August 7

Hilfe – das Internet ist kaputt

Das mag sich erstmal wie der Ausruf eines DAUs anhören, bei dem man nur verzweifelt den Kopf auf den Tisch hauen möchte. Eine mobile Tischkante ist da immer ganz hilfreich. Der IT-Sicherheitsexperte Matthew Mather hat sich aber vielmehr überlegt, wieviel scheinbar Unwahrscheinliches wahrscheinlich zusammen kommen muss, damit das Internet ausfällt. Dabei geht es nicht um technische Details. Vielmehr hat er in dem Roman Cyberstorm das Gedankenexperiment aufgemacht, was wäre wenn. Da wir alle vom Netz der Netze umgeben sind, ist die Dysopie hoch interessant. Was passiert, wenn die Logistik zusammenbricht, das Handynetz sich verabschiedet und Rettungsdienste nicht mehr miteinander kommunizieren können? Einziger Wermutstropfen ist, dass der Roman einen Hollywood-Touch hat. Trotzdem würde ich es für den Sommerurlaub sehr empfehlen. Und falls es richtig heiß wird, ist das Buch ein toller Kontrast – es spielt mitten im Winter.

Während wir über Industrie 4.0 und ähnliches reden sollten wir vielleicht doch mal eine ehrliche und tiefgreifende Technikfolgenabschätzung machen. Vielleicht sollten wir dann doch mal über ein Backup nachdenken – nein, nicht von Software. Sondern von Strukturen, die uns zumindest zeitweise ohne Netz und – Strom! – leben lassen. Nur mal ein – wir haben zwar eine Gas-Zentralheizung. Aber ohne Strom springt da weder der Zündfunke an noch sorgt die Wärmepumpe dafür, dass das warme Wasser auch in die Wohnungen ankommt. Wenn Du den Roman gelesen hast, können wir bei einer Tasse Tee ja mal gemeinsam darüber nachdenken, wie das in Berlin ausschaute. Und wo Prävention nötig und möglich wäre.

 

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April 8

Bevollmächtigte Wahl

In einem Gespräch erfuhr ich diese Woche, dass es in Frankreich möglich ist, jemanden für eine Wahl zu bevollmächtigten. Ich halte mich also französischer Staatsbürger beispielsweise in Berlin auf und gebe meinem in Frankreich wohnendem Vater eine Vollmacht, für mich wählen gehen zu dürfen. Die Gesprächspartnerin sagte, dass sie gefühlt damit ja trotzdem wählen gehe. Von meinem deutschen Rechtsverständnis ist das eine absurde Vorstellung. Aber ich finde es hoch interessant, so etwas von anderen Standpunkten zu durchleuchten. Bei uns wäre das kaum vorstellbar. Aber so denkt man von anderer Seite gegebenenfalls über unsere Rechtsvorstellungen. Wir diskutieren ja schon, ob zum Schutz des Wahlgeheimnisses Kinder in die Wahlkabine dürfen und wie es sich mit körperlich eingeschränkten Personen verhält, denen Dritte bei der Wahl helfen müssen. Und wie war das eigentlich mit geistig behinderten?

Ich war mir da auch nicht mehr ganz sicher, wie das denn so wahr. Dafür ist das Studium dann doch etwas lange her. Also habe ich mal etwas Wissen aufgefrischt.

Kinder dürfen zumindest dann in die Wahlkabine, wenn sie noch nicht lesen und schreiben können. Dann ist das Wahlgeheimnis gewahrt. Andernfalls könnten sie ausplaudern, was derjenige Elternteil gewählt hat. Aber dann sollten sie ja auch schon in einem Alter sein, wo sie mal kurz vor der Wahlkabine warten können.

Körperlich behinderte Personen oder Menschen, die des Lesens und Schreibens nicht mächtig sind, dürfen nach § 33 Abs. 2 Bundeswahlgesetz sich eines Dritten dienen. Blinde haben da schon für eigene Wahlscheine gestritten, haben aber die Möglichkeit Wahlschablonen zu erhalten.

Aufgrund eines Richterspruches kann man von der Wahl ausgeschlossen werden. Das dürfte in der Praxis aufgrund der dafür notwendigen Delikte nicht die große Rolle spielen.

Schwierig ist die Lage bei geistig behinderten Menschen. So ist ausgeschlossen, wer aufgrund einer Straftat im Rahmen der Schulunfähigkeit in ein psychatrisches Krankenhaus eingeliefert wurde. Hannibal Lecter dürfte mithin nicht wählen gehen. Hoch umstritten ist aber, dass auch alle geistig Behinderten ausgeschlossen sind, deren Betreuung alle Angelegenheiten umfasst. Da gibt es sicherlich ein Für und Wider und man könnte darüber trefflich diskutieren.

