Pfeiffer - eine PfeifeDa waren sich ja die meisten Medien einig - wer Schuld ist und wo die Gründe zu suchen sind: Wenn Christian Pfeiffer der Vertrag von der Deutschen Bischofskonferenz aufgekündigt wird, kann es nur um eine Fortsetzung der Vertuschun durch die Kirche gehen. Nun ist bei Konflikten selten einer alleine schuld, sondern jeder hat sein Päckchen zu tragen. Die Bestellung Pfeiffer erinnert mich an die Berufung Wowereits, Platzeks oder Steinbrücks. Da wird nicht nach Fähigkeit ausgewählt, sondern nach Publicity. Vielleicht hätte es der Kirche gut getan, sich auf die Qualifikation als Wissenschaftler zu konzentrieren und nicht danach, ob jeder den Namen kennt. Pfeiffer hat jetzt der Zeit ein Interview gegeben Pfeiffer beklagt sich darüber, dass ihm die Vorschriften zur Vernichtung der Akten in der Kirche vor Vertragsabschluss nicht vorgelegt wurden. Okay, der Volljurist Pfeiffer kam also nicht auf die Idee, dass Akten auch in der Kirche nach einem geordneten Verfahren vernichtet werden. Pling - Überraschung! Das es ein traditiertes Recht in der Kirche gibt, ist bis zu ihm vorgedrungen. Wir greifen also einen Millionenetat ab, haben es aber nicht nötig, sich vorzubereiten. Hauptsache der eigene Name taucht wieder in den Überschriften auf. Pfeiffer bleibt sich selbst treu - Forschungsergebnisse sind klar und werden verkündet, obwohl die Forschung nicht abgeschlossen wurde. Beständig redet er von „Wissenschaft“, wissenschaftlich ist das nicht. Schweigepflicht, Demut, Schritt zurück treten - Fehlanzeige. Und da liegt der größte Fehler der Bischofskonferenz - wenn ich eine Rampensau engagiere, sollte vorher klar sein, was hinten bei raus kommt. Pfeiffer zu engagieren war kein Zeichen von ernst gemeinter Aufklärung, sondern spricht für eine PR-Aktion, die vorhersehbar aus dem Ruder lief. Schade. Das Thema hätte mehr Tiefgang verdient. |
So kamen sie einst daherEine neue Schülerkatechese steht etwas unerwartet, also seit heute Morgen, an... gleich am kommenden Sonntag zum Thema „Die drei Weisen aus dem Morgenland“. Nun schwirren mir den ganzen Tag schon Gedanken im Kopf herum, was ich mit den Kids so mache. Erster Impuls - Ecos Baudolino. Okay Umberto Eco gehört ganz klar zu meinen Lieblingsautoren. Aber der ist sicherlich nicht kindertauglich (und stünde bestimmt im Schrank der Bücher des Index Librorum Prohibitorum. Ne, ne, das gibt nur wieder Diskussionen ;) ) Worum ging es da noch einmal? Ach ja, die Reliquien der Heiligen Drei Könige werden irgendwie nach Köln geschmuggelt. Die echten Reliquien? Zweiter Impuls - Der Evanglist Matthäus (Mt 2) berichtet von Drei Sterndeutern / Weisen. Okay, die berühmten Namen Caspar, Balthasar und Melchior tauchen da nicht auf. Und bei den später auftauchenden Namen waren sich die syrische und römische Kirche nicht ganz klar. Auch für die Frage, ob es zwei oder drei Sterndeuter waren, fand sich erst später eine Mehrheit. Und irgendwie war da was mit dem mittelalterlichen Glauben, die Welt bestünde aus drei Kontinenten - da passten drei Könige ganz gut. Okay, an dem Punkt könnte man updaten upgraden. Dritter Impuls - Die Sternsinger malen auf die Haustüren C+M+B. Was liegt näher, als dass das eine Abkürzung für die Vornamen steht. Quatsch, das steht für christus mansionem benedicat, also Christus segne dieses Haus. Vierter Impuls - doch nochmal zu Eco - wie ist denn das jetzt mit den Reliquien im Kölner Dom? Immerhin ein Geschenk des Königs Barbarossa... Fünfter Impuls - und wie war das jetzt mit den Geschenken? Könnte ein Schwenk zu Jesaja werden. Ne, eher was für eine eigene Veranstaltung. Oder ob es für einen Schwenk in den Psalter reicht? Der ist unzweifelhaft ein Geschenk. Sechster Impuls - bei vielen Familien ist dann Schluss mit