Die Vorbereitungen für morgen sind erst einmal fertig. Es kommt der gewagte Sprung vom Heiligsten (Thema morgen ist Eucharistie) zu einer Klotür. Das hat zwar mit dem täglichen Glauben nichts zu tun. Aber muss mal raus.

 

Eine Klotür in der c-base ist das Corpus delicti. Sie ist hier einsehbar. Es handelt sich um eine Manga-Zeichnung, die eine Comic-Zeichnerin (sic!) auf der Innentür einer Damentoilette vor etlichen Jahren anfertigte. Da ich nicht gepflege, auf Damentoiletten zu gehen, blieb mir dieses Werk bis vor wenigen Wochen unbekannt. Die Diskussion kochte hoch, also beschloss ich mit einem Freund, einen Vor-Ort-Termin wahrzunehmen.
Das Bild und die Örtlichkeit vor Augen mag der geneigte Leser kurz darüber sinnieren, was ihm in den Sinn kommt.
Mein Gedankengang war - hier öffnet jemand genau diese Tür, wahrscheinlich vom anderen Geschlecht. Mein Blick wäre in diesem Fall jedenfalls ähnlich. Könnte man denken. Wer so denkt, hat die Sexualität, die Gesellschaft und alles andere, was unter dem Begriff 42 zusammenfällt, nicht verstanden. So doziert es die Bloggerin antiblog in ihrem Blog. Ich vermute ja inzwischen, dass diese Ideen mit einem längeren Aufenthalt auf der betreffenden Örtlichkeit mit Verdauungsbeschwerden zusammen hingen. Das würde manches noch erklären...

 

Die Sache kurz gefasst: Die Zeichnung wurde als „Rapeculture“ gebrandtmarkt und sollte entfernt werden. Das entsprechende Gremium tagte. Entscheidung: Da die Bedürfnisanstalt für Frauen im Regelfall nur von Frauen besucht wird, mögen diese sich bitte darum kümmern und das in ihrem Sinne gestalten. Nun hatte die Mehrheit der Frauen aber wie im vergangenen Jahrzehnt mit der Zeichnung kein Problem und es passierte - nichts. Okay, „die da“ reagieren nicht und haben es nicht kapiert. Zweiter Anlauf, nächster circle. Der tagte und es fand sich eine Mehrheit beiderlei Geschlechts: ist Kunst, damit frei, gefällt uns - bleibt. Nun kann ich ja als Anwalt ein Lied davon singen, wie das ist, mit dem Recht haben und Recht bekommen. Also was macht man - an Rio Reise denken. „Macht kaputt, was Euch kaputt macht.“ Erst kam ein Aufkleber mit „sexistischer Kackscheiße“. Dann wurde mit Eddings geschmiert. Dann wurde überklebt.

Das jetzt in der Folge die Klotür auch twittern kann, hat ja noch seinen Charm.

Aber das war es dann auch. Nachdem ich dankenswerterweise den Link zu dem benannten Blog zugesandt bekommen habe, habe ich mich auf den Weg des Verstehens gemacht. Mitten durch die Kommentare. Irgendwie kamen bei Assoziationsketten von Leserkommentaren bei kath.net auf (die Kommentar zu lesen, habe ich mir abgewöhnt) und bis hin zu diesem unseglichen kreuz.net. Aber ich war tapfer und habe bis zum Ende gelesen.

Oben angefangen im Blog heißt es, dass Bild zeige eine Frau, die „offenbar unfreiwillig entblößt“ sei. Schade, dass das nicht weiter erklärt war, warum das „offenbar“ ist. Könnte man darin sehen, muss man aber nicht. Die Figur könnte sich selbst entblößt haben und dann gesehen worden sein. Gut, kann nicht sein, denn wer es verstanden hat, für den ist die richtige Sichtweise „offensichtlich“. Ich bin ja noch am Anfang des Verstehens.
Es kommt die Frage auf, ob die Überklebung mit Alufolie und Bemalung mit Eddings Kunst oder Sachbeschädigung sei. Die Frage wird durch die Bloggerin leider nicht beantwortet. Ob es Kunst ist, vermag ich nicht beantworten zu können. Die Fettecke habe ich schon im Studium nicht verstanden. Mit der nehme ich es jetzt nicht noch einmal auf. Ob es Sachbeschädigung ist, da kann ich als staatlich geprüfter Rechtskundiger (Insiderwitz) mitreden. Kurz und knapp - das ist eine Sachbeschädigung. Ob aus der Frage mit dem „oder“ sich ableiten lässt, dass es damit keine Kunst mehr sein kann - die Autorin läßt mich damit allein. Schade.