Wer jetzt ein paar Seiten fundiertes zu lesen möchte, den verweise ich auf eine lesenswerte Publikation des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages.

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März 8

Alternativ gelesen

Aus dem Herder Verlag ist jüngst ein Buch erschienen – AfD, Pegida & Co. Jeder, der mal etwas mehr und tiefer über diesen Themenkomplex nachdenken will, kann ich diesen Band nur wärmstens ans Herz legen. Es handelt sich nicht um das Buch eines Autors oder Autorin, sondern um kurze Beiträge mehrerer Autoren wie Kardinal Woelki, Sternberg oder Püttmann. Nicht nur, dass es sich dadurch leicht lesbar macht, die Vielzahl der Autoren lässt das Thema von unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Der Untertitel „Angriff auf die Religion“ ist sicherlich dem Verlag geschuldet. Hier geht es überwiegend um mehr, als um einen Konflikt zwischen AfD und Religion.

Dringende Leseempfehlung für alle, die näher in das Thema eintauchen wollen!

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März 2

Kehrseite der Dienstleistungsgesellschaft

Im Pastoralblatt für die Diözesen Berlin und andere las ich jetzt einen Aufsatz von Reiner Nieswandt „Abscheid vom Konsumchristentum“. Drei bemerkenswerte DIN-A-5-Seiten. Er zitiert anfangs Ivan Illich, welcher schon vor vier Jahrzehnten auf die Probleme der Dienstleistungsgesellschaft hingewiesen habe: So wie Schulen Bildung und Medizin Heilung versprechen, so wird in der Kehrseite der Mensch unmündig, ja passiv. Es wird nicht das Notwendige gelernt (wobei man sich trefflich darüber streiten kann, was das denn sei) und statt auf bewährte und preiswerte Volksmedizin zurückzugreifen, werde man von Fachleuten diskriminiert.

Ja, das mag in Teilbereichen durchaus so sein. Eine interessante Analyse. Ich würde dem ja noch entgegen setzen, dass dies viel mit der zunehmenden Spezialisierung zu tun habe. Nichtsdestotrotz ist die daraus resultierende Passivität diesem Wandel mit geschuldet. Denn wo Dienstleistung existiert, gibt es auch Konsumenten. Und im Gemeindealltag kann man immer wieder beobachten, wie eine Konsumentenhaltung in Bereichen aufkommt, wo sie keinen Platz hat. Die katholische Kirche hat mit dem Tridentinischen Konzil gleichsam aber auch den Grundstein dafür gelegt. Vielleicht müssen wir da nach fast 500 Jahren trotz II. Vatikanums nochmal einen Schritt zurücktreten. In den Worten des zitierten Autors:

Eine Kirche der nächsten Zukunft wird darauf verzichten, ihre Glieder gegenseitig zu überhöhen oder zu erniedrigen. Vielmehr werden sich Kleriker und Laien, kirchliche Angestellte und ehrenamtliche Engagierte, sowie die vielen Suchenden oder passiv Erscheinenden auf Augenhöhe begegnen, um die spezifischen Charismen der bzw. des Anderen zu entdecken. Dies bedeutet den gewiss schmerzlichen Abschied vom „betreuten Christentum“.

 

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Dezember 29

Logik

Sensationell und unbedingt lesenswert: Selbst wenn weder Fan von Comics noch ein Freund der Philosophie oder der Mathematik ist, sollte man sich unbedingt auf dieses Experiment einlassen. Doxiadis und Papadimitriou haben in einem umfangreichen Comicband Logicomix: Eine epische Suche nach der Wahrheit versucht, die Geschichte der Logik zu erklären. So kann man sanft in ein neues Gebiet eintauchen, zwischendurch grübeln und weiterschwimmen. Schöne Zeichnungen verpacken perfekt eine Geschichte. Der Anhang gibt dazu noch weitere Hintergrundinfos – und warum uns diese Überlegungen im Hier und Jetzt beeinflussen. Wenn Du Dir selbst was gutes tun willst – bestellen und lesen. Perfekt auch zum Verschenke für alle ab 14 Jahren.

Zum Stöbern gibt es sogar eine Homepage von denen.