Christbaum & Co. (auch bei uns). Das Stundenbuch wechselt aber erst zum 11./12. Januar. Muss ich selbst erst mal rauskriegen, warum das so ist. Erstaunlich, sagt das Grüffeltier. Bietet auch Anlass für einen Abstecher in das Kirchenjahr und in die liturgischen Farben (der lila Stola hängt jetzt erst mal wieder für eine Weile im Schrank). Siebter Impuls - Hach, welch Zahl, muss ich doch gleich wieder an Eco denken (diesmal an das Foucaultsche Pendel). Ich glaube, ich werde diesmal ein wenig den Schwerpunkt auf dem Aufräumen von so manch beliebten Irrtümern legen. Vielleicht finde ich ja noch so ein paar, die in das Thema passen... Witz - DankeIch habe heute Abend von einem Mandanten ein Buch geschenkt bekommen - Hans Werner Wüst - „...und wenn wir nur alle gesund sind!“ mit dem Untertitel „jüdische Witze“. Meinem Empfinden ist ja der tiefsinnigste Humor der jüdische. Das Geschenk war selten passend. Den geneigten Leser will ich an einer Kostprobe teilhaben lassen: Ein evangelischer Pfarrer, ein katholischer Priester und ein Rabbiner streiten sich über Glaubensfragen. Schließlich sagt der Rabbiner: „Hören wir doch auf zu streiten, schließlich dienen wir alle demselben Herren - ihr auf eure Weise und ich auf seine Weise.“ Danke Knut für das Buch :) Just my 2 Cents - und die Tür bleibt wo sie istDie Vorbereitungen für morgen sind erst einmal fertig. Es kommt der gewagte Sprung vom Heiligsten (Thema morgen ist Eucharistie) zu einer Klotür. Das hat zwar mit dem täglichen Glauben nichts zu tun. Aber muss mal raus.
Eine Klotür in der c-base ist das Corpus delicti. Sie ist hier einsehbar. Es handelt sich um eine Manga-Zeichnung, die eine Comic-Zeichnerin (sic!) auf der Innentür einer Damentoilette vor etlichen Jahren anfertigte. Da ich nicht gepflege, auf Damentoiletten zu gehen, blieb mir dieses Werk bis vor wenigen Wochen unbekannt. Die Diskussion kochte hoch, also beschloss ich mit einem Freund, einen Vor-Ort-Termin wahrzunehmen.
Die Sache kurz gefasst: Die Zeichnung wurde als „Rapeculture“ gebrandtmarkt und sollte entfernt werden. Das entsprechende Gremium tagte. Entscheidung: Da die Bedürfnisanstalt für Frauen im Regelfall nur von Frauen besucht wird, mögen diese sich bitte darum kümmern und das in ihrem Sinne gestalten. Nun hatte die Mehrheit der Frauen aber wie im vergangenen Jahrzehnt mit der Zeichnung kein Problem und es passierte - nichts. Okay, „die da“ reagieren nicht und haben es nicht kapiert. Zweiter Anlauf, nächster circle. Der tagte und es fand sich eine Mehrheit beiderlei Geschlechts: ist Kunst, damit frei, gefällt uns - bleibt. Nun kann ich ja als Anwalt ein Lied davon singen, wie das ist, mit dem Recht haben und Recht bekommen. Also was macht man - an Rio Reise denken. „Macht kaputt, was Euch kaputt macht.“ Erst kam ein Aufkleber mit „sexistischer Kackscheiße“. Dann wurde mit Eddings geschmiert. Dann wurde überklebt. Das jetzt in der Folge die Klotür auch twittern kann, hat ja noch seinen Charm. Aber das war es dann auch. Nachdem ich dankenswerterweise den Link zu dem benannten Blog zugesandt bekommen habe, habe ich mich auf den Weg des Verstehens gemacht. Mitten durch die Kommentare. Irgendwie kamen bei Assoziationsketten von Leserkommentaren bei kath.net auf (die Kommentar zu lesen, habe ich mir abgewöhnt) und bis hin zu diesem unseglichen kreuz.net. Aber ich war tapfer und habe bis zum Ende gelesen. Oben angefangen im Blog heißt es, dass Bild zeige eine Frau, die „offenbar unfreiwillig entblößt“ sei. Schade, dass das nicht weiter erklärt war, warum das „offenbar“ ist. Könnte man darin sehen, muss man aber nicht. Die Figur könnte sich selbst entblößt haben und dann gesehen worden sein. Gut, kann nicht sein, denn wer es verstanden hat, für den ist die richtige Sichtweise „offensichtlich“. Ich bin ja noch am Anfang des Verstehens. Gehen wir zu den Kommentaren. nonconform: „Leider muss der #cbase bescheinigt werden, mit ihren xenophoben und sexistischen Strukturen so wenig reflektiert umgehen zu wollen wie der letzte CSU Ortsverein.