Gehen wir zu den Kommentaren. nonconform: „Leider muss der #cbase bescheinigt werden, mit ihren xenophoben und sexistischen Strukturen so wenig reflektiert umgehen zu wollen wie der letzte CSU Ortsverein.“ Okay, Outing: Ich war jahrelang in der CDU Mitglied. „nur“ in der CDU und ich dachte bis dato, die CSU wäre eher noch konservativer. Wenn die CSU Ortsvereine jetzt schon so sind, wie die c-base - dann schaue ich mir die CDU hier in Berlin auch mal wieder an. Vielleicht finde ich doch wieder zu einer Partei.
Weiter mit nonconform: „ich verstehe den Unmut über die Sachbeschädigung. Leider war das Problem schon länger bekannt und der Circle hätte reagieren können.“ Nicht im meinem Sinne reagieren heißt also, gar nicht reagieren (den der circle hat ja durch zwei Beschlüsse reagiert). Okay, dazugelernt - keine Reaktion heißt nicht zwangsläufig das Ausbleiben derselben. Aber - holla - wir treffen wieder auf einen juristischen Begriff - auch dank nonconform - die Notwehrhandlung. Vielen Dank. Setzt gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff voraus. Das sich das Bild nicht durch längere Ausstellungsdauer legitimiert, da bin ich ja sofort dabei. Das es aber noch nach Jahren einen gegenwärtigen Angriff darstellt, überrascht mich. Ich rate an, diese Ansicht in juristischen Fachzeitungen weiter zu verbreiten. Vielleicht werden die Bundesrichter in Leipzig diesen Begriff neu auslegen. Jurastudenten / Referendaren möchte ich an dieser Stelle eine deutliche Warnung aussprechen - diese Ansicht hat sich noch nicht durchgesetzt. Korrektoren würde das sehr verwirren. In Klausuren sollte noch am traditieren festgehalten werden...

Okay, weiter mit nonconform: „Dass Ihr die Klotür nun pink gestaltet habt, ist eine absolute Verhöhnung der Sexismusproblems.“ Pink ist sexistisch. Nun, es ist eher mangenta. Gleichwohl - liebe Telekom: Was habt Ihr für Berater? Hat Euch noch nie jemand gesagt, dass ihr Sexismus bereits im Logo transportiert? A propas - grün geht hoffentlich. Andernfalls bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar.

Ein paar Zeilen später, erfährt man auch, wie es zu einer c-base-internen Veranstaltung (c-vision) kam. Herrje, was habe ich nicht auf der Station verpasst. So hatten mir das die Initiatoren selbst das gar nicht erzählt. Die muss dringend mal fragen, was das soll. Gut, dass ich den wahren Hintergrund von Dritten endlich erfahre. Danke!


Weiter im Text.schreibt „angeklagter“ davon, dass ihr „Blödsinn“ quatscht und „sogar noch Gesetze überschreitet“. Das wird durchgestrichen dargestellt, da die Seiteninhaberin das für Beleidigend hält. Es geht also weiter mit juristischen Begriffen. Nun hat es mich schon so manches mal überrascht, was eine Beleidigung ist und was nicht. Auch hier wieder dazu gelernt. Damit andere Juristen ebenso eine Chance zum Mitlernen bekommen die Bitte - Veröffentlichen in den berufsüblichen Blättern wäre schön. Nicht das man vor Gericht auf einmal alleine ist mit seinem Wissensfundus.
Dank der Seitenbetreiberin lerne ich jetzt, dass es eine Diskussion um den „Alienbegriff“ geht. Aliens werden in der c-base die Nicht-Vereinsmitglieder betitelt. Das es hierzu eine Diskussion der scheinbar doch nicht klaren Definition gibt, ist mir neu. Mindestens einmal die Woche auf Station und man kriegt nichts mit...

Etwas weiterlesen regt sich anonymous darüber auf, dass das Kunstwerk mutwillig zerstört worden sei. Das kann die Seitenbetreiberin ja nicht auf sich sitzen lassen - da lag keine Zerstörung vor, sondern nur eine Überklebung. Irgendwie hatte ich das mit § 303 Abs. 2 StGB ja doch anders in Erinnerung. Miste, Examen doch zu lange her.
kela wirft gibt ihren Beitrag - der/die/das geschätzte nonconform erklärt nur, dass sie Anarchie nicht verstanden habe. Schade. Ich dann bestimmt auch nicht. Noch schader, dass es dann nicht erklärt wird. Ich fühle mich alleine gelassen.
Dabei fällt mir auf - was ist eigentlich Xenophobie. Blick in Wikipedia, wieder dazu gelernt, hatte an etwas anderes gedacht. Fremdenfeindlichkeit also. Ach nein, lehrt uns die Seitenbetreiberin geht ja auch nicht. Der Begriff „stinkt“. Ich falle wieder zurück zu meinem Vortragsthema - ist das stinken real oder symbolisch gemeint?