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Dezember 28

Lesen

Jetzt habe ich zwar gerade etwas über ein gelesenes Buch geschrieben, aber ich will – auch für mich selbst – wieder mehr über die Bücher schreiben, die ich so lese. Leider gleich der nächste Verriss. Zum Glück hatte ich das Buch aus der Bibliothek. So kostete es kein Geld, aber meine Lebenszeit. Das würde ich anderen gerne ersparen. Es geht um Einführung in die biblische Seelsorge von Eberhard Platte, erschienen in der Christlichen Verlagsgesellschaft.

Platte kritisiert die Professionalisierung des Ehrenamts, insbesondere in der Seelsorge. Das ist natürlich schon ein lustiger Widerspruch, wenn man wie er Seminare gibt und Bücher schreibt. Klingt für mich so nach – Ihr seid alle besser, wenn Ihr nichts dazu lernt, außer bei mir (und bei mir dafür bezahlt). Passt gar nicht. Intuition wäre ein Argument, kommt aber nicht so richtig.

Vielmehr wird die sich in der Seelsorge scheinbar ausbreitende psychotherapeutische Ausrichtung kritisiert. Das kann man sicherlich tun. Aber hier geht es in die Richtung – Gebet für Heilung und Hirtenschaft ist gut, alles andere ist schlecht. Erst recht ein schulmedizinischer Ansatz. Ganz schlecht, wenn Christen versuchen, dass zu verbinden. Puh. Driftet mir in einen fast fanatischen Bereich ab. Wie auch im sonstigen medizinischen Bereich sind das für mich keine ausschließenden, sondern ergänzende Dinge. Wer den Mensch nur als biochemisches Konstrukt ansieht, sieht eine leere Hülle, wer sich jedweder Naturwissenschaft verschließt, einen leeren Verstand.

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Dezember 27

Digitale Demenz III

Ich hatte ja schon hier und hier über das Buch Digital Demenz von Manfred Spitzer berichtet. Um Wiederholungen zu vermeiden, verweise ich auf die vorherigen Blogbeiträge. Aber ich will nach dem Ende der Lektüre noch einen Schlusssatz schreiben: Es ist leider nicht besser geworden. Mir fällt dazu nur ein – keiner ist unnütz, er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen. Hier wird nichts untersucht, sondern auf Bild-Niveau eine Meinung zementiert. Sehr schade, das Thema hätte eine vertiefende Auseinandersetzung verdient gehabt.

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November 27

Digitale Demenz II

Ich hatte ja schon angefangen, mich über Manfred Spitzer und sein Buch Digitale Demenz auszulassen. Als quasi Zwischenstand etwas zum Inhalt aus dem Kapitel „Oberflächlich: Digitale Medien verringern die Verarbeitungstiefe“ (Kursivschrift ebenso im Original):

Je oberflächlicher ich einen Sachverhalt behandle, desto weniger Synapsen werden im Gehirn aktiviert, mit der Folge, dass weniger gelernt wird. Diese Einsicht ist deswegen so wichtig, weil sich digitale Medien und das Internet genau aus diesem Grund negativ auf das Lernen auswirken müssen. Zum einen führen sie – das ist mittlerweile ein Allgemeinplatz – zu mehr Oberflächlichkeit, was man schon rein sprachlich an den Begriffen der Nutzung ablesen kann: Früher wurden Texte gelesen, heute werden sie geskimt, d.h. oberflächlich abgeschöpft. Früher wurde in die Materie eingedrungen, heute wird stattdessen im Netz gesurft (also über Inhalte geleitet).

Ah ja. Also von „Allgemeinplatz“ würde ich da nicht sprechen wollen. Das ist eine blanke Behauptung und ich lese das Buch für substantielle Gründe. Der Begriff „geskimt“ kannte ich bis jetzt nur in einem anderen Zusammenhang. Aber gut, mag es auch hier geben. In meinem Umfeld werden auch Internetinhalte „gelesen“. Der Vergleich mit dem Surfen ist finde ich arg dünn. Aufgrund der schnelleren Zugriffsmöglichkeit dank juristischer Datenbanken habe ich nicht das Empfinden, dass da ein mehr an Oberflächlichkeit eingetreten ist. Aber hei, was weiß ich schon. Hoffentlich kommen in dem Buch noch valide Erkenntnisse, die mit Studien belegt sind. Das ist ja bis jetzt Gala-Niveau.