“ Okay, Outing: Ich war jahrelang in der CDU Mitglied. „nur“ in der CDU und ich dachte bis dato, die CSU wäre eher noch konservativer. Wenn die CSU Ortsvereine jetzt schon so sind, wie die c-base - dann schaue ich mir die CDU hier in Berlin auch mal wieder an. Vielleicht finde ich doch wieder zu einer Partei. Okay, weiter mit nonconform: „Dass Ihr die Klotür nun pink gestaltet habt, ist eine absolute Verhöhnung der Sexismusproblems.“ Pink ist sexistisch. Nun, es ist eher mangenta. Gleichwohl - liebe Telekom: Was habt Ihr für Berater? Hat Euch noch nie jemand gesagt, dass ihr Sexismus bereits im Logo transportiert? A propas - grün geht hoffentlich. Andernfalls bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Ein paar Zeilen später, erfährt man auch, wie es zu einer c-base-internen Veranstaltung (c-vision) kam. Herrje, was habe ich nicht auf der Station verpasst. So hatten mir das die Initiatoren selbst das gar nicht erzählt. Die muss dringend mal fragen, was das soll. Gut, dass ich den wahren Hintergrund von Dritten endlich erfahre. Danke!
Etwas weiterlesen regt sich anonymous darüber auf, dass das Kunstwerk mutwillig zerstört worden sei. Das kann die Seitenbetreiberin ja nicht auf sich sitzen lassen - da lag keine Zerstörung vor, sondern nur eine Überklebung. Irgendwie hatte ich das mit § 303 Abs. 2 StGB ja doch anders in Erinnerung. Miste, Examen doch zu lange her. Okay, entspannt zurück lehnen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das Problem immer noch nicht verstanden. Gut, ich bin nur ein Mann, da dauert das vielleicht ein wenig länger. Also lese ich nochmals die Erläuterungen der Künsterlin. Die hat ihr eigenes Gemälde offensichtlich auch nicht verstanden, denn sie sieht darin keinen Sexismus oder Rapeculture. Schön, ich fühle mich wenigstens nicht mehr allein. Aber leider hilft mir das nur bedingt weiter, ich will das Problem ja immer noch verstehen. Es wird ja immer wieder Rapeculture gesprochen (schreiben die das da eigentlich alle mit c dem c-lang zuliebe? Kultur schreibt man doch eigentlich mit k. Wer weiß. Vielleicht gibt habe ich auch eine Duden-Reform verpasst, würde mich langsam nicht mehr wundern). Den Begriff habe ich nicht ganz klar nicht verstanden. Die deutsche Wikipedia schweigt sich aus. Aber die Wahrheit liegt so nah. Nähern wir uns gleich dem Begriff. Kurz noch mal durch die Links gekliggt. Es gibt auch eine Bloggerin, die das Bild unerträglich findet. „Es war so, dass Mensch zwangsläufig an Situationen erinnert wurde, die sie entweder erlebt hat [...] oder [...] Alpträume produziert [...].“ Hat mich an dieses schöne Beispiel mit dem Stein erinnert (komm vom morgigen Vortrag doch nicht ganz los). Die Substanz und die Verbindung mit ihren Eigenschaften. Hier frage ich mich doch eher - sind hier leidvolle Erfahrungen nicht verarbeitet? Aber wäre nicht die Traumatherapie der geeignetere Weg? Als Rache mache ich mir die Welt untertan und sie hat sich mir anzupassen? Nur um das klar zu stellen - für die Betreffende sicherlich eine sehr tragische Erfahrung, die ich nicht kleinreden möchte. Aber das ist keine Rechtfertigung. Nächster Blog. Was ist ein CIS-Mann? Die allwissende Müllhalde hilft mir nicht weiter, Tante Google lässt mich allein. Langsam kriege ich eine depressive Verstimmung. Ich muss mich diesem Begriff nähern. Es hilft alles nichts. Erst mal ein Selbstversuch. Rape + culture, rape ist die Vergewaltigung, also die Nötigung zu sexuellen Handlungen. Kultur ist