Okay, entspannt zurück lehnen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das Problem immer noch nicht verstanden. Gut, ich bin nur ein Mann, da dauert das vielleicht ein wenig länger. Also lese ich nochmals die Erläuterungen der Künsterlin. Die hat ihr eigenes Gemälde offensichtlich auch nicht verstanden, denn sie sieht darin keinen Sexismus oder Rapeculture. Schön, ich fühle mich wenigstens nicht mehr allein. Aber leider hilft mir das nur bedingt weiter, ich will das Problem ja immer noch verstehen. Es wird ja immer wieder Rapeculture gesprochen (schreiben die das da eigentlich alle mit c dem c-lang zuliebe? Kultur schreibt man doch eigentlich mit k. Wer weiß. Vielleicht gibt habe ich auch eine Duden-Reform verpasst, würde mich langsam nicht mehr wundern). Den Begriff habe ich nicht ganz klar nicht verstanden. Die deutsche Wikipedia schweigt sich aus. Aber die Wahrheit liegt so nah. Nähern wir uns gleich dem Begriff. Kurz noch mal durch die Links gekliggt.

Es gibt auch eine Bloggerin, die das Bild unerträglich findet. „Es war so, dass Mensch zwangsläufig an Situationen erinnert wurde, die sie entweder erlebt hat [...] oder [...] Alpträume produziert [...].“ Hat mich an dieses schöne Beispiel mit dem Stein erinnert (komm vom morgigen Vortrag doch nicht ganz los). Die Substanz und die Verbindung mit ihren Eigenschaften. Hier frage ich mich doch eher - sind hier leidvolle Erfahrungen nicht verarbeitet? Aber wäre nicht die Traumatherapie der geeignetere Weg? Als Rache mache ich mir die Welt untertan und sie hat sich mir anzupassen? Nur um das klar zu stellen - für die Betreffende sicherlich eine sehr tragische Erfahrung, die ich nicht kleinreden möchte. Aber das ist keine Rechtfertigung.

Nächster Blog. Was ist ein CIS-Mann? Die allwissende Müllhalde hilft mir nicht weiter, Tante Google lässt mich allein. Langsam kriege ich eine depressive Verstimmung.

Ich muss mich diesem Begriff nähern. Es hilft alles nichts. Erst mal ein Selbstversuch. Rape + culture, rape ist die Vergewaltigung, also die Nötigung zu sexuellen Handlungen. Kultur ist alles, was der Mensch selbst hervorbringt, im Gegensatz zur Natur. Nun gibt es Vergewaltigungen nicht nur beim Menschen, aber das führt zu weit und hilft uns beim fraglichen Manga auch nicht weiter. Zwingt das Bild zu einer sexuellen Handlung? Stellt es den Zwang zu einer sexuellen Handlung dar? Kam mir noch in den Sinn. Irgendwie wird man das Thema Scham bei dem Bild ja nicht los. Hängt Scham mit sexueller Gewalt zusammen? Nein, der hat andere Ursachen. Okay, ich trete auf der Stelle. Die deutsche Wikipedia schweigt sich aus - aber antiblog erklärt es mir jetzt. Na endlich. „Eine Rapeculture ist ein Glaubenssystem, dass männliche, sexuelle Aggression fördert und Gewalt gegen Frauen unterstützt. In einer solchen Gesellschaft wird Gewalt als “sexy” angesehen, und Sexualität als gewalttätig.“ Okay, auf dem Toilettenblog wurde ja der c-base vorgeworfen, entgegen der Ankündigung würde rapeculture nicht aktiv bekämpft. Dieses Bild symbolisiert also, dass Gewalt sexy sei oder Sexualität gewaltätig. Ich verstehe es nicht. Aber eines weiß ich jetzt - den Stiefel „rapeculture“ muss ich mir nicht anziehen. Seit fast zehn Jahren glücklich verheiratet kann ich sagen, dass wir unsere Sexualität nicht gewaltätig ausleben. Puh. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Aber mir fallen jetzt Freunde und Bekannte ein, die auf konsensualen SM-Sex stehen. Die Ärmsten werden da an sich arbeiten müssen. Die Form der Kultur geht gar nicht.