Dies ist keine graue Theorie, wie die in der Folge diskutierten Erfahrungen mit der digitalen Technik in Kindergärten und Schulen zeigen werden. Wenn ich auf einem berührungsempfindlichen Smartboard ein Wort mit der Hand von A nach B ziehe (es also nur an einen anderen Ort des Bildschirms bewege), dann ist dies so ziemlich das Oberflächlichste, was ich mit einem Wort machen kann – noch oberflächlicher, weil mit noch weniger Bewegung verbunden, wäre nur noch Copy and Paste per Mausklick.

Ein paar Seiten später zeigt ein Bild was gemeint ist. Silben wie „ess“, „glück“, „sport“ und „lauf“ in der ersten Spalte, in der zweiten Spalte Silben wie „en“ und „lich“. Die kann man zusammen setzen. Das ganze halt auf einem Smartboard. Ich kenne das auf Karteikarten, die eine Lehrerin mit Nadeln an eine Korkwand gepinnt hat. Ob das jetzt pädagogisch wertvoll ist oder nicht, kann und will ich nicht beurteilen. Ich bin kein Pädagoge. Aber den Unterschied zwischen den Karteikarten und dem Smartboard kann ich an diesem Beispiel nicht erkennen. Mag die Methode schlecht sein, okay, aber dann liegt es hier nicht an dem Smartboard.

Bis jetzt habe ich ja das Gefühl, dass die Oberflächlichkeit eher in diesem Papier-Buch als im Netz zu finden ist. Aber ich hoffe noch auf Besserung.

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November 25

Digitale Demenz

Ich habe gerade Digitale Demenz von Manfred Spitzer angefangen. Er hat in Psychologie mit Diplom abgeschlossen, in Medizin und Philosphie mit Promotion und wurde in Psychatrie habilitiert. Wissenschaftliche Referenz genug. Ich sah ihn in einer Sendung, in der er schon fast wutentbrannt gegen den Kontakt von Kindern mit digitalen Medien wetterte. Als alter Nerd finde ich den Einsatz von Technik gut, stehe dem aber auch nicht unkritisch gegenüber. Kinder brauchen eher einen Baum auf den sie klettern, als ein Pad an dem sie spielen. Mit dem Argument, dass ein digitaler Umgang mit Medien wichtig sei, setzen wir auch keinen zehnjährigen ins Auto, damit er lernt, besser im Straßenverkehr zurechtzukommen. Aber trotzdem muss das Thema vermittelt werden. Ich halte Programmieren für Mathe 2.0 und den Umgang mit digitalen Medien für elementar. Die Frage ist für mich nur wann und wie. Um mir meine Meinung etwas fundierter bilden zu können, schnappte ich mir dieses Buch. Vielleicht lassen medizinische Erkenntnisse da ganz neue Sichtweisen entstehen.

Ein dicker Katalog an Literaturverzeichnis lässt wissenschaftliches Arbeiten vermuten. Da es zweite Buch eines „Monothematiker“ ist (jemand, der sich nur einem Thema widmet und da zur Starrheit neigt), bin ich da gerade etwas skeptisch.

Zum Inhalt blogge ich später etwas. Was mir aber vorher schon in die Hände fiel.. In der Einführung „Macht uns Google dumm?“ wird als Beispiel für verfehlte Entwicklungen das Pedoskop herangezogen. Das waren Röntgengeräte, die in Schuhgeschäften zum Einsatz kamen. Aua. Zitiert werden zwei Medizinhistoriker – Duffin und Hayter. Diese werden in den Fußnoten 10 und 11 zitiert. Die Fußnoten sagten 10: Duffin und Hayter 1980 und 11: Duffin und Hayter 2000. Als Jurist habe ich ja eine Abneigung gegen die Harvard Notation, hier zeigt sich mal wieder warum. Im Literaturverzeichnis findet sich nur ein Duffin und Hayter 2000. 1980 Fehlanzeige. Hätteste mal eine anständige Literaturverwaltung benutzt, dachte ich mir so, statt nur über EDV abzulästern, wäre Dir das nicht passiert. Klappt sogar schon unter LaTeX bestens. Und hätteste mal nicht nach Harvard-Stil zitiert, hätten wir jetzt einen Titel, dann könnten wir die Quelle leichter finden. Aber gut, vielleicht ein Zufallstreffer, Fehler passieren.

Im Kapitel „Oberflächlich: Digitale Medien verringern die Verarbeitungstiefe“ wird Noam Chomsky mit dem Satz zitiert:

In einem Tweet oder Internetbeitrag kann man nicht viel sagen. Das führt mit Notwendigkeit zu mehr Oberflächlichkeit.

