die Begründung zu seinem Urteil veröffentlicht. Das Gericht sagt, dass grundsätzlich der Erwerb eines entsprechenden Betäubungsmittels nicht erlaubnisfähig ist. Dies sei ausnahmsweise anders, wenn der Erwerber wegen einer schweren und unheilbaren Erkrankung in einer extremen Notlage befinde. Und dann sagt das Gericht:

Eine extreme Notlage ist gegeben, wenn – erstens – die schwere und unheilbare Erkrankung mit gravierenden körperlichen Leiden, insbesondere starken Schmerzen verbunden ist, die bei dem Betroffenen zu einem unerträglichen Leidensdruck führen und nicht ausreichend gelindert werden können, – zweitens – der Betroffene entscheidungsfähig ist und sich frei und ernsthaft entschieden hat, sein Leben beenden zu wollen und ihm – drittens – eine andere zumutbare Möglichkeit zur Verwirklichung des Sterbewunsches nicht zur Verfügung steht.

Ich will gar nicht die Diskussion anfangen, ob der Mensch das Recht hat, das ihm von Herrn geschenkte Leben zu beenden. Mir geht es um einen anderen Punkt. Das BVerwG hat in seinem Urteil eine weitere Voraussetzung vergessen: Ein Missbrauch muss ausgeschlossen sein.

Missbrauch? Ja, die Möglichkeit eines Missbrauchs, weil es am Ende preiswerter sein wird, die Patienten rechtzeitig „sozialverträglich ableben“ zu lassen. Warum sollte man Palliativstationen fördern? Warum an Mitteln forschen, die Schmerzen verhindern? Warum Sterbenden eine länger als notwendige Begleitung gewähren? Das geht ja alles viel schneller, preiswerter, bequemer. So langer dieser nicht Missbrauch nicht ausgeschlossen werden kann, darf das auch nicht frei gegeben werden. Der kann so nicht ausgeschlossen werden? Nein, wirklich? Tja..

Und freier Wille – das hängt eng damit zusammen. Wer lange genug starke Schmerzen hat, will verständlicherweise irgendwann lieber, dass es vorbei ist, als das er oder sie weiter leiden muss. Kann man da noch frei entscheiden oder ist es nicht vielmehr unsere Aufgabe, diesen Kranken zu helfen? Wer einen solchen Weg gesehen hat, der braucht auch noch gar nicht diese Schmerzen erlitten zu haben. Ich muss nicht erst glühende Eisen selbst gespürt haben, damit mich die Wirkung überzeugt. Und Überzeugungsarbeit sollten wir leisten – das in der Palliativmedizin und in der Sterbebegleitung vieles möglich ist.

Wenn das BVerwG hier mal nicht einiges übersehen hat und damit im Tenor irrt. Rechtskräftig.

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Mai 18

Rocketscience in der Jugendarbeit

Es gibt Dinge, die lassen mich wieder erschüttern und zutiefst bewegen. Dazu zählt, wenn bei Kinder und Jugendlichen vermeidbar ihr Leben nicht leben können. Jeden Tag sterben weltweit über 3.000 Jugendliche – überwiegend an Verkehrsunfällen, Atemwegserkrankungen und Selbstmord. 15- bis 19-jährige Mädchen und junge Frauen versterben meist an den Komplikationen einer Schwangerschaft, Geburt oder unsicherer Abtreibung. Wir schaffen es, weltweiten Güterverkehr und Kommunikation zu unterhalten, zum Mond zu fliegen und Atomfusion zu betreiben, aber wir scheitern daran, Jugendliche aufzuklären, ihnen in schwerer Zeit beizustehen und den Verkehr sicher zu betreiben?

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Mai 17

Freier Wille

Ach das mit dem freien Willen ist ja so ein Ding. Da gibt es ja große Streitigkeiten, ob es den überhaupt wirklich gibt. Wer das ablehnt, muss sich die Frage stellen, ob das Strafrecht so noch lebbar ist. Dieses Fass will ich aber jetzt gar nicht aufmachen, sondern die Frage stellen, wo und wie wir uns frei entscheiden können. Ist es legitim, den Tod zu verlangen, also sollte Sterbehilfe vollständig legal werden? Ach so – bist Du auch gegen die Todesstrafe? Wie verhält es sich dann, wenn ein Angeklagter als Strafmaß die Todesstrafe fordert? Kommt das nicht der Sterbehilfe gleich?

Ob man die Sterbehilfe befürwortet oder nicht, das aus dem Gedanken einer Freiheit über die eigene Person eine medizinische Behandlung ablehnen darf, darüber dürfte bei der Mehrheit Einigkeit bestehen. Das Eltern dies nicht zu Lasten ihres Kindes tun dürfen (Stichwort Verweigerung der Bluttransfusion bei Kindern von Zeugen Jehovas), wohl auch. Aber was, wenn ein Kind jetzt gegen den Willen der Eltern eine Behandlung verweigert? Wenn mein Kind eine Impfung nicht möchte, weil es Angst vor der Spritze hat, okay. Wenn es aber die Chemo ablehnt?

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