Ich gebe es auf. Ob Ihr es mir glaubt oder nicht - ich habe wirklich Zeit darauf geworfen, das ganze verstehen zu wollen. Ich habe einige Gespräche im Vorfeld geführt, habe mir durch diesen mit Widersprüchen gespickten Versuch eines Artikels über sogenannte Rapeculture gekämpft - das Problem an dem Bild habe ich noch nicht verstanden. Vielleicht erklärt es mir mal einer bei einer Mate.

Aber ich mir schwant etwas anderes. Ich war mal in der sogenannten „Linken“ Szene. Weg bin ich da, weil ich immer wieder in dem Eindruck bestätigt wurde, dass um so lauter die Begriffe „Toleranz“ und „Gleichheit“ gerufen wurden, um so weniger war davon in der Praxis zu spüren. Gefühlt bot eine Union mehr Offenheit als eine Gruppe Edelweiß-Piraten.
In der c-base bin ich member und engagiert, weil ich fündig geworden bin. Da kann man friedlich mit anderen sitzen, die ein anderes Weltbild, ein anderes Wertesystem, andere / keine Religion haben, andere Visionen - und kann trotzdem sich respektieren und eine Mate zusammen trinken. Klar menschelt es, klar passt nicht immer die Chemie. Aber irgendwie eint die Station trotzdem. Und trotz aller Offenheit gibt es Grenzen. Es kommt zu Grenzüberschreitungen und im Rahmen des möglichen, werden mehr oder minder konsequent verfolgt. Wie im echten Leben. Und wie im echten Leben sind „Gäste“ „Gäste“. Wenn ich mir privat Gäste einlade, sind sie herzlich willkommen. Ich kann mich an keinen Fall erinnern, wo es ein Problem gewesen wäre - aber ich will keinen Gast in meinem Schlafzimmer und bis auf ein paar sehr enge Freunde käme wohl keiner auf die Idee, ungefragt beispielsweise an den Kühlschrank zu gehen. Solche ungeschriebenen Regeln scheinen manche Gäste in der c-base nicht wahrzunehmen oder als diskriminierend zu empfinden. Schade, aber dann passen wir nicht zueinander. Finde ich nicht schlimm, muss nicht jeder mit jedem können. Es gibt ja ausreichend Spielwiesen in Berlin. Ich fühle mich umgekehrt nicht an jedem Ort wohl.
Immer wieder sehen wir in der Fälle von mangelnder Sozialkompetenz. Da gehören einige der oben genannten Fälle klar dazu. Die meisten kriegen es ohne Anleitung auf die Kette, aber manch einer braucht dafür wohl eine Ansage (Schild am Eingang?). Dazu gehört - fremdes Eigentum respektieren (die betreffende Tür gehört der RS20), circle- und Vorstandsbeschlüsse respektieren und was ceymember sagen, befolgen (Rechtsbehelf hierzu auf Anfrage). Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass das Grundbedingungen für ein friedliches Miteinander darstellen. Es haben sich bei uns Mechanismen entwickelt, die sich bewährt haben. Dazu gehört, dass wir stationsinterne Sachen auf dem sogenannten circle ausdiskutieren lassen. Das ist manchmal anstrengend, manchmal mit Popcorn verbunden. Obwohl wir Nerd sind: Diskutiert wird nur mit denen, die persönlich anwesend sind. Heiho, das sollte aufhorchen lassen.
Am Ende wird von den dafür stimmberechtigten Vereinsmitgliedern abgestimmt und dann geht es weiter. Bloß weil ich es intellektuell hinbekommen habe, mir einen Twitter-Account einzurichten, führt das noch nicht dazu, dass ich damit stationsrelevante Entscheidungen treffe. Vielleicht ist das bei neugegründeten Parteien. Weiß ich nicht, da bin ich zuwenig unterwegs. Hier ist das nicht so und wir wollen das genau so. Wenn Dir das nicht passt, siehe oben, schade, aber vielleicht passt es einfach mit anderen Leuten besser.

Fakten schaffen, Selbstjustiz, Sachbeschädigung - vielleicht solltest Du es mal dort probieren. Die finden das auch dufte. Wir nicht. Mist, auf der letzten Zeile doch noch in die Godwin-Falle getappt. Und ich habe mich so lange zusammengerissen.

Ach - und wenn es nach mir ginge - Gemälde wieder ran. Nicht des Gemäldes willens - sondern damit diese Art von Machtspielchen von denen, die sich gegen Machtgefälle aussprechen, nicht manifestiert. Wehret den Anfängen.