alles, was der Mensch selbst hervorbringt, im Gegensatz zur Natur. Nun gibt es Vergewaltigungen nicht nur beim Menschen, aber das führt zu weit und hilft uns beim fraglichen Manga auch nicht weiter. Zwingt das Bild zu einer sexuellen Handlung? Stellt es den Zwang zu einer sexuellen Handlung dar? Kam mir noch in den Sinn. Irgendwie wird man das Thema Scham bei dem Bild ja nicht los. Hängt Scham mit sexueller Gewalt zusammen? Nein, der hat andere Ursachen. Okay, ich trete auf der Stelle. Die deutsche Wikipedia schweigt sich aus - aber antiblog erklärt es mir jetzt. Na endlich. „Eine Rapeculture ist ein Glaubenssystem, dass männliche, sexuelle Aggression fördert und Gewalt gegen Frauen unterstützt. In einer solchen Gesellschaft wird Gewalt als “sexy” angesehen, und Sexualität als gewalttätig.“ Okay, auf dem Toilettenblog wurde ja der c-base vorgeworfen, entgegen der Ankündigung würde rapeculture nicht aktiv bekämpft. Dieses Bild symbolisiert also, dass Gewalt sexy sei oder Sexualität gewaltätig. Ich verstehe es nicht. Aber eines weiß ich jetzt - den Stiefel „rapeculture“ muss ich mir nicht anziehen. Seit fast zehn Jahren glücklich verheiratet kann ich sagen, dass wir unsere Sexualität nicht gewaltätig ausleben. Puh. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Aber mir fallen jetzt Freunde und Bekannte ein, die auf konsensualen SM-Sex stehen. Die Ärmsten werden da an sich arbeiten müssen. Die Form der Kultur geht gar nicht. Ich gebe es auf. Ob Ihr es mir glaubt oder nicht - ich habe wirklich Zeit darauf geworfen, das ganze verstehen zu wollen. Ich habe einige Gespräche im Vorfeld geführt, habe mir durch diesen mit Widersprüchen gespickten Versuch eines Artikels über sogenannte Rapeculture gekämpft - das Problem an dem Bild habe ich noch nicht verstanden. Vielleicht erklärt es mir mal einer bei einer Mate. Aber ich mir schwant etwas anderes. Ich war mal in der sogenannten „Linken“ Szene. Weg bin ich da, weil ich immer wieder in dem Eindruck bestätigt wurde, dass um so lauter die Begriffe „Toleranz“ und „Gleichheit“ gerufen wurden, um so weniger war davon in der Praxis zu spüren. Gefühlt bot eine Union mehr Offenheit als eine Gruppe Edelweiß-Piraten. Fakten schaffen, Selbstjustiz, Sachbeschädigung - vielleicht solltest Du es mal dort probieren. Die finden das auch dufte. Wir nicht. Mist, auf der letzten Zeile doch noch in die Godwin-Falle getappt. Und ich habe mich so lange zusammengerissen. Ach - und wenn es nach mir ginge - Gemälde wieder ran. Nicht des Gemäldes willens - sondern damit diese Art von Machtspielchen von denen, die sich gegen Machtgefälle aussprechen, nicht manifestiert. Wehret den Anfängen. GlaubwürdigkeitWenn der Spiegel über die katholische Kirche schreibt, ist die Richtung so klar, wie die taz bei ihren Artikeln über die CDU. Jetzt geht es mal wieder über den braunen Sumpf kreuz net. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich mehrfach klar von diesem braunen Sumpf distanziert. Ein rechtliches Vorgehen ist leider nicht möglich, da die Autoren anonym veröffentlichen und die Server im Ausland stehen. Der Verfassungsschutz beobachtet, um an die Hintermänner. Okay, das heißt nicht wirklich was. Aber nach dem Schmähaufruf über Dirk Bach hat ein Verlag sogar eine "Kopfgeldprämie" ausgesetzt, um an die Hintermänner ranzukommen. Nichts zu machen. Aber der Spiegel weiß Bescheid. Er recherchiert, schwups, ist klar: Kirchenmitarbeiter sind beteiligt. Volker Beck kann auch nicht an sich halten. Denn schnell wird suggeriert - die Kirche könnte ja, wenn sie wollte. Ich bin mir sicher, der Artikel ist nur in der falschen Rubrik gelandet. Eigentlich sollte er bei SPAM stehen - der Satire-Seite vom Spiegel... |
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