Bei Twitter würde ich sagen – ja, das ist systemimmanent. Da müssen die Sachen kurz und knapp auf den Punkt gebracht werden. Aber Internetbeiträge? Schaue ich also in die Fußnote 4 nach, werde hinten (nun ja Endnoten, nicht Fußnoten) auf Chomsky 2012, S. 29 geleitet. Das Literaturverzeichnis sagt – The univesal man. News Scientist 213 (2856; 17. 3. 2012): 28-29. Okay, über die Uni komme ich zumindest Online scheinbar nicht daran. Aber aus Neugier über den Autor blätter ich so ein wenig rum. Und stoße auf seine eigene Seite mit seiner Bibliographie. Entweder weiß Chomsky nicht mehr, was er alles schrieb oder es ist der zweite Zitatfehler. Denn in seiner Bibliographie kann ich zumindest diesen Aufsatz nicht finden.

Für mich dienen Fußnoten in wissenschaftlichen Texten primär der Angabe von Quellen. Okay, da können weiterführende Angaben drin sein, die im laufenden Text stören. Aber erstmal impliziere ich damit eine Quelle. Vielleicht bin ich mit dieser Ansicht alleine. Aber ich schlage nicht jede Fußnote nach (erst Recht nicht Endnote), sondern für mich fühlt sich das so an wie – hei, das hat sich nicht der Autor ausgedacht, sondern dahinter steckt eine Quelle. Anführungsstriche gibt es nur bei wörtlichen Zitaten und jedenfalls in juristischen Texten lernte, die eher zu meiden. Stattdessen formuliert man die mit eigenen Worten und zeigt durch die Fußnote und Quelle an, dass man sich der Idee einer oder eines anderen bediente. Kapitel „Ein Laptop für jeden Schüler“

Im Internet wird mehr gelogen und betrogen als in der wahren Welt, und man benimmt sich dort auch öfter daneben.

Uh, dachte ich mir. Wer hat das denn bitte wie rausbekommen? Auf die Studie bin ich gespannt. Blätter, blätter, Fußnote 10:

Dies wird in den folgenden Kapiteln noch dargelegt.

Ne Herr Prof. Dr. Dr. Spitzer. So wird das nichts mit uns beiden. Nun gut, ich bin tapfer und werde noch weiterlesen. Hoffentlich wird es besser.

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November 21

Bildungspanik

Ich habe gerade Bildungspanik – Was unsere Gesellschaft spaltet von Heinz Bude gelesen. Zu dem Buch kam ich, da ich einen Vortrag von Heinz Bude sah. Und der war sensationell. Noch während des Vortrages recherchierte ich, was er so veröffentlicht hat und bestellte ein Buch. Jenes. Mit rund 140 Seiten lässt sich das flott durchlesen, zumal der Schreibstil gut ist.

Heinz Bude ist Soziologe und hat einen Lehrstuhl für Makrosoziologie inne. Wer mal die Gelegenheit hat, ihn live zu erleben, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Zurück zum Buch. Das lohnt sich für jeden, der sich für die Beziehung von Bildung und Gesellschaft interessiert. Da kann sich bestimmt jeder den einen oder anderen Denkansatz holen. Da es ein recht schmales Heft ist, kriegt man das auch mal schnell zwischendurch durchgelesen. Als Beispiel, was mir neu war: Japan und Südkorea werden auf den Thron ob ihres guten Abschneidens bei PISA gehoben. Eine Begründung ist das dortige Gesamtschulmodell. Was bei dieser Begründung aber vergessen wird – die Schule ist dort ist vergleichsweise soft. Die Siebung findet bei den Aufnahmeprüfungen zu den Universitäten statt. Damit die Schüler diese Aufnahmeprüfungen gut bestehen, gibt es ein breites Netz an privaten Schulen, die die Schüler alles eintrichtern. Die harte Zeit haben sie damit in den privaten Schulen, die Schule selbst ist eher der Ort zum Verschnaufen. Da diese privaten Schulen selbst finanziert werden müssen, drängt sich die Frage nach der Bildungsgerechtigkeit auf. Das zeigt ganz gut, wie wenig die Situation als Argument für eine bestimmte Schulform eignet. Und umso mehr, wie wichtig es ist, bei solchen Vergleichen einen Blick für das Ganze zu haben.

Im Ergebnis – wer sich dem Thema Bildungschancen und -gerechtigkeit ein wenig tiefer widmen – ein Zeitungsartikel zu wenig, aber ein Fachbuch zuviel ist – ist mit dem Buch gut beraten.

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